Motivationsguru aus Haft entlassen "Wir schaffen es, Bello!"

Eineinhalb Jahre saß Jürgen Höller wegen Untreue, vorsätzlichen Bankrotts und falscher eidesstattlicher Versicherung hinter Gittern. Ende April wurde "Deutschlands teuerster Motivationstrainer" entlassen - und beglückt seine Anhänger mit neuen Seminaren und Tipps zur Hundeerziehung.
Von Bärbel Schwertfeger

Sein Missionierungsdrang ist ungebrochen. Knapp zwei Wochen nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis ist Jürgen Höller bereits wieder aktiv. Schon am 9. Mai soll das erste Seminar "Lifing - die Kunst zu leben" in einem österreichischen 5-Sterne-Hotel stattfinden. Schließlich hat der 40-Jährige während seiner "Dauermeditation bei 23 Stunden täglichem Zusammensein nur mit sich selbst" so "bedeutende Erkenntnisse" gewonnen, dass es ihn nun dazu drängt, diese endlich weitergeben zu können, heißt es auf der Website www.juergenhoeller.com.

Höller sei durch seine negativen Erfahrungen "für viele, die von ihrer Entwicklung schon ein wenig weiter sind, eher noch glaubwürdiger geworden." Deshalb erklärt er "seinen Freunden" jetzt in drei Tagen "das Leben als Ganzes" und zeigt ihnen "Wege zu beständigem Glück" auf. Zudem gibt es "Jürgen zum Anfassen" und ein "Freizeit-Wellness-Erlebnis-Programm", bei dem man sich nicht nur mit einer Beauty- oder Massagebehandlung verwöhnen lassen, sondern auch mit Jürgen eine paar heiße Runden mit dem Go-Kart um die Wette fahren kann.

Und natürlich darf auch der Lauf über glühende Kohlen nicht fehlen. "Der Feuerlauf findet ab sofort im ersten Seminar statt, um diese Energie mit zu nehmen für das gesamte Seminar", heißt es. Schließlich soll das 1200 Euro teure Seminar "Lifing 1" keine Eintagsfliege sein.

Feuerlauf gegen Schulden

Denn Jürgen Höller braucht Geld. Ein Grund für die Aussetzung seiner Haftstrafe zur Bewährung ist nämlich seine Kooperation mit dem Insolvenzverwalter. "Er hat mit ihm eine Vereinbarung über seine weitere Berufstätigkeit und die Verteilung seiner Erlöse an die Gläubiger getroffen", erklärt der leitende Oberstaatsanwalt Clemens Lückemann. Im Klartext heißt das: Nur wenn Höller seine abstrusen Erfolgsrezepte weiter verkündet, kann er seine Schulden abzahlen.

"Das Landgericht Würzburg geht davon aus, dass der Straftatbestand nicht im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Motivationstrainer stand", erklärt Lückemann. Dabei schürte Höller wie kein anderer in seinen Motivationsshows den grenzenlosen Größenwahn. "Alles ist möglich", lautete seine Botschaft, die er den Teilnehmern seiner Massenhappenings unermüdlich einhämmerte.

"Mehrfacher Millionär"

"Jeder Mensch kann alles erreichen, was immer er sich vorstellt. Egal, ob finanzieller Reichtum, berufliche Karriere, vitale und kraftvolle Gesundheit." Kein Wunder, dass auch er selbst bei seiner Inline AG abhob. Zwei Milliarden Euro Umsatz sollte sie im Jahr 2014 mit Seminaren, Weiterbildungskonzepten und E-Learning machen. Doch dann kam alles anders. Seine Firma machte pleite und der Motivationsguru landete im Knast. Drei Jahre ohne Bewährung wegen Untreue, vorsätzlichen Bankrotts und falscher eidesstattlicher Versicherung, lautete das Urteil.

Rund 300 Menschen hatten an seine Höhenflüge geglaubt, 2,5 Millionen Euro in seine Inline AG gesteckt - und verloren. Denn Ferrarifahrer Höller, der sich selbst gern als "mehrfacher Millionär" bezeichnete und auf großem Fuß lebte, war in Wirklichkeit ein armes Würstchen. 900.000 Euro hatte der gelernte Speditionskaufmann aus der Firmenkasse entnommen, um damit seine erheblichen privaten Schulden zu beheben.

Zudem schaffte er Geld beiseite, um es den Gläubigern bei der drohenden Insolvenz zu entziehen und log bei seinem Offenbarungseid. Deshalb, so lautet eine der Bewährungsauflagen, darf er nur berufliche Tätigkeiten ausüben, bei der er keine Fremdgelder bekommt oder verwaltet.

"Motivation ist seine große Gabe"

Dass er durch sein kriminelles Handeln selbst seine Botschaft von der Macht des positiven Denkens ad absurdum geführt hat, wird seine Fans nicht weiter stören. Schließlich mussten sie fast zwei Jahre lang ohne ihren Guru auskommen. Trost konnten sie allenfalls in seinem 2003 erschienenen Buch "Und immer wieder aufstehen" finden, in dem er von seinen hemmungslosen Heulkrämpfen schreibt und schildert, wie er täglich die Bibel liest.

Einer, der unerschütterlich an ihn glaubt, ist Klaus Douglass. "Motivation ist seine große Gabe", sagt der Pfarrer in der evangelischen Andreasgemeinde in Niederhöchstadt bei Frankfurt. "Wenn sein entscheidendes Motiv dazu mehr noch als zuvor Glaube und Liebe sein wird, wird er in Zukunft vermutlich bessere Arbeit leisten als je zuvor." Versteht sich von selbst, dass ihm der Pfarrer dabei auch als Referent zur Seite steht.

Dass Höller wieder aktiv ist, wird auch Edith Anna Kirchberger freuen. Schließlich hat die österreichische "Hundeexpertin" und "Tiertherapeutin" sämtliche Seminare bei Höller mit Erfolg besucht und die dort gewonnenen Kenntnisse gemeinsam mit ihm in dem vor kurzem erschienenen Buch "Wir schaffen es, Bello" niedergeschrieben. Das Buch sei eine "Revolution in der Beziehung des Menschen zum Hund", preisen die beiden Autoren ihr Werk an. Schließlich habe hier der "Fachmann für Motivationstraining" seine "bewährten Techniken für die Hunderziehung" genutzt.

Dazu gehört natürlich auch die Macht der Gedanken. Denn, so behaupten die beiden Hundeexperten: Der Hund macht nur, was Herrchen oder Frauchen denkt. "Wenn ich mir denke, hoffentlich macht mir der Hund bei Tante Emma nicht rein, dann tun wir alles dafür, dass er auch wirklich reinmacht." Weiter erfährt der Leser, dass das "Denkhirn" beim Hund nicht so entwickelt ist wie bei Menschen, er sich aber im Prinzip genauso verhält wie sie: "Er tut etwas nur dann, wenn er einen Nutzen darin sieht." Auch beim Loben unterscheidet sich der Wauwau nicht vom Herrchen. "Lob und Dank machen Mensch und Tier zum Wiederholungstäter", schreibt Höller.

Nur bei der Art der Belohnung gibt es Unterschiede. "Futter ist für den Hund wie Geld."