Neue Umfrage Angeblich Mehrheit der Studenten für Gebühren

Wir müssen alle den Gürtel enger schnallen - die Botschaft kommt offenbar bei den Studenten an. Einer Meinungsumfrage zufolge befürwortet eine Mehrheit neuerdings Studiengebühren, sofern das Geld direkt den Unis zugute kommt und man erst nach dem Studium zahlen muss. Das behauptet zumindest das Centrum für Hochschulentwicklung.

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und das Gütersloher Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) hatten die Meinungsforscher von Forsa beauftragt, Studenten und Nicht-Studenten in Deutschland zu Studiengebühren zu befragen. Eine moderate Studiengebühr von 500 Euro im Semester erscheint demnach immerhin 59 Prozent der befragten Studierenden gerechtfertigt.

Diese Zustimmung ist aber an Voraussetzungen gebunden: Das Geld muss unmittelbar an die Hochschulen fließen, an der der Student eingeschrieben ist. Außerdem müssen die Studenten Darlehen bekommen, die erst nach dem Examen bei Überschreiten einer bestimmten Einkommensgrenze zurückzuzahlen sind.

Die sich stetig verschlechternde Lage an den Unis, das legt zumindest die Forsa-Umfrage nahe, treibt Studenten zur Erkenntnis, dass Gebühren den Hochschulen helfen könnten. Noch in den Jahren 1998 und 2000 hatte weniger als die Hälfte der Studenten (jeweils 47 Prozent) dem Modell zugestimmt. Auch in der Gesamtbevölkerung steigt die Zustimmung zu Studiengebühren: Zwei Drittel aller befragten Bundesbürger stimmten dem vorgeschlagenen Modell zu.

Der Stifterverband setzt sich bereits seit Jahren für Studiengebühren ein, sein Generalsekretär Manfred Erhardt war von 1991 bis 1995 Wissenschaftssenator in Berlin. Und CHE-Leiter Detlef Müller-Böling ist ohnehin flammender Befürworter von Studiengebühren. Unermüdlich leistet seine Einrichtung, getragen von den Hochschulrektoren und der Bertelsmann-Stiftung, Lobbyarbeit für die Gebühreneinführung.

Meinungsumfragen im Auftrag des CHE sollen immer wieder dazu dienen, die Gebührenfreunde mit zusätzlichen Argumenten zu munitionieren. Auf den ersten Blick ist die Zustimmung bei den Studenten verblüffend hoch. Bei näherem Hinsehen schrumpft sie: Auch das CHE räumt ein, dass 94 Prozent der Studenten Studiengebühren ablehnen, wenn diese nicht sozialverträglich abgesichert sind und im allgemeinen Landes- und Bundeshaushalt versickern.

"Die Studierenden wollen nicht die Melkkuh für die Finanzminister sein, sondern ihre Studiensituation verbessern", erklärte Detlef Müller-Böling und protestierte zugleich gegen die aktuelle Kürzungswelle in den Bundesländern: Damit werde "nicht nur die bestehende Unterfinanzierung der Hochschulen dramatisch ausgeweitet, sondern auch die Chance auf akzeptierte Gebührenlösungen verspielt".

Unterdessen haben Studentenvertreter starke Zweifel, dass die Annahmen in der CHE-Umfrage realistisch sind. Denn schon die bisherigen Erfahrungen mit Langzeit- und Rückmeldegebühren in den Ländern zeigen, dass von einer Verbesserung der Studienbedingungen keine Rede sein kann - die Finanzminister freuen sich über zusätzliche Einnahmen, die Hochschulen sehen davon wenig bis nichts. Zudem scheinen "nachlaufende" Gebühren politisch kaum mehrheitsfähig, weil die Länder möglichst schnell die Studenten zur Kasse bitten und nicht erst einige Jahre warten wollen. Und ob es bei 500 Euro lange bliebe? Die Asten sind misstrauisch und haben stets davor gewarnt, dass Politiker an allen Schrauben drehen könnten, sobald allgemeine Studiengebühren erst einmal eingeführt sind.

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