Neue Vorlesungszeiten Und tschüs, Sommersemester

Die Halbjahre an deutschen Hochschulen könnten bald "Frühlings-" und "Herbstsemester" heißen. Gleich mehrere Uni-Chefs wollen sich für einen früheren Beginn des Vorlesungszeit stark machen - und Mannheim hat schon mal einen Blitzstart hingelegt.

Die Semester müssten dem internationalen Rhythmus angepasst werden, forderte der Präsident der Berliner Humboldt-Universität, Christoph Markschies, in der "Rheinischen Post". Damit werde zum Beispiel die Teilnahme an auswärtigen Kongressen erleichtert. Konkret strebt Markschies an, das Wintersemester statt im Oktober schon im September, das Sommersemester im Februar statt im April beginnen zu lassen.

Sinnvoll sei die Änderung allerdings nur, wenn sich alle Universitäten daran beteiligten. "Andernfalls würde Studenten ein Wechsel innerhalb Deutschlands erschwert", sagte Markschies. Als weiteren Nachteil bezeichnete er Überschneidungen mit den Schulferien.

Der Mannheimer Rektor Hans-Wolfgang Arndt sagte, für Hochschulen, die das Schlagwort vom internationalen Wettbewerb ernst nähmen, führe kein Weg an einem vorgezogenen Semesterbeginn vorbei. Die Universität Mannheim hatte als erste deutsche Hochschule im Alleingang den Vorlesungsbeginn vorverlegt. Arndt rechnet damit, dass in den kommenden Jahren etliche deutsche Universitäten dem Beispiel folgen werden.

Die Mannheimer Hochschulleitung sieht das als Anpassung an internationale Gepflogenheiten. Auslöser war die Umstellung in den Wirtschaftswissenschaften vom Diplom zu den neuen Abschlüssen Bachelor und Master - mitsamt einem verpflichtenden Auslandssemester. "Studenten etwa aus Australien sind nach Weihnachten für die vier, fünf restlichen Semesterwochen häufig gar nicht mehr angerückt", erzählt der Althistoriker Kai Brodersen, Mannheimer Prorektor für Lehre. "Mit dem Vorziehen der Zeiten um sechs Wochen wird es für den Austausch in beide Richtungen leichter."

Vorsprung bei der Studentenauswahl

Wer außer in Mannheim noch an einer weiteren Universität studiere, habe allerdings künftig ein "Semesterferienproblem", räumt Prorektor Brodersen ein. Damit sei die Kooperation mit dem benachbarten Heidelberg "im Prinzip gelaufen", klagt die stellvertretende Asta-Vorsitzende Eva Lübke. Allerdings seien davon höchstens 20 Studenten betroffen.

In der Regel beginnt das Sommersemester an Universitäten - Fachhochschulen haben andere Zeiten - am 1. April und endet am 30. September; das Wintersemester reicht vom 1. Oktober bis 31. März. Regulär laufen die Lehrveranstaltungen meist von Mitte April bis Mitte Juli im Sommer, von Mitte Oktober bis Mitte Februar im Winter.

In Mannheim wird dagegen künftig von Herbst- und Frühlingssemester gesprochen - Schluss mit den Traditionsbezeichnungen Winter- und Sommersemester. Die Universität erhofft sich vom frühen Start einen Vorteil: Sie will die besten Anfänger binden, bevor die Konkurrenz überhaupt gestartet ist. Allerdings muss sie dazu die Bewerbungen deutlich schneller bearbeiten.

Auch die Studenten der Berliner Universitäten müssen sich möglicherweise auf einen früheren Semesterbeginn einstellen. An drei der vier Hochschulen wird derzeit über einen vorgezogenen Semesterstart diskutiert. Nur bei der Universität der Künste ist dies kein Thema.

Auch Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), hatte angeregt, die Vorlesungen an Hochschulen künftig im September und Februar starten zu lassen. Die Uni-Chefs wollen die deutschlandweite Änderung bei der nächsten HRK-Sitzung am 10. Oktober in Osnabrück beantragen.

jaf/AFP/ddp/dpa

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