Neu erwachte Titelgier Gestatten, Prof. Prestige

Der Doktor ist ein alter Hut, immer mehr Titelgierige wollen höher hinaus: Vor einer Professoren-Inflation warnt Wirtschaftsingenieur Jörn-Axel Meyer - und er erklärt, warum echte und engagierte Hochschullehrer um ihren guten Ruf bangen müssen.

Doktorhut auf ergrautem Haupt? Ein Prof.-Titel muss her
dpa

Doktorhut auf ergrautem Haupt? Ein Prof.-Titel muss her


Der Fall zu Guttenberg ist nur ein Symptom für den Trend, sich mit akademischen Titeln zu schmücken. Das Thema ist nicht neu, aber selten so aktuell. Die Titelgier ist wiedererwacht in Deutschland, eine Gier nicht nur auf den Doktortitel, sondern auch auf den des Professors.

Allein der Blick in die Vorstandsetagen deutscher Unternehmen, aber zunehmend auch in die Medien, zeigt: Es gibt immer mehr Professoren - aber gibt es auch immer mehr Hochschullehrer? Verkommt der Professorentitel zum Karriereprofessor? Wie und warum nimmt die Zahl der so genannten Professoren immer mehr zu?

Trotz des vielfach herrschenden Bildes des ergrauten Lehrers und weltfremden Tüftlers wird ihnen doch von vielen Respekt und auch Neid entgegengebracht. Wer möchte sich nicht gerne Professor nennen?

Aber das Bild trügt: Viele, die sich Professor nennen, sind gar nicht Lehrer und Forscher, sondern in Wirtschaft oder Verwaltung tätig, sind mitnichten "Ordinarien" an Universitäten. So unterschiedlich die Leistungen hinter den Doktortiteln, so verschieden sind auch die Qualifikationen, Leistungen und Wege für die Professorentitel.

In anderen Ländern wird der Titel sogar sehr schnell verliehen, so zum Beispiel in den USA, wo der Titel als "Assistent-Professor" bereits mit Anstellung nach der Promotion verliehen wird. In Frankreich sogar lässt sich jeder Schullehrer mit Professor ansprechen. Und in Deutschland ist zu beobachten, dass zwar die Zahl der hauptamtlichen Professoren an den Hochschulen abnimmt, die Zahl derjenigen, die sich Professor nennen, aber rapide steigt. Denn der Titel und der Beruf des Professors sind Zweierlei.

Lesen Sie hier weiter, was den Professor als Beruf ausmacht, was ihn vom bloßen Titel unterscheidet - und warum ein Prof. vor dem Namen kein Karriereturbo sein muss:

