Morgenmuffel "Streichen Sie Ihr Schlafzimmer schwarz"

Wer hat an der Uhr gedreht? Frühaufsteher sind bei Prüfungen erfolgreicher als Langschläfer. Im Interview erklärt der Berliner Schlafmediziner Dieter Kunz, 47, warum man die innere Uhr kaum austricksen kann - und wieso Prüfungen am Morgen unfair sind.

UniSPIEGEL: Herr Doktor Kunz, Sie sind Chefarzt der Abteilung für Schlafmedizin am St.-Hedwig-Krankenhaus in Berlin. Einer aktuellen US-Studie zufolge sind Frühaufsteher leistungsfähiger und schneiden bei Prüfungen besser ab als Spätaufsteher. Was halten Sie von diesen Ergebnissen?

Kunz: Frühaufsteher sind häufig auch Kurzschläfer. Deshalb haben sie mehr Zeit am Tag, um Dinge zu erledigen.

UniSPIEGEL: Und können deswegen auch mehr lernen? Oder wie erklären Sie sich deren Prüfungserfolg?

Kunz: Entscheidend ist, um wie viel Uhr eine Prüfung stattfindet. Tests werden häufig morgens geschrieben, und Frühtypen haben dann ihre beste Zeit. Im Grunde ist das eine krasse Benachteiligung der Spättypen.

UniSPIEGEL: Was macht uns zu Früh- oder Spätaufstehern?

Kunz: Es ist unsere innere Uhr, die durch den äußeren Hell-Dunkel-Zyklus getaktet wird. Auf unserer Netzhaut gibt es einen Rezeptor, der Licht misst. Er gibt ein Signal an die innere Uhr, wie spät es ist, ob es Sommer oder Winter ist und wann es Zeit ist, aufzustehen. Und bei einem Teil der Spättypen kommt dieses Signal eben anders an als bei Frühtypen.

UniSPIEGEL: Kann man die innere Uhr beeinflussen?

Kunz: Oh ja. Jeder von uns macht doch beispielsweise abends das Licht an. So spielen wir der inneren Uhr Tag für Tag vor, dass es noch gar nicht dunkel ist. Das bringt sie durcheinander.

UniSPIEGEL: Was kann ich als Spättyp tun, wenn ich weiß, dass ich in zwei Wochen eine Prüfung um 8 Uhr morgens habe?

Kunz: Aus wissenschaftlicher Sicht kann ich nur sagen: Versuchen Sie vor allem, gut zu schlafen und albern Sie nicht mit Ihrer inneren Uhr herum. Und ansonsten (lacht): Streichen Sie Ihr Schlafzimmer schwarz.

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