Neue Rankings Deutschlands beste Unis

Seit den Eliteuni-Plänen der SPD buhlen die deutschen Hochschulen um einen Platz an der Sonne. Gleich drei aktuelle Rankings zeigen, welche Unis sich tatsächlich Chancen für die internationale Champions League ausrechnen können. An der Spitze: die üblichen Verdächtigen.

Von


Da geht's lang: Gerhard Schröder bläst zur Innovationsoffensive
DDP

Da geht's lang: Gerhard Schröder bläst zur Innovationsoffensive

Der Kanzler hat eine neue Chefsache entdeckt. Seit der vergangenen Woche grassiert bei den Sozialdemokraten die Innovationseuphorie. Hinfort also mit der Plackerei um Steuer-, Renten- und Gesundheitsreform - zum Megathema soll jetzt die Forschung und Bildung werden. Auf der Fahndungsliste: deutsche Hochschulen, die das Zeug haben, in der weltweiten Spitzengruppe von Top-Unis mitzumischen. Am Donnerstagabend lud Gerhard Schröder zum "Ideengipfel" und besprach mit Wirtschaftskapitänen, wie Staat und Unternehmen gemeinsam die "Innovationsoffensive" befeuern können.

Viele Rektoren und Professoren trauen den SPD-Strategen Schröder, Scholz und Müntefering indes nicht über den Weg. Sie befürchten, dass es bei einem Strohfeuer bleibt: Man debattiert einige Wochen hitzig über den künftigen Kurs der deutschen Universitäten und den Milliardenbedarf für eine Runderneuerung, dann öffnet Finanzminister Hans Eichel Anfang März sein Schatzkästlein, und siehe da - es ist leer.

Wer nicht will, der hat schon

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Einstweilen suchen die seit zwei Jahrzehnten gebeutelten deutschen Hochschulen Trost in der angenehmen wie ungewohnten Aussicht, dass Milliardenspritzen vom Bund und aus der Wirtschaft ihnen aus der Klemme helfen könnten. Die Sozialdemokraten ließen bislang offen, ob es eine, ein paar oder zehn deutsche "Elite-Unis" sein sollen, vielleicht sogar wegen des Regionalproporzes eine pro Bundesland. Aber schaden kann es den deutschen Universitäten kaum, sich vorsorglich in Schale zu werfen.

Komplimente vom Minister: Humboldt-Uni Berlin

Komplimente vom Minister: Humboldt-Uni Berlin

Und so kam es in den letzten Tagen zu einem Schaulaufen der Kandidaten. Manche Unis wurde aus der Politik die Befähigung zur "Hochleistungsuniversität" zugesprochen; Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement etwa machte sich für die Berliner Humboldt-Universität stark. Andere Hochschulen trommelten lautstark in eigener Sache.

Aber welche ist nun die beste Hochschule im ganzen Land, wer hat Chancen, zu weltweit anerkannten Spitzen-Unis wie Harvard und Stanford, Oxford und Cambridge aufzuschließen? Und wie groß ist der Abstand der Bundesliga zur Champions League?

Gleich drei aktuelle Rankings liefern neuen Diskussionsstoff. Die Zeitschrift "Wirtschaftswoche" befragte Personalchefs der 250 größten deutschen Unternehmen, welchen Absolventen sie den Vorzug geben. Die Freie Universität Berlin erstellte ein "Meta-Ranking", das sich auf die Forschung konzentriert. Und die "Zeit"-Redaktion ließ die deutschen Unis in einer Mischung aus ernsthafter Abwägung und Jux-Faktoren zum Schönheitswettbewerb antreten.



Ein Ergebnis haben alle drei Rankings gemeinsam: Die deutschen Universitäten müssen sich im internationalen Vergleich durchaus nicht verstecken, vor allem ihre Forschungsleistungen können sich sehen lassen. Zugleich mendelt sich ein Konsens über die Spitzengruppe heraus - alle Experten scheinen sich einig, dass beispielsweise die LMU und die TU München, die Berliner Humboldt-Universität oder die RWTH Aachen dazugehören.

Weniger klar ist allerdings selbst bei diesen Universitäten, ob sie in auch in ihrer Breite überzeugen können. Offenkundig bilden sich an einzelnen Fakultäten "Inseln der Exzellenz", während andere Fachbereiche deutlich abfallen. Obendrein mahnen etliche Rektoren in der Debatte über Eliteuniversitäten, dass man eine Spitzenhochschule weder per Dekret festlegen noch am Reißbrett entwerfen könne. Wer sich wirklich durchsetze, das beweise erst der Wettbewerb - schließlich gebe es etwa im Sport ebenfalls Auf- und Absteiger, keine festen Ligen.



Nach welchen Kriterien dieser Wettbewerb funktionieren soll, darüber sind sich Wissenschaftler uneins. Jedes Ranking ist methodisch angreifbar. So gibt es zwar für die Forschung ein Bündel "harter" Faktoren, darunter Drittmittel, Publikationen, Graduiertenkollegs oder der Zustrom ausländischer Wissenschaftler. Aber auch in der Welt der Forschung lässt sich nicht alles zählen und messen - und wie man die nackten Fakten gruppiert und gewichtet, bietet stets Zündstoff.

Ohnedies speist sich das Gesamt-Renommee einer Universität oder auch nur einer einzelnen Fakultät aus etlichen Quellen. Die Tradition und der Bekanntheitsgrad spielen dabei eine wichtige Rolle, die Zufriedenheit der Professoren und der Studenten ebenfalls. Messbar ist das nur schwer und mit großem Aufwand.

Die SPIEGEL-Redaktion weiß das aus eigener Erfahrung, seit sie Ende der achtziger Jahre ihr erstes großes Uni-Ranking und 1999 das bislang letzte veröffentlichte. Etliche andere Magazine machten es dem SPIEGEL nach, etwa "Stern", "Focus" und "Wirtschaftswoche". Und stets lösten die Rankings ein gewaltiges Echo aus: Wer sich in den oberen Rängen platzieren konnte, frohlockte öffentlich. Wer dagegen von den befragten Dozenten und Studenten abgewatscht wurde, erklärte die Rangliste kurzerhand für unseriös.

© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.