"Vater der Uni" und Antisemit Regensburg distanziert sich von früherem Hochschulrektor

In "Rasse und Rassenpflege" sah er eine wichtige Staatsaufgabe: Josef Engert leitete einst die Hochschule Regensburg, jetzt wurden neue Antisemitismusvorwürfe gegen den verstorbenen Theologen und Philosophen bekannt. Die Stadt distanziert sich.
Uni Regensburg: "Notwendige Diskussion zu einer problematischen historischen Persönlichkeit"

Uni Regensburg: "Notwendige Diskussion zu einer problematischen historischen Persönlichkeit"

Foto: Armin Weigel/ picture alliance / dpa

Die Stadt Regensburg rückt allmählich von einem ehedem geschätzten Bürger ab: Josef Engert, 1964 verstorbener katholischer Theologe, Lehrstuhlinhaber und ehemaliger Rektor der Philosophisch-theologischen Hochschule Regensburg, die später in die Uni Regensburg integriert wurde. Wie das Online-Portal "regensburg-digital"  berichtet, war Engert Antidemokrat und Antisemit.

Auf ihrer Internetseite schreibt die Stadt, Engert gelte als "Vater des Gedankens der Universität Regensburg". Seit Jahren verleiht die Stadt "in dankbarer Erinnerung an den langjährigen Rektor" den Professor-Josef-Engert-Preis für herausragende wissenschaftliche Arbeiten mit Regensburg-Bezug.

Jetzt teilte die Stadt mit: Der Preis wird zumindest erst mal in diesem Jahr als "Preis der Universität" überreicht. Die Vorwürfe würden geprüft, möglicherweise wird der Preis dauerhaft umbenannt. Das gilt dann wohl auch für einige Adressen auf dem Regensburger Campus, denn dort verläuft die Josef-Engert-Straße über das Uni-Gelände. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) erklärte, dass Engert eine "problematische Persönlichkeit" darstelle, berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Uni: Antisemetismus-Vorwurf seit langem bekannt

Der "regensburg-digital"-Autor Robert Werner, ein passionierter Freizeit-Historiker, der sich seit Jahren mit der NS-Vergangenheit der Stadt auseinandersetzt, dokumentiert auf 37 Seiten antisemitische Texte, die von Engert stammen sollen (Dokument als PDF ). So zitiert er unter anderem aus einem Aufsatz mit dem Titel "Staat und Rasse - Zeitpolitischer Aufsatz von Dr. Joseph Engert, Regensburg".

Bereits im Einleitungssatz heiße es dort: "Es gehört zu den wichtigsten Erkenntnissen und Aufgaben des neuen Staates, daß er der Rasse und Rassenpflege besondere Aufmerksamkeit schenkt." Und weiter: Der endlich überwundene liberale Staat habe "von einem falschen Humanitäts- und Individualitätsideal ausgehend, die Fragen der Eugenik ganz aus dem Auge" verloren. Die Folgen: "Schwinden der Führerauslese" durch Geburtenschwund und "das unerhörte Wuchern und Sichvermehren der Minderwertigen". Außerdem, so schreibt Werner, soll Engert die Nürnberger Rassegesetze gerechtfertigt und vor dem "Einsickern jüdischen Blutes" gewarnt haben.

Die Uni Regensburg teilt SPIEGEL ONLINE mit, im Großen und Ganzen gebe der Beitrag des Journalisten Robert Werner Punkte wieder, die seit langem bekannt und auch von Uni-Mitglieder bereits öffentlich aufgearbeitet worden seien. Für die Umbenennung des Preises als auch der Straße sei die Stadt zuständig, sie werde sicher zeitnah handeln. Die Uni spricht von einer "notwendigen Diskussion zu einer problematischen historischen Persönlichkeit der Stadtgeschichte".

fln