Millionen an US-Uni Vorfahrt für BMW

Mit Millionenspenden sicherte sich der deutsche Autobauer BMW Einfluss auf Forschung und Lehre der US-Universität Clemson. Kritiker sehen durch die enge Kooperation die Freiheit der Wissenschaft in Gefahr.


Wenn James F. Barker morgens zur Arbeit will, hat er es sehr bequem. Der Präsident der amerikanischen Universität Clemson im US-Bundesstaat South Carolina fährt einen silbernen BMW X5 Sportedition - der Geländewagen ist eine kleine Aufmerksamkeit von BMW. Die Autobauer betreiben 50 Kilometer von Clemson entfernt eine Fabrik.

Universität Clemson; Enge Kooperation mit BMW

Universität Clemson; Enge Kooperation mit BMW

Dennoch wird sich Barker womöglich in den komfortablen Sitzen seines Luxus-Gefährts derzeit nicht besonders wohl fühlen: Die Clemson University steht für ihre ungewöhnlich enge Kooperation mit BMW in der öffentlichen Kritik.

Nach einem Bericht der "New York Times" nimmt der Autokonzern mit seinen Spenden erheblichen Einfluss auf die Ausrichtung der Universität im Südosten der USA: Er kontrolliere große Teile des Lehrplans, wähle die Angestellten der Universität aus, bestimme das Profil des idealen Studenten und entwerfe sogar die Architektur von Teilen der Universität.

Großspende für Autoforschungszentrum

Kooperationen zwischen Firmen und Universitäten sind in USA eigentlich nichts Ungewöhnliches. Es störte daher auch niemanden, dass Clemson im Jahr 2002 für den Aufbau eines Autoforschungszentrum eine BMW-Großspende über zehn Millionen US-Dollar annahm.

Als dann aber wenig später ein Bauunternehmer aus Florida die Universität wegen eines entgangenen Auftrags verklagte, kamen ungewöhnliche Dokumente über die Zusammenarbeit zum Vorschein. So soll BMW die Universität gedrängt haben, ihre Pläne für einen High-Speed-Windtunnel zugunsten des teuren Autoforschungszentrums aufzugeben. In einem Brief versicherte Clemson BMW "einen exklusiven Status auf dem Campus gegenüber anderen Autoherstellern". BMW mochte zu den Vorwürfen des Bauunternehmers keine Stellung beziehen.

Durch den exklusiven Status konnte BMW in den vergangenen Jahren von den Leistungen des größtenteils staatlich finanzierten Autoforschungszentrums profitieren. Der Deal: BMW erhält die Patente neuer Forschungen und bezahlt dafür Fördergelder. Mit diesen Geldern konnte die Uni Clemson beispielsweise als erste Hochschule in den USA einen Doktorabschluss in Automobilbau anbieten.

"BMW wird den ganzen Campus kontrollieren"

Die Kooperation hat aber nach den Recherchen der "New York Times" Nachteile für die Universität. "BMW wird den ganzen Campus kontrollieren", so wird Doug Richardson, an der Uni Clemson zuständig für die Finanzierung der Ausstattung, in dem Artikel zitiert.

Weitere Ergebnisse der Nachforschungen: Bewerber auf eine Stelle an der Universität sprechen angeblich beim Bewerbungsgespräch auch mit BMW, im Verwaltungsrat der Universität kontrolliere der Konzern die Arbeiten der Studenten, damit keine Unternehmengeheimnisse veröffentlicht werden. Jeden Monat überarbeiteten BMW-Manager sogar den Lehrplan für Autoingenieure in Clemson.

Kritiker befürchten, dass die Trennung von akademischer Forschung und profitorientierter Produktentwicklung verschwimmen. Die Freiheit der Universitäten sei in Gefahr, wenn ein Autokonzern bestimme, was geforscht werde. Robert M. Hitt, Sprecher der benachbarten BMW-Fabrik, sieht das anders: "BMW hat Clemson nicht gefangen genommen", betont er, fügt aber noch hinzu: "Wo sollen wir sonst unsere zukünftigen Manager rekrutieren?"

Bay

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