Narzissten entlarvt Egomanen führen auch nicht besser

Manches Ego ist ja groß genug für eine eigene Postleitzahl: Doch wer gerne den Chef macht, entscheidet auch nicht weiser als andere, fanden Forscher der Universität Ohio heraus. Damit nicht genug der Leader-Schelte: Sprunghafte Narzissten könnten auch an der Bankenkrise mit schuld sein.


Der Namensgeber der Narzissten trieb die Selbstliebe auf die Spitze: Selbst als Göttersohn Narziss schon in eine Osterglocke verwandelt in der Unterwelt herumstand, fand er sich noch so toll, dass er den Blick von seinem Spiegelbild im Todesfluss nicht abwenden konnte.

Wo geht's lang? Manager sind oft Narzissten - und die neigen zu Fehlern durch Übereifer

Wo geht's lang? Manager sind oft Narzissten - und die neigen zu Fehlern durch Übereifer

Bankmanagern dürfte das gerade genauso gehen: Erstarrt stehen sie am Todesfluss und können nicht fassen, dass alles den Bach runtergeht, während sie doch weiterhin makellos und schön mit Maßanzug in einer Trümmerlandschaft stehen - von Selbstzweifeln hört man bislang nichts.

Dass Führertypen Narzissten sind, hat jetzt eine US-amerikanische Studie belegt. Chefposten werden demnach am ehesten von nach vorne stürmenden Charismatikern übernommen. Allerdings sind diese besonders egoistischen und machtbewussten Personen dafür gar nicht besser geeignet als andere Menschen.

Narzissten treffen riskante Entscheidungen

Leute mit besonders ausgeprägtem Ego, Narzissten eben, zeichnen sich laut einer Studie von Psychologen der US-Universität Ohio in Newark wie folgt aus: Sie schätzen die eigenen Fähigkeiten besonders hoch ein, kümmern sich wenig um andere Menschen und treffen riskante Entscheidungen. Das ergab ein Experiment mit Studenten und Wirtschaftsmanagern, dessen Ergebnisse jetzt in der Fachzeitschrift "Personality and Social Psychology Bulletin" veröffentlicht wurde.

In der Studie teilten Psychologen mehr als 432 Studenten in Vierergruppen ein, die dann für eine fiktive Aufgabe gemeinsam einen Leiter unter sich auswählen sollten. Jene Teilnehmer, die besonders machtbewusst waren, strebten nicht nur am stärksten nach dieser Position, sondern wurden auch eher von den anderen als Führungspersönlichkeit angesehen.

Eine ähnliche Studie an rund 150 Managern bestätigte, dass die narzisstischen Personen auch im realen Wirtschaftsleben am ehesten die Führung in Gruppen übernehmen. Die Psychologin Amy Brunell glaubt, dass die Resultate der Studie auch einen Teil der derzeitigen Finanzmarktkrise erklären. Studien hätten gezeigt, dass Narzissten zu sprunghaften und riskanten Entscheidungen neigen, auch wenn hinter den Problemen von Regierung und Wirtschaft mehr stecke "als nur die Charaktere der Führungspersönlichkeiten."

Keine bessere Einsame-Insel-Kompetenz

Dass narzisstische Menschen nicht unbedingt die besten Entscheidungen treffen, zeigt eine dritte Untersuchung: Darin sollten sich 408 der Studenten aus der Voruntersuchung in Vierergruppen einteilen und sich vorstellen, als Schiffbrüchige auf einer unbewohnten Insel zu stranden. 15 Gegenstände, die sie vom Schiff retten konnten, mussten in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht werden, je nachdem, wie gut sie beim Überleben helfen können.

Die Auswahl der Anführer der Grüppchen wurde mit der Auswahl der anderen Studenten und einer Liste eines Experten des US-Militärs für Überlebenstraining verglichen. "Um dabei die Punkte zu vergleichen, sahen wir uns die Punktabstände zwischen den Bewertungen an", sagte Studienleiterin Amy Brunell SPIEGEL ONLINE. "Setzte der Teilnehmer das Schweizer Taschenmesser auf vier und der Experte auf zwei, nahmen wir davon die Differenz." Ergebnis: Die narzisstischen Gruppenführer trafen keine bessere Wahl als die übrigen Teilnehmer.

"Dass Narzissten Führungspositionen einnehmen, ist nicht verwunderlich", sagte Studienleiterin Amy Brunell im Gespräch mit der Fachzeitschrift. "Sie sind machtbewusst, sie sind egoistisch, und sie sind normalerweise reizend und extrovertiert. Das Problem ist nur, dass sie nicht unbedingt bessere Anführer sind."

