Nach dem Karlsruher Urteil Gebührenfans streiten um Höhe der Beiträge

500, 1000 oder gar 2500 Euro? Immer neue Zahlen werden in der Debatte um die Höhe künftiger Studiengebühren genannt. Bundesbildungsministerin Bulmahn sprach sich unterdessen für eine Hochschulfinanzierung nach Schweizer Vorbild aus.


Demonstrierende Studenten (in Heidelberg): Nur 16 Prozent der Deutschen sind für Studiengebühren
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Demonstrierende Studenten (in Heidelberg): Nur 16 Prozent der Deutschen sind für Studiengebühren

Nach dem Verfassungsgerichtsurteil zugunsten der Einführung von Studiengebühren streiten die Befürworter über die Höhe der Beiträge. Die SPD-regierten Länder und Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) favorisieren dagegen Studienkonten.

Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) will die Obergrenze für Studiengebühren bei 500 Euro pro Semester ziehen. Auch wenn Studiengebühren niedrig seien, bedeute dies, dass Studenten mitbestimmen und die Leistung der Professoren einfordern könnten. Dadurch komme "ein anderer Schwung" an die Universitäten.

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Peter Gaethgens, schlug eine Obergrenze von 1000 Euro pro Semester vor. Das entspreche 20 Prozent der Kosten in der Lehre. Weiter dürfe sich der Staat nicht aus der Verantwortung zurückziehen. Die Hochschulbildung müsse ein öffentliches Gut bleiben. Gebühren bis zu 2500 Euro pro Semester, wie sie Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, prognostiziert hat, hält Gaethgens für den falschen Ansatz. Der Präsident des Hamburgischen Weltwirtschaftsarchivs, Thomas Straubhaar, ging davon aus, dass sich die Gebühren bei 1000 bis 1500 Euro pro Semester einpendelten.

Bulmahn plädiert für Schweizer Modell

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn stellte erneut klar, sie sei sich mit den SPD-regierten Ländern einig, dass keine Gebühren für ein Erststudium erhoben werden sollen. Sie und die SPD-Bildungsminister favorisierten das Modell der Studienkonten, bei denen eine bestimmte Anzahl von Semesterstunden gebührenfrei sind.

Die Ministerin sprach sich ferner für das Schweizer Modell des Ausgleichs der Studienfinanzierung zwischen den Bundesländern aus. In der Schweiz zahlt für einen Studienplatz jener Kanton, in dem der Student vor Studienbeginn seinen Wohnsitz hatte - und nicht das Standortland der Universität. In Deutschland kämpft die Landesregierung in Rheinland-Pfalz für dieses Modell. Es käme vor allem den Stadtstaaten und Nordrhein-Westfalen zugute.

Hamburg will nach den Worten von Wissenschaftssenator Jörg Dräger (parteilos) den Hochschulen des Landes ab 2006 freistellen, ob sie Gebühren erheben. Die besten Studenten würden sich nach der Qualität der Ausbildung und nicht nach den Gebühren entscheiden, ist sich Dräger sicher. Er warb zugleich für das "Hamburger Modell", bei dem ein zinsgünstiges Darlehen Gebühren und Lebenshaltungskosten abdeckt. Die Rückzahlung nach dem Studium soll sich nach der Höhe des dann erzielten Einkommens richten.

Unterdessen lehnen die meisten Deutschen Studiengebühren ab. Im neuen ZDF-Politbarometer sprachen sich nur 16 Prozent für deren generelle Einführung aus. Studiengebühren für Langzeitstudenten befürworteten immerhin 65 Prozent.

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