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24. Februar 2010, 10:34 Uhr

Minister-Ranking

Von mittelmäßig bis miserabel

Professoren stehen oft in der Kritik und teilen einmal im Jahr selbst aus: Per Ranking rechnen sie mit der Arbeit der Wissenschaftsminister ab. Die Note 4,0 gab's für Bundesbildungsministerin Annette Schavan - selbst das reichte noch fürs Mittelfeld. Denn die beste Minister-Zensur war eine Drei.

Studenten, Professoren und Hochschulen kennen sich mit Ranglisten bestens aus. An der LMU München etwa bekommt das beste Zehntel der Absolventen ihre Studiengebühren komplett erlassen - weit vorn zu stehen zahlt sich in barer Münze aus. Die Forschung ist ohnedies ein großer Wettstreit um Publikationen in großen Fachmagazinen, um Drittmittel und um Elite-Lorbeeren in der Exzellenzinitiative. Und tauchen Professoren in der Lehre ab oder halten immer die gleiche Vorlesung aus den siebziger Jahren, erhalten sie in Foren und im Bewertungsportal meinprof.de meist die schlechten Noten, die sie verdienen.

Von Rankings verschont bleiben meist die Bildungs-, Wissenschafts- und Kultusminister in den 16 Ländern. Sie treffen viele Entscheidungen, die gut zwei Millionen Studenten, Zehntausende von Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter an ihren Hochschulen direkt betreffen. Regelmäßig treffen sie sich in der Kultusministerkonferenz , brüten über Bafög-Sätzen, Stipendienmodellen, Hochschulgesetzen, Regeln für den Bachelor - und suchen nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner.

Professoren strafen Bildungspolitiker ab

Einmal im Jahr bläst der Deutsche Hochschulverband (DHV) zum Minister-Ranking. Die DHV-Mitglieder, überwiegend Universitätsprofessoren, gönnten den Ministern wie schon im Vorjahr nur mäßige Zensuren. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) etwa schafft in der frisch veröffentlichten Rangliste gerade so die Schulnote 4,0, also "ausreichend" - und liegt damit nicht etwa am Ende, sondern im Mittelfeld des Minister-TÜV.

"Ministerin des Jahres" wurde die frühere sächsische Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD). Ihre hochschul- und wissenschaftspolitischen Leistungen wurden bei der Online-Umfrage unter den habilitierten Professoren mit der guten Note Drei und damit "befriedigend" noch am besten bewertet, meldete der DHV am Dienstag. Stange, seit Herbst 2009 nicht mehr im Amt, liegt vor dem Vorjahressieger, Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos), und Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP), deren Arbeit mit der Note "noch befriedigend" beurteilt wurde.

Im Notenspektrum zwischen "drei minus" und "vier" befinden sich auch Wolfgang Heubisch (FDP/Bayern), Doris Ahnen (SPD/Rheinland-Pfalz), Jürgen Zöllner (SPD/Berlin), Peter Frankenberg (CDU/Baden-Württemberg), Henry Tesch (CDU/Mecklenburg-Vorpommern), Ex-Minister Bernward Müller (CDU/Thüringen) sowie Eva Kühne-Hörmann (CDU/Hessen).

Das Schlusstrio bilden die Minister der Nordländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg. Die Leistungen von Lutz Stratmann, Ex-Minister Jörn Biel sowie von Herlind Gundelach (alle drei CDU) wurden mit "vier minus" und "mangelhaft" bedacht.

Der beste Rektor residiert in Rostock

Die Professoren waren auch aufgerufen, den besten Hochschulchef aus den eigenen Reihen zu küren: Rektor des Jahres wurde Wolfgang Schareck, Gefäßchirurg und erst seit einem guten Jahr Rektor der Universität Rostock. Knapp dahinter landete Lambert T. Koch, 44, Rektor der Uni Wuppertal auf Rang zwei, gefolgt von Elmar Weiler, 60, Rektor der Ruhr-Uni Bochum.

Gewählt werden konnten nur Minister und Rektoren, die zu Beginn der Abstimmung mindestens 100 Tage im Amt waren. Andernfalls stand der Amtsvorgänger zur Abstimmung. Die Wahl der Politiker lief vom 10. November bis zum 20. Dezember online.

Über ein Passwort stellte der Verband sicher, dass jeder Teilnehmer nur einmal abstimmen konnte. Der Rücklauf für die Befragung war allerdings mäßig, nur 2264 der rund 25.000 DHV-Mitglieder nahmen teil. So konnten die Minister der Länder Bremen, Saarland und Brandenburg nicht aufgenommen werden, weil sie zu wenig Stimmen für ein gültiges Ergebnis hatten.

cht/dpa

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