cht/AP



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Seite 1
Linchen83 07.10.2008
1. Mehr Eigenverantwortung!
Zitat von sysopSpitzenmanager sollen nach dem Willen der Großen Koalition künftig stärker für ihre Fehler haften. Im Gespräch sind Summen bis zu einer Höhe von zwei Jahresgehältern. Ist das der richtige Weg?
Ich finde: Bezahlt die Manager nach dem was Sie erwirtschaften. Wenn sie dann Verluste machen, sollen sie Strafe zahlen. Ich bin kein Feind von Abfindungen, aber anscheinend gehen die Herren nicht sehr sorgfältig mit Geld um das ihnen nicht gehört. Vielleicht lassen sie mehr Sorgfalt warten, wenn es ans Privatvermögen geht. Der ehemalige Chef der "Lehmann Brothers" ist das beste Beispiel: 35 Mrd.$ Verlust und dafür ne dicke Abfindung. Dafür kann er jetzt nicht mehr schlafen. Auf die Frage eines Untersuchungsausschuss-Mitglied, ob er das fair findet antwortet er folgendermaßen: *Schlucken* "Nein"
delta058 07.10.2008
2.
Zitat von sysopSpitzenmanager sollen nach dem Willen der Großen Koalition künftig stärker für ihre Fehler haften. Im Gespräch sind Summen bis zu einer Höhe von zwei Jahresgehältern. Ist das der richtige Weg?
Wenn man bedenkt wie selbstverständlich hohe Gehälter und Boni gefordert werden, wäre es auch nur fair Sie ebenfalls an den Verlusten zu beteiligen. Es kann ja irgendwo nicht die Regel sein, das immer alle Bürger für die Verluste haften aber nur wenige die Gewinne einstreichen. Wenn ich aber so an die Postenverteilung in der Politik denke, glaube ich das diese Forderung nur bis zur nächsten BT-Wahl existiert und es danach wieder heißt: "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern."
almabu, 07.10.2008
3. Ganz eindeutig ja, es sei denn
Zitat von sysopSpitzenmanager sollen nach dem Willen der Großen Koalition künftig stärker für ihre Fehler haften. Im Gespräch sind Summen bis zu einer Höhe von zwei Jahresgehältern. Ist das der richtige Weg?
sie weisen dem Gericht nach, dass es zu ihren vertraglichen Pflichten gehörte, in betrügerischer Absicht, phantasievoll konstruierte Finanzprodukte zu verkaufen zur kurzfristigen Gewinnmaximierung und sie das verbrecherische ihres Handelns unmöglich erkennen konnten. In diesem Fall soll das Verfahren auf das Unternehmen ausgedehnt werden. Als Basis für Schadensersatz sollte dabei das Gesamtvermögen, abzüglich eines Hartz IV Mindestvermögens, herangezogen werden. Versicherungen sollte eine Risikohaftpflicht für diese Gruppe und diesen Sachverhalt verboten werden. PS: Bald ist wieder Weihnachten, man wird sich doch was wünschen dürfen;-))
Christer Nykopp 07.10.2008
4. Verantwortung
Zitat von sysopSpitzenmanager sollen nach dem Willen der Großen Koalition künftig stärker für ihre Fehler haften. Im Gespräch sind Summen bis zu einer Höhe von zwei Jahresgehältern. Ist das der richtige Weg?
So lange masslos überhöhte Bezüge der Bosse damit begründet werden, dass die Firma (d.h. die Aktionäre) letztendlich den Gewinn einstecken, müsste fairerweise auch ein Scheitern zu Haftung führen. Ob nun zwei oder drei Jahresbezüge (nicht -Gehälter, denn die Bezüge kann man leicht in Boni usw. umbenennen) sei dahingestellt. Ein mögliches System wäre vielleicht ein mässiges Salär + Boni, die maximal die Höhe des Salärs ausmachen und erst 5 Jahre nach dem Jahresabschluss bezahlt wird. Wenn Verlustjahre dazwischen kommen, werden die Verluste abgezogen nach denselben Prinzipien wie Boni berechnet. Goldene Fallschirme bei Kündigung werden auf die am Arbeitsmarkt üblichen Beträge begrenzt. Nun werden die Bossengewerkschaften lamentieren, dann wird doch keiner mehr Geschäftsführer sein wollen, alle wandern ins Ausland (welches denn?) usw. Diese Gefahr ist jedoch in Wirklichkeit klein bis verschwindend.
mauskeu 07.10.2008
5.
Zitat von sysopSpitzenmanager sollen nach dem Willen der Großen Koalition künftig stärker für ihre Fehler haften. Im Gespräch sind Summen bis zu einer Höhe von zwei Jahresgehältern. Ist das der richtige Weg?
Natürlich müssen Manager mehr für ihre Fehler haften. Es kann nicht sein, dass sie kurzfristig den Aktienkurs in die Höhe treiben durch unseriöse Aktionen und sich dann über Aktien-Optionen gesund stossen. Dannach die Sindflut. Gute Manager sollen durchaus gut Geld verdienen. Ackermann gehört dazu. Aber nur auf kurzfristige Erfolge ausgelegte "Strategien" sollte man auch nur als solche gering bewerten über die "Incentives" für diese Manager. Das ganze ist ein "Package" und nicht nur Gehalt oder Optionen, und sollte über Jahre gültig sein. "Goldene Fallschirme" sollten nur wie bei anderen Angestellten auch im normalen Rahmen möglich sein. Persönliche Haftung sollte auch möglich sein.
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