Berlin, München & Co. Preise für Studentenwohnungen steigen rasant

Berlin, Berlin, wir wollen nach Berlin: Für ein WG-Zimmer müssen Studenten 37 Prozent mehr zahlen als vor sechs Jahren. Auch in anderen Uni-Städten steigen die Preise, wie die Grafik zeigt.
Studenten vor der Humboldt-Universität in Berlin

Studenten vor der Humboldt-Universität in Berlin

Foto: DPA

Berlin ist Berlin - und damit eine der beliebtesten Städte für Studenten. Und eine, die immer teurer wird: Wer in diesem Wintersemester als Student eine Bleibe in der Hauptstadt sucht, muss rund 37 Prozent mehr Miete zahlen als noch vor sechs Jahren.

"In Berlin sind die Preissteigerungen sehr stark", sagt Michael Voigtländer, der eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag des Deutschen Real Estate Funds geleitet hat. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres erhöhten sich die Mieten für kleine Wohnungen und WG-Zimmer um sieben Prozent.

Die Experten erklären das mit dem anhaltenden Zuzug in die Stadt. "Seit 2012 erhöht sich die Zahl der Studierenden je Wintersemester um rund 5000 Menschen", sagt ein Sprecher des Studentenwerks.

Für die Studie verglichen die Forscher die Mietpreisdynamik von Durchschnitts-Studentenunterkünften zwischen 2010 und 2016 in 15 Groß- und Universitätsstädten. Am heftigsten gestiegen sind die Preise laut der Untersuchung neben Berlin in München (plus 25 Prozent) und Stuttgart (plus 21 Prozent). In Frankfurt, Bonn und Heidelberg fiel der Anstieg mit acht bis 14 Prozent moderat aus.

Preisentwicklung für Studentenbuden

Preisentwicklung für Studentenbuden

Foto: Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Deutschlandweit ist es in München immer noch am teuersten: Studenten müssen in der bayerischen Landeshauptstadt für eine typische Studentenwohnung - 30 Quadratmeter, Einbauküche und nah an der Uni - durchschnittlich 615 Euro Warmmiete zahlen. Am günstigsten ist Leipzig mit 316 Euro. Berlin liegt mit 407 Euro im Mittelfeld - vor sechs Jahren zahlte man hier allerdings noch 333 Euro durchschnittlich.

Aber auch im kleineren Osnabrück müssen Studenten mehr für ihre Wohnung zahlen als früher. "Osnabrück hat uns recht überrascht", sagt Voigtländer. In der niedersächsischen Universitätsstadt nahmen die Preise für Studentenwohnungen im untersuchten Zeitraum um gut ein Viertel zu. Gründe dafür seien eine generell geringe Leerstandsquote und der gestiegene Bedarf an Wohnraum für Flüchtlinge, erklären die IW-Experten. In Osnabrück zahlten Studenten demnach in diesem Jahr durchschnittlich rund 397 Euro (2010: 343 Euro) Miete.

In kleineren Städten schlägt die hohe Nachfrage - aufgrund steigender Studentenzahlen und Zuwanderung - laut Untersuchung tendenziell sogar stärker auf die Mieten durch als in Metropolen. "Die Preissteigerungen sind höher im studentischen Wohnen als im Gesamtmarkt", sagt IW-Studienleiter Michael Voigtländer.

Weitere Preissteigerungen erwartet

Was die Situation noch verschärft: Studenten konkurrieren mit anderen Gruppen wie Rentnern und Berufsanfängern um die bezahlbaren, kleinen Wohnungen - sind dabei aber von der allgemeinen Gehaltsentwicklung abgekapselt, so die Studienmacher.

Auch künftigen Studenten macht die Studie keine großen Hoffnungen: Die Mietpreisdynamik werde auch in den kommenden Jahren nicht an Geschwindigkeit verlieren. "Der Preisdruck wird nicht nachlassen und von daher muss man sich mit weiteren Preissteigerungen arrangieren", sagt Voigtländer.

Als Datengrundlage wurden die Inserate der Internetplattform "ImmobilienScout24" genutzt. Um nur Inserate einzubeziehen, die wirklich für Studenten interessant sind, sind die teuersten 20 Prozent nicht in die Berechnung eingeflossen.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam kürzlich auch eine andere Untersuchung des Moses Mendelssohn Instituts im Auftrag des Immobilienentwicklers GBI. Demnach hat sich in der Mehrheit der Universitätsstädte die Wohnsituation im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert. Als besonders kritisch wurde die Wohnsituation in München, Frankfurt am Main und Köln eingeschätzt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, das Wohngemeinschafts-Portal "WG-Gesucht" gehöre zur Internetplattform "ImmobilienScout24". Diese Information der Deutschen Presseagentur war nicht korrekt, wir haben den Fehler berichtigt.

lgr/dpa
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