Neue Pisa-Studie "Reformerfolge an Schulen erst in 10 bis 15 Jahren"

Die neue Pisa-Studie kam nach Ansicht des Bildungsexperten Olaf Köller viel zu früh, um deutliche Fortschritte im deutschen Bildungssystem zu zeigen. Der Wissenschaftler warnt zudem davor, die Qualität deutscher Schulen allein an internationalen Rankings festzumachen.

Hamburg - Das Niveau deutscher Schulen verbessert sich nach Ansicht des Bildungsexperten Olaf Köller nur langsam. "Für sichtbare Reformerfolge rechnet man mit Intervallen von zehn bis 15 Jahren", sagte der designierte Leiter des neuen Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungssystem (IQB) der Nachrichtenagentur AP.

Der Nürnberger Professor für Erziehungswissenschaften warnte zugleich vor zu hohen Erwartungen an die Ergebnisse der zweiten Pisa-Studie, die am Montag veröffentlicht werden. Es seien zwar Reformen eingeleitet worden. Die Zeit zwischen der ersten Studie im Jahr 2000 und den neuen Tests 2003 sei aber viel zu kurz gewesen, um bereits deutliche Fortschritte zu messen. Köller führte aus, in Mathematik und in den Naturwissenschaften seien die deutschen Schulen "schon seit längerem auf Reformkurs und haben auch schon Erfolge erzielt". Auch die Fortbildung der Lehrer habe Fortschritte gemacht. "Ich würde die Qualität deutscher Schulen nicht unbedingt an internationalen Rankings festmachen", sagte der 41-Jährige.

Foto: DER SPIEGEL
Foto: DER SPIEGEL
Foto: DER SPIEGEL

Pisa-Studie der OECD 2003
Bei Pisa 2000 erreichte Deutschland im Fach Mathematik Rang 20. Unter den damals vertretenen Ländern würde Deutschland heute Rang 16 belegen. Im Fach Lesen damals Rang 21, heute Rang 18. In den Naturwissenschaften damals Rang 20, heute Rang 15.

Mathematik

Lesen

Naturwissenschaften

Klicken Sie auf die Grafiken, um zu den Ranglisten zu gelangen.


Das dreigliedrige Schulsystem steht nach Köllers Ansicht einer hohen Qualifikation möglichst vieler Schüler nicht entgegen. "Für die schulische Leistung ist nicht die Schulstruktur entscheidend, sondern die Unterrichtsstruktur", sagte er. Der Unterricht müsse vor allem durch Lehrerfortbildung verbessert werden. Das sei sowohl im mehrgliedrigen System als auch in der Einheitsschule denkbar. Das neue Institut, das demnächst an der Berliner Humboldt-Universität die Arbeit aufnimmt, entwickelt laut Köller Aufgaben für die verschiedenen Fächer, um die neuen, einheitlichen Bildungsstandards zu überprüfen. Zudem wolle das IQB den Schulen auch Aufgaben für eigene Tests liefern. Beim Bewerten allein wird es aber nicht bleiben. Unsere Evaluation wird auch Einfluss auf den Unterricht haben", sagte der designierte Institutsleiter. "Wenn die Schulen verstehen, welche Anforderungen an die Schüler gestellt werden, dann hilft es ihnen, Unterricht so zu gestalten, dass die erwünschten Leistungen erreicht werden."

Der Bildungsexperte forderte von den Lehrern, im Team über Unterricht nachzudenken und für Kritik offen zu sein. "Die Schulen und die Hochschulen sind vermutlich die letzten Bastionen, in denen einem keiner so richtig auf die Finger schaut", kritisierte Köller. Lehrer müssten lernen, Tests als Anstoß zur Verbesserung der eigenen Arbeit zu sehen. "Wir brauchen ein Klima, in dem Evaluation als Maßnahme zur Unterstützung und nicht zur Kontrolle gesehen wird."

Pisa-Beispielaufgaben: Harte Nüsse für die 15-Jährigen

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.