Mentorinnen Frauen-Connections

Mentoring war bisher Männersache. Jetzt bekommen die "Old Boy's Networks" langsam Schwestern: In Rheinland-Pfalz und Hessen werden an den Hochschulen Netzwerke für Frauen in Naturwissenschaft und Technik geknüpft. Das Ziel: Schülerinnen den Weg ins Studium zu erleichtern, Absolventinnen den in den Job.

Von Andrea Behnke


Andrea Schweiker ist eine, die alle Hürden genommen hat. Sie, die eigentlich schon mit 13 in die technische Welt wollte, machte nach der Mittleren Reife eine kaufmännische Lehre. Danach: Fachabi nachgeholt, Maschinenbau und Produktionstechnik studiert, Praktika absolviert. Später Projektleitung bei einem Automobilzulieferer und in der Chemiebranche, berufsbegleitend Aufbaustudium "Umweltschutz". Vor drei Jahren hat sich die 40-Jährige mit einem Ingenieurbüro selbstständig gemacht, nebenbei lehrt sie an der FH Frankfurt Umweltmanagement.

Sie hat's geschafft. Doch das, was sich wie eine Bilderbuchkarriere liest, hatte Haken und Ösen, wie sie offen zugibt: "Die Schwierigkeiten waren ganz klar da. Es gab immer wieder derbe Bemerkungen. Ich war oft die einzige Frau und musste mich doppelt beweisen."

Frauensolidarität ist für sie sehr wichtig. "Denn unter Frauen kann man auch mal Schwächen zugeben. Das ist im Studium und im Beruf nicht drin." Daher engagiert sich die Frankfurterin hessische Mentorinnen-Projekt. Ihr Anliegen ist es, ihrem Schützling - eine Geografiestudentin - den einen oder anderen Stein aus dem Weg zu räumen, über den sie selbst gestolpert ist.

Was das bedeutet, weiß Enikö-Magdalena Schwab nur zu gut. Seit sie sich regelmäßig mit ihrer Mentorin, einer Stadtplanerin, austauscht, sieht sie wieder Land. Die 32-Jährige hat in Rumänien ein Lehramts-Studium abgeschlossen, bevor sie in Deutschland Psychologie paukte. Nach dem Vordiplom traute sie sich, endlich ihren Traum wahr zu machen und wechselte zu Architektur.

Sieht jetzt wieder Land: Enikö-Magdalena Schwab

Sieht jetzt wieder Land: Enikö-Magdalena Schwab

"Vorher war auf meiner Festplatte abgespeichert, dass das ein Männerberuf ist", sagt sie. Jetzt - kurz vor ihrem Examen - bekommt sie zu spüren, dass sie damit nicht ganz so unrecht hat. Denn: Sie hat eine vierjährige Tochter und ist jetzt wieder schwanger. "Die Arbeitszeiten in Architekturbüros sind mit Familie nicht vereinbar." Und: Frauen findet man - obwohl ihr Anteil im Studium sehr hoch ist - meistens nur in der "zweiten Reihe".

Dass es auch andere Arbeitsmodelle gibt, hat sie im Mentoring erfahren. "Alleine schaut man zu wenig nach rechts und links und kennt viele Möglichkeiten gar nicht", meint die angehende Architektin. Durch ihre Mentorin, die selber Mutter ist und Teilzeit arbeitet, ist sie an einen interessanten Aushilfsjob im Stadtplanungsmanagement gekommen.

Das ist ein Arbeitsfeld, das sie zuvor gar nicht im Blick hatte. Außerdem haben die Gespräche sie darauf gebracht, dass sie später all ihre Kenntnisse - also auch das psychologische und didaktische Know-how - verbinden sollte. Auch ein Gedanke, auf den sie alleine nicht gekommen wäre.

Ihr wurde geholfen und sie hilft: Anke Bretz

Ihr wurde geholfen und sie hilft: Anke Bretz

Anke Bretz hätte ohne Mentoring wahrscheinlich sogar ein ganz anderes Studienfach gewählt. "Informatik hatte ich überhaupt nicht im Kopf", sagt die 21-jährige. Erst als Mentorinnen der Uni Koblenz an ihre Schule kamen und den Kanon technischer Fächer vorgestellt haben, hat's bei ihr "klick" gemacht. Seitdem war für sie klar: "Man muss Mädchen einfach mehr Mut machen."

Daher ist jetzt selber als Mentorin aktiv, macht Schulbesuche und berät junge Frauen. "Wir hören immer wieder raus, dass Lehrer viel falsch machen - von wegen Frauen und Technik. Wir versuchen, den Schülerinnen die Scheu davor zu nehmen zu versagen." Ihre Eltern waren über ihren Studienwunsch begeistert - aber das ist nicht die Regel. Daher spielen die Mentorinnen eine wichtige Rolle.

Auch Andrea Schweiker hätte sich zu ihrer Schulzeit eine Mentorin gewünscht. Dann hätte sie sich vielleicht die kaufmännische Lehre gespart. Aber auch Umwege können ja zum Ziel führen.



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