Deutschlands beste Professoren Diese Angstforscherin müssen Sie nicht fürchten

Sie ist 35 Jahre alt, trägt aber schon zwei Doktortitel und ist habilitiert. Psychiaterin Katharina Domschke begeistert ihre Studenten und räumt Preise ab. Wenn das so weitergeht, könnte sie eines der größten Rätsel des Landes lösen: die "German Angst".

Der erste Eindruck kann zuweilen täuschen. Wer sich mit Katharina Domschke verabredet, trifft auf eine fröhliche, offene und attraktive Frau, die viel lacht. Es verwundert daher, dass sie sich einem Forschungsgebiet verschrieb, das fachfremde Menschen mit qualvollen Schreien und Suizidgedanken verbinden: Depression und Angst.

Katharina Domschke ist eine der großen Nachwuchswissenschaftlerinnen dieses Landes. Sie hat in Deutschland, Irland und den USA Medizin und Psychologie studiert, mit Rasanz gleich zweimal promoviert, das amerikanische Staatsexamen abgelegt und eine Habilitation geschrieben. Außerdem gewann Frau Prof. Dr. Dr. med. Domschke, gerade einmal 35 Jahre alt, einige renommierte Wissenschaftspreise, weil sie mit ihrer Forschungsgruppe ein Angst-Gen entdeckt hatte. Bei so vielen Erfolgen in so kurzer Zeit könnte man annehmen, dass Domschkes Vorlesungen überkomplex sind. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ihre Studenten lieben sie für ihre lockere Art.

Domschke erklärt den wichtigen Stoff einfach und schnell und gibt nebenbei noch viele Ratschläge für den Praxisalltag: Betablocker? Bloß nie männlichen Patienten verschreiben, denn die machten impotent. Elektroschocktherapie? Gut, sogar für depressive Schwangere, die keine Medikamente nehmen dürfen, denn die Stromstöße schadeten dem Kind nicht. Johanniskraut? Gelte zwar als ungefährlich, sei aber nicht zu unterschätzen, da es die Wirkung der Antibabypille vermindere. "Und zack ist man schwanger", resümiert Domschke.

Auf den Spuren der "German Angst"

Ihr Stil ist ungewöhnlich. Viele Mediziner versuchten, die Studenten heute schon ab dem ersten Semester an komplizierte Forschungsfragen heranzuführen. Das sei vielleicht interessant, sagt Domschke, überfordere die meisten Hochschüler aber: "Sie verzetteln sich, und die wichtigen Stoffe bleiben auf der Strecke." Domschke will den Studenten zu Beginn vor allem klare Entscheidungsmuster vermitteln: Wann mache ich was? Wie reagiere ich auf wen? Welche Medikamente gebe ich wann? Sie stelle den angehenden Ärzten sozusagen einen Kleiderschrank mit den Basiskleidungsstücken hin - "und die tollen Oberteile oder ein Abendkleid können sie sich später selbst zusammensuchen". Domschke hat ihr eigenes Studium ebenso strategisch aufgebaut. Sie lernte zuerst alle Techniken, die man für die Forschung braucht, sie half im Labor, wertete Studien aus und hat natürlich "sehr viel gearbeitet und sehr wenig geschlafen; im Kino war ich auch nur ganz selten", sagt sie. Erst später spezialisierte sie sich auf die Krankheiten Angst und Depression.

Seit 2008 leitet sie nun ein Projekt im Sonderforschungsbereich "Furcht, Angst und Angsterkrankungen", in dem die Universitäten Würzburg, Münster und Hamburg zusammenarbeiten. Domschkes Team versucht zum Beispiel herauszufinden, welche Gene das Risiko einer späteren Angsterkrankung bergen und wie sie wirken.

Eine der neuen Erkenntnisse ist, dass nicht jeder Mensch mit dieser genetischen Veranlagung oft in Panik verfällt. Nicht, wenn das Gen sich in einer Art Winterschlaf befindet. "Es ist, als ob es ein Schlafmützchen trägt", sagt Domschke. Im Fachjargon heißt das "Methylierung".

Dieses Mützchen sitzt allerdings nicht fest. Es kann sozusagen vom Kopf rutschen, wenn ein Mensch viel Schlimmes erlebt wie Todesfälle, Trennungen oder Mobbing. Glücklicherweise ist es aber auch möglich, dass es zurückkommt, wenn der Erkrankte zusätzlich zur Psychotherapie eine Phase mit vielen schönen Ereignissen erlebt. Das können Ausflüge ins Grüne oder fröhliche Treffen mit Freunden sein.

Domschke will nun auch der Frage nachgehen, ob sich Methylierung vererben kann. Könnten so vielleicht die Kriegstraumata der Großelterngeneration weitergegeben worden sein? Vielleicht kann diese fröhliche Frau so eines Tages die "German Angst" erklären, die kollektive Panikstörung der deutschen Bevölkerung nach den Weltkriegen.

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