Rat vom WG-Psychologen Meine Mitbewohnerin macht ständig etwas kaputt

Geschirr zerbricht, ein Ladegerät fällt ins Wasser, Plastikschüsseln schmelzen auf dem Herd: Carmens Mitbewohnerin zerstört - aus Versehen - ständig ihre Sachen, will jedoch nicht für den Schaden aufkommen. WG-Psychologe Büter weiß Rat.

Oh, hoppla. Sorry. War keine Absicht. Äh.., ich bin dann mal weg
Corbis

Oh, hoppla. Sorry. War keine Absicht. Äh.., ich bin dann mal weg


WG-Krach war für Ludger Büter lange Alltag. Der Psychologe schlichtete im Auftrag des Kölner Studentenwerks Konflikte in Wohngemeinschaften. Auf dieser Seite lindert er den WG-Kummer. Schreibt uns, was euch in den Wohnwahnsinn treibt (wg-kummer@spiegel.de).

Carmen, 28, schreibt:

Hallo Herr Büter,

natürlich geht in einer WG auch mal etwas zu Bruch. Ein Teller, eine Tasse. Das sehe ich nicht so eng. Aber die Schadensbilanz meiner Mitbewohnerin macht mir langsam Sorgen.

Sie hat inzwischen Sachen von mir im Wert von knapp hundert Euro zerstört. Meine zwei Lieblingstassen fielen ihr runter: Ein Scherbenhaufen. Sie hat den Aufsatz für den Staubsauger verbummelt. Das Ladegerät für mein Handy hat sie unter Wasser gesetzt.

Sie macht die Dinge nicht mutwillig kaputt. Hoffe ich jedenfalls. Andererseits kann ich mir nicht so recht erklären, wie man so viel aus Versehen demolieren kann. Über das Unheil, das sie anrichtet, versucht sie hinwegzugehen. Die angeschmolzene Tupperschüssel hat sie einfach wieder zurück in den Schrank gestellt.

Ich habe sie darauf angesprochen und erklärt, dass die vielen Zerstörungen wohl nicht auf ihre Hasen oder meine Katzen zurückzuführen sind. Sie fühlte sich offenbar ertappt. Nachdem sie dann eine weitere Tupperschüssel hat schmelzen lassen, habe ich sie gebeten, mir wenigstens eine zu ersetzen. Sie meinte nur, sie habe kein Geld.

Deshalb habe ich jetzt alles, was mir gehört - und das ist fast der komplette Haushalt - unter meinem Bett gebunkert. Auch solche Dinge wie den Staubsauger. Auf ihre Nachfrage sagte ich dann die Wahrheit: dass ich retten will, was zu retten ist. Nun hat sie ihre Sachen gepackt und ist klammheimlich mit ihren Hasen zu ihrem Freund gefahren.

Auf absehbare Zeit wird meine Mitbewohnerin ausziehen, weil sie vor Kurzem ihr Studium abbrechen musste und nun nach einem Job sucht. Natürlich habe ich ihr angeboten, die Schulden erst zu begleichen, wenn sie eine Stelle hat. Aber sie hat abgeblockt. Sie habe momentan zu viel Stress, meinte sie, wir würden die Sache bereden, wenn es so weit ist.

Haben Sie einen Tipp, wie ich sie dazu bewegen könnte, mir die Sachen zu ersetzen?

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Ratgeber fürs Zusammenwohnen: Was nun, Herr WG-Psychologe?

WG-Psychologe Ludger Büter antwortet:

Liebe Carmen!

Ich fürchte um Ihre Ansprüche ebenso wie Sie selbst. Vermutlich betrachtet die Mitbewohnerin den Gegenwert der "verbummelten" und zerstörten Sachen nicht als Schulden. Indem Sie Ihre Mitbewohnerin wiederholt angesprochen und ihr den Hausstand, soweit er Ihnen gehört, entzogen haben, brachten Sie sie immerhin so weit, die Sache "bereden" zu wollen, "wenn es so weit ist". Eine solche Umschreibung ist vielleicht nur die Nebelkerze, mit der Ihre Mitbewohnerin Sie auch weiterhin auf Abstand halten will.

Aus Sicht Ihrer Mitbewohnerin wiegt die Jobsuche schwerer. Hier liegt die Stressquelle, die sie ernst nimmt. Ob sie wirklich bereit sein wird, sich auf Ersatz oder Kompensation Ihrer Gegenstände einzulassen, werden Sie spätestens erfahren, wenn sie ein erstes neues Gehalt bezieht. Hat Geldmangel aber nichts mit ihrer Verweigerung zu tun, weil sie die ganze Konstellation als kleinlich und unbedeutend abtut, können Sie diese Möglichkeit vergessen.

Mein Rat für Sie: Bevor Sie Ihrer Mitbewohnerin "aus den Augen" und "aus dem Sinn" geraten, bieten Sie einen Kompromiss an. Erbitten Sie Ersatz oder einen pauschalen Betrag für das, was für Sie oder den Haushalt wirklich wichtig ist.

Verweigert Ihre Mitbewohnerin jedoch weiterhin jedes Entgegenkommen, bleibt Ihnen kaum mehr als die Vorfreude auf eine neue und besser eingestellte Mitbewohnerin. Diese wird mit Sicherheit die WG-Regel akzeptieren, bei Beschädigung oder Verlust fremden Eigentums Ersatz zu leisten oder anzubieten. Dabei spielt es durchaus keine Rolle, ob es sich um Kleinigkeiten handelt.

