Neue IT- und Technikstudiengänge Die Gunst der Stunde

Nahezu verzweifelt fahndet die Industrie nach hoch qualifizierten Ingenieuren und Informatikern. Die Hochschulen sind nicht faul und haben in Windeseile eine Reihe neuer IT- und Technik-Studiengänge gezimmert.


In den Technik-Fächern und der Informatik lohnt sich das Büffeln, Absolventen sind begehrt wie nie
Foto: GMS

In den Technik-Fächern und der Informatik lohnt sich das Büffeln, Absolventen sind begehrt wie nie

Gut 30.000 Fachkräfte mit guter akademischer Ausbildung fehlen allein der deutschen IT-Branche, schätzt der Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Die Wirtschaft ruft nach ausländischen Experten und lässt zugleich ihre Späher auf dem Campus ausschwärmen, um viel versprechenden Nachwuchs frühzeitig zu ködern - notfalls auch vor dem Examen. "Wer noch in Ruhe zu Ende studieren will, muss sich fast im Heizungskeller der Hochschule verstecken", meint Heinz-Wilhelm Seegers vom Hochschulteam des Stuttgarter Arbeitsamtes.

Wegen des grassierenden Absolventenmangels stehen die Technik- und Informatikfakultäten der Hochschulen unter verstärkter Beobachtung. Und nutzen die Gunst der Stunde: In den nächsten Jahren wollen sie die Zahl der Studienplätze und Lehrkapazitäten deutlich erhöhen, die Studiengänge attraktiver und internationaler gestalten und zugleich im Ausland stärker für den Studienstandort Deutschland werben. Eine Reihe neuer Studienangebote startet bereits zum kommenden Wintersemester.

Aus- und Weiterbildung Wirtschaftsinformatik

So entsteht an den Universitäten Bamberg, Essen und Erlangen-Nürnberg der Studiengang "Virtuelle Aus- und Weiterbildung Wirtschaftsinformatik" (VAWi). Das viersemestrige Studium ermöglicht einen Abschluss als international anerkannter Master of Science. "Mit diesem Studiengang sollen Graduierte verschiedener Fachrichtungen die Chance erhalten, innerhalb eines kurzen Zeitrahmens eine konzentrierte Ausbildung zu absolvieren, die dem Bedarf des Arbeitsmarktes Rechnung trägt", sagt Otto Ferstl vom Wirtschaftsinformatik-Lehrstuhl der Bamberger Universität.

Bewerben können sich auch Absolventen und Berufstätige aus den Geisteswissenschaften. Das Masterprogramm soll, immer nah am Arbeitsmarkt, Theorie und Praxis eng verzahnen. Auf dem Lehrplan stehen zum Beispiel Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Informatik und Wirtschaftsinformatik. Durch multimedial unterstützte Fernlernphasen können die Teilnehmer auch ein berufsbegleitendes Teilzeitstudium absolvieren.

Bachelor-Studium Informationsdesign in Stuttgart

Ebenfalls zum Wintersemester startet die Fachhochschule Stuttgart ihren neuen Bachelor-Studiengang Informationsdesign. Dabei geht es um die Aufbereitung von Informationen für digitale wie gedruckte Medien. Informationsdesigner konzipieren und gestalten im Berufsalltag zum Beispiel Web-Seiten, Broschüren und multimediale Informationssysteme. Die Studenten werden sich mit Multimedia-Didaktik, Screen-Design, Typografie und technischem Zeichnen beschäftigen. Das siebensemestrige Studium ist interdisziplinär und praxisorientiert: "Es soll ein projektorientiertes Arbeiten mit zum Teil virtuellen Lehrveranstaltungen ermöglichen", so Frank Thissen.

Medientechnik in Nürnberg

Ähnlich interdisziplinär angelegt ist der Studiengang Medientechnik, der an der FH Nürnberg moderne Informationstechnik mit klassischem Design verbindet. Im Mittelpunkt stehen Multimedia, Software-Engineering, Datenbanken, Programmierung, Kommunikationstechnik sowie die Grundlagen der Gestaltung. Das Studium umfasst acht Semester, darunter ein Praxissemester, und endet mit dem akademischen Grad des Diplom-Ingenieurs (FH). "Unsere Absolventen werden später in verschiedenen Produktions- und Dienstleistungsbereichen der elektronischen Kommunikation einsetzbar sein", erläutert Thoralf Dietz von der FH Nürnberg,

Informationstechnologie in Magdeburg

An der Universität Magdeburg können Abiturienten sich zum Wintersemester für den neuen Studiengang Informationstechnologie einschreiben. Das Diplomstudium ist auf zehn Semester angelegt, eine Spezialisierung zum Beispiel in den Bereichen Technische Informatik, Kommunikationstechnik oder Mikrosystemtechnik ist möglich. Dieses Ausbildungsprofil soll den Absolventen ein breit gefächertes Einsatzgebiet eröffnen - etwa als Fachkräfte für Programmierung, für die Online-Vermittlung von Expertenwissen oder in der Automatisierungstechnik.

Doppelabschluss Mechatronik in Aalen

Ein Kombi-Modell wird die Fachhochschule Aalen zusammen mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwürttemberg anbieten. Ohne ihr Studium zu verlängern, können Mechatronik-Studenten zwei vollwertige Abschlüsse erlangen: als Industriemechaniker in Geräte- und Feinwerktechnik sowie als Diplom-Ingenieur für Mikro- und Feinwerktechnik beziehungsweise Mechatronik.

Den Studenten beschert die Doppelausbildung eine Reihe von Pluspunkten: "Wer sich für den dualen Studiengang entscheidet, wird parallel zum Semester in einem Betrieb zum Facharbeiter ausgebildet", erklärt Axel Burchardt von der FH Aalen, "die Studenten erhalten früh Kontakt zur Praxis und können ihr Studium dennoch in der Regelstudienzeit beenden. Die doppelte Qualifikation macht sie mit Sicherheit auf dem Arbeitsmarkt wertvoller."



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