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22. November 2016, 14:37 Uhr

Hotel Mama

Junge Männer wohnen länger bei den Eltern

Sie sind Anfang 20 und wohnen noch bei ihren Eltern: 62 Prozent der jungen Deutschen sind Nesthocker. Ob jemand lange zu Hause bleibt, hängt auch von Wohnort und Geschlecht ab.

Sie teilen das Bad, den Kühlschrank und den Esstisch mit ihren Eltern - und das, obwohl sie längst erwachsen sind: Wie das Statistische Bundesamt berichtet, lebten zwei Drittel (62 Prozent) der 18- bis 24-Jährigen im vergangenen Jahr mit ihren Eltern in einem Haushalt.

Der Anteil blieb in den vergangenen zehn Jahren nahezu unverändert, 2005 waren es zum Beispiel 64 Prozent. Ein Zeitvergleich zeigt allerdings, dass Kinder heute länger im Elternhaus wohnen bleiben als noch vor rund 40 Jahren. Dies könnte, so die Statistiker, daran liegen, dass die Ausbildungszeiten früher kürzer waren.

Die Neigung zum Nesthockerdasein hängt dabei auch vom Geschlecht und vom Wohnort ab. So leben Töchter deutlich weniger lange bei den Eltern als Söhne. 2015 wohnten nur 56 Prozent der jungen Frauen zu Hause, aber 68 Prozent ihrer männlichen Altersgenossen zwischen 18 und 24 Jahren. Im Alter von 25 Jahren lebten noch 34 Prozent der männlichen Bevölkerung bei den Eltern. Selbst mit 30 Jahren gehörten noch 12 Prozent und mit 40 Jahren noch vier Prozent der Männer als lediges Kind dem Haushalt der Eltern an.

"Töchter haben oft weniger Freiheiten, das kann die Motivation erhöhen, das Weite zu suchen. Sie helfen häufiger im Haushalt und sind daher selbstständiger", sagte der Hamburger Kinder- und Jugendpsychologe Michael Thiel jüngst in einem SPIEGEL-Interview. Schuld daran seien auch die Eltern, die, so Thiel, "ihr Kind nicht so erziehen, dass es ohne sie zurechtkommt".

Lange bei den Eltern zu wohnen, ist auf dem Land verbreiteter als in der Stadt. In Gemeinden unter 10.000 Einwohnern lebten 78 Prozent aller jungen Erwachsenen bei den Eltern, in Großstädten ab 500.000 Einwohnern traf das nur auf 45 Prozent der 18- bis 24-Jährigen zu.

Bereits vor zwei Jahren zeigte eine europaweite Studie, dass immer mehr 18- bis 29-jährige Europäer noch oder wieder bei ihren Eltern wohnen. 48 Prozent streckten im Jahr 2011 ihre Füße unter den elterlichen Tisch - ein Anstieg um vier Prozentpunkte verglichen mit dem Jahr 2007.

Demnach sind auch EU-weit vor allem junge Männer Nesthocker. Was nach Bequemlichkeit klingen mag, hat in den meisten Fällen wirtschaftliche Gründe: Viele können es sich schlicht nicht leisten, allein oder mit Freunden zu wohnen. Die Abhängigkeit vom Elternhaus ist in jenen Ländern am höchsten, die am meisten unter der Wirtschafts- und Eurokrise zu leiden haben.

lgr/sun/dpa

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