Neue Ökonomie-Studiengänge Näher an die Berufspraxis

Mit einer Reihe neuer Studienangebote wollen die deutschen Hochschulen in die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften locken. Im Trend liegt eine engere Verzahnung von akademischer Theorie und Berufsalltag.


Nicht nur graue Theorie, auch Praxisbezüge wollen die neuen Studiengänge bieten
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Nicht nur graue Theorie, auch Praxisbezüge wollen die neuen Studiengänge bieten

Anders als die Geisteswissenschaften suchten die Wirtschaftswissenschaften schon immer Praxisbezüge im Studium. Der Trend zeigt sich auch in einigen neuen Studiengängen, die zum Wintersemester starten. So legen die Fachbereiche mehr Wert auf die Arbeit an konkreten Entscheidungssituationen aus der Unternehmenspraxis und planen ihre Studiengänge verstärkt fächerübergreifend. Internationalität sowohl bei Abschlüssen als auch bei Studieninhalten spielt ebenfalls eine große Rolle.

Die Bamberger Universität zum Beispiel will ihre Studenten mit dem Studiengang European Economic Studies (EES) umfassend auf die Anforderungen der Berufswelt vorbereiten. Im Vordergrund stehen dabei Aspekte, die mit der Globalisierung und dem Zusammenwachsen Europas zusammenhängen: "In das Programm sind ausländische Gastdozenten mit fremdsprachlichem Lehrangebot eingebunden", sagt Uni-Mitarbeiter Günter Barthenheier. Zum Pflichtprogramm zählen auch ein verpflichtendes Auslandsjahr und zwei prüfungsrelevante Wirtschaftsfremdsprachen.

Mit Bachelor und Master in den Beruf

Die EES-Ausbildung ergänzt ein dreijähriges Bachelorstudium um ein zweijähriges Masterstudium. Beide Programme bestehen unabhängig voneinander und enden jeweils mit einem berufsqualifizierenden Abschluss. Die olkswirtschaftslehre bildet den inhaltlichen Schwerpunkt, aber auch die Sozial- und Rechtswissenschaften kommen nicht zu kurz.

Die Globalisierung der Märkte, der EU-Integrationsprozess und die EU-Osterweiterung verändern die Anforderungen an deutsche Manager. Mit dieser Dynamik arbeitet der MBA-Studiengang "European Management", ein gemeinsames Angebot der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin und der South Bank University in London. "Das Programm eignet sich besonders für Hochschulabsolventen, die bereits über erste qualifizierte Berufserfahrungen verfügen und sich in kompakter Form auf internationale Führungsaufgaben vorbereiten wollen", sagt Bettina Barenscheer von der FH für Wirtschaft.

Neben Managementwissen sollen besonders sprachliche und soziale Kompetenzen gefördert werden. Das MBA-Programm dauert 14 Monate und kann sowohl in Berlin als auch an der Partner-Universität in London absolviert werden.

Für Leitungspositionen im Gesundheitswesen richtet die Berliner Fachhochschule für Wirtschaft einen MBA-Studiengang "Gesundheits- und Sozialmanagement" ein. Das Studium dauert zwei Jahre. Weil die Studierenden lediglich bei elf Präsenzphasen von je einwöchiger Dauer vor Ort sein müssen, können auch Berufstätige teilnehmen. Geplant ist außerdem ein Informationsbesuch im englischsprachigen Ausland.

Immobilienwirtschaft von der Idee bis zur Nutzung

Einen neuen Nachdiplomstudiengang "Facility Management und Immobilienwirtschaft" startet die Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven. Das Studium in Oldenburg endet mit einem international anerkannten Master of Engineering. Es soll die Absolventen befähigen, Immobilien von der Projektidee über den Bau bis zur Nutzung professionell zu betreuen und zu führen.

Das Angebot richtet sich in erster Linie an ausgebildete Architekten sowie Bau- oder Wirtschaftsingenieure. Aber auch Betriebs- und Versorgungstechniker mit organisatorischem Talent, technischem Verstand und Führungsqualitäten können sich bewerben.

Einen neuen Diplomstudiengang Sozialwissenschaften gibt es an der Universität Koblenz-Landau. Das Studium soll auf Tätigkeiten an Hochschulen, im Sozial- und Gesundheitsbereich, in Kultureinrichtungen und Medien vorbereiten. Der Studiengang verbindet Politik- und Wirtschaftswissenschaft mit Soziologie und Methodenausbildung. Für Bodenhaftung sorgt ein viermonatiges Pflichtpraktikum.



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