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Hochschulen und der NC: Beschränkter Zugang

Foto: Jan-Philipp Strobel/ picture alliance / dpa

NC an Hochschulen Fast jeder zweite Studiengang ist zulassungsbeschränkt

Die Hörsäle voll, die Studenten genervt, die Unis überfordert: Viele Hochschulen belegen ihre Studiengänge mit Numerus clausus, NC genannt. Eine neue Studie zeigt, dass Unis besonders häufig in den Stadtstaaten Zugangshürden aufbauen.

Nein, ihr kommt hier nicht rein, jedenfalls nicht so einfach. Studienbewerber an vielen Hochschulen müssen sich fühlen, als würde sie der Türsteher am Club-Eingang abweisen. Denn knapp die Hälfte aller Studiengänge in Deutschland ist zulassungsbeschränkt, also mit einem Numerus clausus (NC) belegt.

Das geht aus einer Studie hervor, die SPIEGEL ONLINE vorliegt und die das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) an diesem Mittwoch veröffentlicht (hier als pdf ). Demnach schränken besonders die Hochschulen in den Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin den Zugang ein, sie haben jeweils für rund zwei Drittel der Studiengänge eine Zulassungshürde errichtet.

Dieser Trend gehe "einher mit der Attraktivität der Großstädte für junge Menschen", heißt es in dem Arbeitspapier der beiden Forscher Gunvald Herdin und Cort-Denis Hachmeister. Ein weiterer Grund: "Länder mit einem stärkeren Zuwachs an Studienanfängern haben tendenziell einen größeren Anteil an NC-Studiengängen."

Hohe Quoten zeigten, dass einzelne Länder und Hochschulen "an ihre Belastungsgrenzen" gingen. Die Autoren verweisen darauf, dass die Zahl der Studienanfänger seit 2005 fast um die Hälfte gestiegen ist - ein Ansturm der künftigen Akademiker. Jahr für Jahr schreiben sich etwa eine halbe Million Erstsemester neu ein.

Bereits zum vergangenen Wintersemester zeigte sich, wie schwierig es für Bewerber ist, ihren Wunschstudienplatz zu bekommen: An den 20 größten deutschen Unis waren 68 Prozent, also mehr als zwei Drittel, der Bachelorstudiengänge zulassungsbeschränkt. Die neue Studie komplettiert nun das Bild.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • Zugangshürden an Fachhochschulen sind häufiger als an Universitäten. Allerdings gilt das nicht in Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, dort ist die Quote an Unis höher. (Überblickskarte )
  • Besonders oft sind auch insgesamt Studiengänge wie Jura, BWL und Sozialwissenschaften mit einem NC belegt, hier liegt die Quote bei mehr als 50 Prozent. Am seltensten bekommen mit 40 Prozent die Sprach- und Kulturwissenschaften einen NC verpasst.
  • Bachelorstudiengänge sind häufiger mit einem NC belegt als Masterstudiengänge (Überblickskarte ).
  • Wer trotz schwächerer Abiturnoten einen Studienplatz bekommen will, hat in ländlich geprägten Bundesländern wie Schleswig-Holstein oder Rheinland-Pfalz sowie in Ostdeutschland größere Chancen. In Thüringen ist zum Beispiel weniger als ein Drittel aller Studiengänge mit einem NC belegt.
  • Die höchste NC-Quote findet sich in der Fächergruppe "Mathematik und Naturwissenschaften" in Hamburg, sie liegt bei 91,7 Prozent.

Die Häufigkeit von Zulassungsbeschränkungen sagt noch nichts über die Höhe der Hürde. Der NC ist in beliebten Fächern an beliebten Hochschulen meist besonders hoch. Für Psychologie etwa lag der NC an den 20 größten Hochschulen bereits 2012 im Durchschnitt bei 1,3. Für BWL war der Notendurchschnitt von 2,0 nötig. Auch in Germanistik wurden mancherorts nur noch Top-Abiturienten aufgenommen.

Es wäre allerdings ein Irrtum zu glauben, im Sommersemester aufgrund von weniger Bewerbern leichter den Wunschstudienplatz zu bekommen. Das wäre nur so, wenn eine Hochschule im Sommer im Fachbereich genauso viele Plätze im Verhältnis zur Bewerberzahl anbietet wie im Winter. Ansonsten ändert sich für Studienstarter am NC nämlich nichts.

Insgesamt schwanken die Zugangshürden Jahr für Jahr. Viele Abiturienten bewerben sich an mehreren Unis, nehmen letztlich aber natürlich nur einen Platz an. So kommen auch Bewerber zum Zug, die in der ersten Runde nicht in ihrem Wunschfach oder an ihrem bevorzugten Studienort angenommen wurden. Und so kommt es Semester für Semester zu einem neuen Wettlauf um die begehrtesten Studienplätze.


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