Moocs Studenten-Daten sind laut Experten nicht ausreichend geschützt

Es wäre ein wahrer Datenschatz für neugierige Arbeitgeber: Studenten, die Onlinekurse belegen, verraten viel über sich und ihr Lernverhalten. Datenschützer warnen in einem Zeitungsbericht, dass diese Infos womöglich nicht immer ausreichend geschützt sind.

Website der Lehrplattform Coursera: Mehr als 16 Millionen Nutzer
Coursera

Website der Lehrplattform Coursera: Mehr als 16 Millionen Nutzer


Sie wurden als digitale Bildungsrevolution gefeiert: Onlineseminare, die weltweit das Studieren ermöglichen - meist kostenlos, und überall frei zugänglich, wo es Internet gibt. Millionen Menschen haben bereits solche Massive Open Online Courses (kurz: Moocs) belegt, mehr als 16 Millionen allein beim kalifornischen Anbieter Coursera.

Der steht nun im Verdacht, mit vertraulichen Daten von Studenten womöglich nicht angemessen umzugehen. Wie die "Süddeutsche Zeitung", der NDR und der Schweizer Sender SRF berichten, dürfte Coursera persönliche Daten von Studenten theoretisch weiterverkaufen. Das gehe aus Verträgen und Unterlagen der US-Firma hervor. Darin stehe explizit: Coursera könne - mit dem Einverständnis der Nutzer - "Arbeitgebern oder Personalvermittlern erlauben, Nutzerdaten abzufragen."

Marit Hansen, die Datenschutzbeauftragte in Schleswig-Holstein, kritisierte gegenüber "SZ", NDR und SRF, dass Daten, die vorhanden seien, nach amerikanischem Recht genutzt werden können - "für alle möglichen Zwecke". Coursera hat sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäußert. Auch eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE blieb bis Mittwochmittag unbeantwortet.

Es geht dabei um unzählige sensible Daten, aus denen sich wohl auch ableiten ließe, wer wie schnell und wie fleißig lernt - oder wer welchen Kurs abgebrochen und in Tests ein gutes oder schlechtes Ergebnis erzielt hat.

Weltweit gibt es mehrere Anbieter von Onlinekurse. Mit Coursera kooperieren zum Beispiel die Münchner Unis LMU und TU. Daneben kann man auch beim deutschen Start-up Iversity oder bei den amerikanischen Plattformen Udacity und edX Onlinekurse belegen.

In puncto Lehrinhalte haben sich US-Anbieter bereits mit privaten Firmen zusammengetan. So arbeiten sowohl Coursera als auch Udacity und edX mit Technologie- und Finanzunternehmen zusammen, die Kurse finanzieren und mitgestalten. So sollten Studenten gezielter auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden, berichtete das "Wall Street Journal".

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Moocs an Hochschulen: Alles online, oder was?

lov

insgesamt 9 Beiträge
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tph 02.12.2015
1.
Warum wird dann hier z.B. Iversity erwähnt, die sich die Weitergabe von Daten an Unternehmen zwecks "Rekruitments" explizit in ihrer Datenschutzerklärung zusichern lassen? 2.1.3 Übermittlung von Bestandsdaten an Dritte "...Weiterhin übermittelt iversity von Ihnen zu diesem Zweck freigegebene Daten (Bestands- und Inhaltsdaten) an vertrauenswürdige Unternehmen zum Zwecke des Rekruitments. Diese Unternehmen verwenden Ihre Daten, um Sie für etwaige Anstellungsangebote in Betracht zu ziehen und zu kontaktieren." Ebenso räumt sich Iversity in den AGBs umfassende Nutzungsrechte u.a. die öffentliche Verbreitung und Überarbeitung von Werken der Nutzer ein (8.1.1) oder das diese Rechte an Dritte übertragen werden dürfen (8.1.2)
willgence 02.12.2015
2. Hallo Herr Gabriel?
Lesen Sie diesen Artikel? "Man" schafft es nicht einmal die einfachsten Datenbanken ausreichend zu schützen, wie bitte will die "Daten-Industrie" dann bitte Big-Data-Banken vor Fremdzugriffen schützen? Kein Plan! Aber erst einmal den Datenschutz abschaffen wollen und sammeln, was geht . . . PS: Ich bin ein echter Fan aller Genderblüten . . . müßte es nicht korrekt "Studierenden-Daten" heißen?
joris_bln 02.12.2015
3. Wo ist das Problem?
Ich denke mal, die meisten Studenten sind glücklich, wenn Firmen auf sie aufmerksam werden und ihnen Jobangebote unterbreiten. Die Deutschen und ihre Datenschutzhysterie.
sag-geschwind 02.12.2015
4. Wettbewerb
Die ehrgeizigsten und erfolgreichsten Studenten werden begeistert über die Datenweitergabe sein, da so mittels automatisierten Verfahren durch entsprechende Algorithmen markierte Minderleister vom Wettbewerb um die attraktivsten Töpfe ausgeschlossen werden. Übrigens, nicht alles was nach Faschismus klingt, ist keiner.
kfp 03.12.2015
5.
Zitat von joris_blnIch denke mal, die meisten Studenten sind glücklich, wenn Firmen auf sie aufmerksam werden und ihnen Jobangebote unterbreiten. Die Deutschen und ihre Datenschutzhysterie.
Ja, sehe ich auch nicht wirklich, was das Problem ist. Zumal bei MOOC ja auch die Abbrecherrate so hoch ist, dass man damit nicht negativ heraussticht und daher jetzt auch nicht unbedingt darüber zittern muss, dass man sich mit einem Kursabbruch oder schlechten Prüfung als "Minderleister" den Rest der Karriere vermasselt habe. Scheint mir also eher Chancen als Gefahren zu bieten...
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