insgesamt 56 Beiträge
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Hubert Rudnick, 15.04.2011
1. Eitelkeiten
Zitat von sysopDer Doktor ist ein alter Hut, immer mehr Titelgierige wollen höher hinaus: Vor einer Professoren-Inflation warnt Wirtschaftsingenieur Jörn-Axel Meyer - und er erklärt, warum echte und engagierte Hochschullehrer um ihren guten Ruf bangen müssen. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,756253,00.html
Viele Bürger pflegen ihre Eitelkeiten und die Gesellschaft ermutigt sie auch noch dazu, denn eine Kariere ist mit einem Titel oftmals schneller zu erreichen, aber was wirklich dahintersteckt wird nicht in Betracht gezogen. Sind wir Deutsche wirklich so ein hochbegabtes und wissenschaftlich orientiertes Land, also müsste man daraus schließen können, dass wir mit die besten Köpfe der Welt haben und was kommt dabei heraus?
el-gato-lopez 15.04.2011
2. Fremdsprachen
"(...)In Frankreich sogar lässt sich jeder Schullehrer mit Professor ansprechen.(...)" Dem Autor täten weniger Akademikerdünkel und mehr Fremdsprachenkenntnis, bzw. Allgemeinbildung gut! Solche Aussagen sind ja fast schon auf US-Niveau - "Was sie sind Deutscher? Wo ist den die Lederhose abgeblieben?" IT "il professore", FR "le professeur", ES "el profesor" wird ganz normal auch als Bezeichnung für einen Lehrer, insb. an einer weiterführenden Schule, z.B. Gymnasium, verwendet. Das hat nichts mit "Titelsucht" oder "sich schmücken" zu tun. Romanische Sprachen - ungenügend! - setzen!
ATLien 15.04.2011
3. Spieglein, spieglein an der Wand, wer ist die duemmste zeitung im ganzen Land
Zitat von sysopDer Doktor ist ein alter Hut, immer mehr Titelgierige wollen höher hinaus: Vor einer Professoren-Inflation warnt Wirtschaftsingenieur Jörn-Axel Meyer - und er erklärt, warum echte und engagierte Hochschullehrer um ihren guten Ruf bangen müssen. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,756253,00.html
Nun auf die ungenuegenden franzoesischen Sprachkenntnisse des Verfassers wurde ja bereits hingewiesen. Zudem weiss er offenbar auch nichts vom US-Universitaetssystem. Die Aussage "so zum Beispiel in den USA, wo der Titel als Assistent-Professor bereits mit Anstellung nach der Promotion verliehen wird" ist schlicht und einfach dumm. Der "Assistant Professor" ist neben dem "Associate Professor" und "Full Professor" ein Hinwies auf die Bezahlung der Professorenstelle. Allerdings uebernimmt ein Assistant Professor genauso wie ein Full Professor volle Lehrtaetigkeit und muss ein eigenes Forschungsprogramm aufrechterhalten. Auch ist dies nicht der Rang den jeder Angestellte bekommt, sondern nur Kandidaten die einen PhD haben und als Post-Docs ihre Befaehigung zu Forschung und Lehre nachgewiesen haben. Daneben gibt es reine forschertaetigkeiten die als Research Scientist oder research Engineer bezeichnet werden. Zugegeben es gibt aussergewoehnlich gute Doktoranten die aufgrund ihrer Dissertation sofort eine Professorenstelle angeboten bekommen. Andererseits gibt es ja auch begabte Studenten, die sofort als Journalisten eine Stelle bei FAZ, Zeit oder SZ erhalten und nicht erst wie die weniger guten bei Spiegel Online arbeiten muessen. Deswegen gibt es aber noch lange keine Journalisteninflation in Deutschland. Die Tatsache, dass es an US-Universitaeten mehr Professoren gibt als an deutschen Hochschulen, hat nichts mit einer Titelinflation zu tun, sondern spiegelt lediglich die deutlich bessere finanzielle Ausstattung wieder.
Bala Clava 15.04.2011
4. Und plötzlich hat es Prof gemacht
Zitat von el-gato-lopez"(...)In Frankreich sogar lässt sich jeder Schullehrer mit Professor ansprechen.(...)" Dem Autor täten weniger Akademikerdünkel und mehr Fremdsprachenkenntnis, bzw. Allgemeinbildung gut! Solche Aussagen sind ja fast schon auf US-Niveau - "Was sie sind Deutscher? Wo ist den die Lederhose abgeblieben?" IT "il professore", FR "le professeur", ES "el profesor" wird ganz normal auch als Bezeichnung für einen Lehrer, insb. an einer weiterführenden Schule, z.B. Gymnasium, verwendet. Das hat nichts mit "Titelsucht" oder "sich schmücken" zu tun. Romanische Sprachen - ungenügend! - setzen!
Völlig korrekt, zumal es für die "richtigen Professoren", also Hochschullehrer, in den jeweiligen Sprachen auch noch eigene Begriffe gibt. Am lächerlichsten sind für mich die Honorarprofessoren (das sind die, die für ihre Tätigkeit kein Honorar bekommen, sondern den Titel), die sich im Fernsehen in Unterhaltungssendungen penetrant mit "Professor" anreden lassen: Prof. Karasek, Prof. Stolte, Prof. Biolek, Prof. Burda und wie sie alle heißen. Ja, und sogar ein Prof. Peter Hartz. Eitle alte Männer, die nicht merken, wie peinlich sie sind. Wir kriegen hier allmählich österreichische Verhältnisse.
semper fi, 15.04.2011
5. -
Zitat von sysopDer Doktor ist ein alter Hut, immer mehr Titelgierige wollen höher hinaus: Vor einer Professoren-Inflation warnt Wirtschaftsingenieur Jörn-Axel Meyer - und er erklärt, warum echte und engagierte Hochschullehrer um ihren guten Ruf bangen müssen. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,756253,00.html
So fürchterlich neu ist diese Titelsucht nicht. Hier: http://www.fraport.de/cms/press/dok/222/222141.prof_manfred_schoelch_bleibt_praesident.htm findet sich ein netter Professor Doktor (made in Hungary), der das schon Ende der 90er Jahre hinbekommen hat.
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