  • Silja Götz
    Wohngemeinschaften sind toll, das einzig Lästige sind die Mitbewohner. Sie leeren dein Nutella-Glas, haben lauten Sex und noch lautere Musikanlagen. Oder weint dein Zimmernachbar dauernd und wirkt depressiv? Schreist du alle nur noch an? Bei WG-Kummer hilft Erziehungswissenschaftlerin Sabine Stiehler. Schick deine Fragen, Sorgen, Probleme an wg-kummer@unispiegel.de. Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.
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WG-Typen: Willst du mit mir wohn'?
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Oberlon 28.07.2015
1. Ergebnis
Find die serie gar nicht schlecht, manchmal bissle konstruiert, aber auch für nicht-wgs geeignet. Interessant wäre tatsächlich bzw. vermisse ich sträflich, wie der ausgang der ganzen fälle ist, sonst macht das ganze nur bedingt sinn. Alle ratschläge schön und gut, aber wenn die personen damit gegen die wand fahren oder tatsächlich was gelöst bekommen, gäbe es dem ganzen ein wenig mehr gehalt.
Cäsarenwächter 28.07.2015
2. Carmens Mitbewohnerin gehört...
zu der Menschen- Gattung, die sich die Ausreden aus den Fingern saugt und eine hinterhältige Hinhaltetaktik praktiziert. Es stellt sich in Anbetracht der Menge der zerbrochenen und beschädigten Sachen nicht mehr die Frage, ob dies alles absichtlich oder nicht geschah. Schlimmer ist ihr Verhalten danach, wo sie die Aussprache auf einen späteren Zeitpunkt verschiebt. Wenn sie nur einen Funken Verständnis, Empathie und Rechtsempfinden gehabt hätte, würde sie... 1.eine kleine symbolische Anzahlung leisten, oder 2.schriftlich die Begleichung der Schäden zu einem gewissen Betrag versichern oder 3.zumindest mündlich eingestehen, dass ihr der angerichtete Schaden leid tue. Auf jeden Fall sollte sie zumindest ihre Eltern oder ihren tollen Freund mal Fragen, ob er nen Zwanziger hat. Aber das allzu offenkundige Hinhalten der **Mitbewohnerin** lässt nur einen Rückschluss zu: Sie möchte keineswegs zahlen und sieht nicht ein, für den angerichteten Schaden auf irgendeine Weise Verantwortung zu übernehmen. Sieht alles nach einer der vielen unreifen , jungen Damen aus, die immer für ein Bier oder ne Party zu haben sind, aber sobald es um Verantwortung geht ziehen sie sich wie die kleinen Mäuse zurück in ihr Loch. Einfach nur zum Ko**en!
genugistgenug 28.07.2015
3. selbst schuld = Eigentor
.....Natürlich habe ich ihr angeboten, die Schulden erst zu begleichen, wenn sie eine Stelle hat...... mit diesem Geschwurbel hat sie doch selbst wieder die Fluchtmöglichkeit eröffnet - dazu noch das 'Natürlich' Geschwurbel - allen wohl und niemand wehe. Liste machen, Preise dazu plus Zahlungsfrist - doch dazu müsste man halt klare Kante zeigen. Doch so ist es bequem, man kann gut auf die Böse schimpfen. Wieso wäscht der Schimpferin niemand den Kopf und erklärt ihr, dass man reklamieren schon als Schulkind lernt(e), bzw. wenn man den Eltern zusah - oder haben die auch nur gemeckert und NICHTS getan?
mÔRIWUTZ 28.07.2015
4. Aus leidvoller Erfahrung...
...würde ich sagen, das Geld kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit abschreiben. Seit über 10 Jahren schuldet mir eine Mitbewohnerin ca. 100 Euro von unserer damaligen letzten gemeinsamen Stromrechnung, um die ich mich vertrauensselig gekümmert hatte. Ich sollte ihr per Mail meine Bankdaten senden und sie würde überweisen. Ein, zwei Hinhaltemails und danach nie mehr eine Antwort. Einem ehemaligen Nachbarn habe ich insgesamt ca. 70 Euro geliehen, als er sehr knapp bei Kasse war, das habe ich auch nie wieder gesehen. Ich habe meinen Frieden damit gemacht. Lobend sollte allerdings meine ehemalige Mitbewohnerin erwähnt werden (Lilli, wenn Du das liest), die mir anstandslos die verkokelte Ikea-Salatschleuder mit einem deutlich luxuriöseren Modell ersetzt hat. Auch das gibts. Alles in allem heisst WG-Leben aber loslassen lernen, das ist meine Erfahrung. Und je mehr man einbringt in Sachen Haushaltsgegenstände, Bezahlen von Rechnungen etc., desto mehr hat man zu verlieren.
brotherandrew 28.07.2015
5. Es kann sich ...
... auch nur um die Folgen von ADHS handeln und der Betreffende kann nichts dafür. Das mit dem Schadensersatz würde ich einfach vergessen. Es verursacht zu viel Stress dieser Kohle nachzujagen. Aber daß man sich trennen sollte, ist wohl sinnvoll.
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