Neuer Rektoren-Chef Peter Gaehtgens "Studiengebühren sind notwendig"

Am Dienstag wurde Peter Gaehtgens zum neuen Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) gewählt. Der Berliner Medizinprofessor, 65, plädiert für Studiengebühren: Der Wettbewerb zwinge die Hochschulen dann, die Lehre zu verbessern, sagt Gaehtgens im Interview mit UniSPIEGEL ONLINE.


UniSPIEGEL ONLINE:

Herr Gaethgens, haben Sie schon einen 100-Tage-Plan für die Zeit nach Ihrem Amtsantritt im Sommer?

Peter Gaehtgens: "Wir reden viel über Wettbewerb, haben aber keinen"
DPA

Peter Gaehtgens: "Wir reden viel über Wettbewerb, haben aber keinen"

Peter Gaehtgens: Auf die 100 Tage will ich mich jetzt nicht festlegen, aber es gibt natürlich Dinge, die ich besonders wichtig finde: die Autonomie der Hochschulen und ihre Autonomiefähigkeit; die Notwendigkeit, alte materielle Ressourcen zu sichern und neue zu erschließen; natürlich auch die öffentliche Akzeptanz der Hochschulen.

UniSPIEGEL ONLINE: Daran mangelt es derzeit?

Gaehtgens: Wenn man aus einer solchen Situation kommt, wie wir sie in Berlin in der Hochschulpolitik erleben, dann hat man natürlich einen Härtetest hinter sich gebracht, auch in der öffentlichen Auseinandersetzung. Und da sind meine Erfahrungen eindeutig: Wir brauchen die Unterstützung durch die Öffentlichkeit, damit Politiker ihre Prioritäten richtig setzen. Jede Forderung nach höheren Bildungsausgaben verhallt ungehört, wenn es dafür nicht ein öffentliches Echo gibt. Deshalb finde ich diese Aufgabe so wichtig.

UniSPIEGEL ONLINE: Wie stehen Sie denn zur Einführung von Studiengebühren? Bisher hat sich die HRK da ja eher zurückgehalten.

Gaehtgens: Meine persönliche Position ist, dass sozialverträgliche Studiengebühren unabdingbar notwendig sind. Wir reden zwar viel über Wettbewerb, aber wir haben bisher keinen. Ich will die Konkurrenz der Hochschulen untereinander fördern, und dazu gehört auch der Wettbewerb um die Studierenden.

UniSPIEGEL ONLINE: Und dazu müssen Gebühren her?

Protest gegen Gebühren (in Düsseldorf): Auch Vorteile für Studenten?
FEDERICO GAMBARINI / DDP

Protest gegen Gebühren (in Düsseldorf): Auch Vorteile für Studenten?

Gaehtgens: Ja, denn Gebühren zwingen die Hochschulen zu einer Profilentwicklung, die sie attraktiv macht. Sie zwingen sie zu einer Qualitätsverbesserung in den Leistungen gegenüber den Studierenden, und sie entwickeln das größte Interesse an der Lehre, wenn sie für die Lehre auch honoriert werden. Das findet ja derzeit gar nicht statt. Wenn ich in der Lehre sehr gut bin, dann ertrinke ich in Studierenden.

UniSPIEGEL ONLINE: Was hätten die Studierenden von Gebühren?

Gaehtgens: Sie hätten ein ganz anderes Verhältnis zum Studium. Man würde das Studium nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit wie Regen oder Sonnenschein entgegen nehmen, an der man nichts ändern kann. Studierende können dann auf negative Zustände in der Lehre wirksamer reagieren als bisher. Deswegen bin ich sehr dafür, dass das eingeführt wird. Die HRK hat sich da in der Tat bisher vielleicht ein bisschen zu vorsichtig verhalten.

Das Interview führte Armin Himmelrath




insgesamt 1557 Beiträge
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Don LoC, 12.04.2005
1. Studiengebühren müssen an den Unis bleiben!
Das immer wieder vorgetragene Hauptargument gegen Studiengebühren ist die dadurch angeblich massive auftretende soziale Auswahl. In der Praxis sieht es allerdings so aus, dass die soziale Auswahl bereits viel früher statt findet, nämlich im Vorschulalter und den folgenden ersten Schuljahren. Verglichen mit anderen Industrienationen (die Studiengebühren haben!) hat DL nämlich eine relativ geringe Anzahl von Studenten aus "sozial schwachen" Schichten, trotz gebührenfreiem Studium. Die Studienbedingungen, das kann ich aus eigener Erfahrung nur unterstreichen, sind derzeit relativ miserabel, zumindest in den Massenstudiengängen wie Jura, BWL usw. 130 Student in einem Seminarraum mit max. 40 Plätzen, das war leider mehr die Regel als die Ausnahmen. Hier können Studiengebühren helfen, allerdings müssen diese an eine Reihe von strikten Bedingungen geknüpft sein: 1. Studiengebühren müssen komplett an der jeweiligen Hochschule verbleiben, kein Stopfen von öffentlichen Haushaltslöchern! 2. Wettbewerb unter den Hochschulen: Die HS müssen die Höhe ihrer Studiengebühren selbstständig bestimmen können. 3. Es MUSS ausreichend Finanzierungs- und Förderungsmodelle geben, so dass jeder, der studieren will, dies auch kann. Gruß, LoC
DJ Doena 12.04.2005
2.
@Don Loc Ihr 1.) wird dann von den Länderfinazministern (LFM) dann so unterlaufen werden, als dass sie nicht die Studiengebühren antasten, aber im gleichen Maße einfach die Bezuschussung zurückfahren. Und damit stopfen sie inoffiziell doch wieder ihre Haushaltslöcher, nur wird es den LFMs schwer nachzuweisen sein.
Don LoC, 12.04.2005
3. Ok...
Ein guter Punkt. Selbstverständlich darf auf keiner Ebene weiter an der Bildung herumgekürzt werden. Aber es liegt schon nahe, dass der ein oder andere es versuchen wird. Also müssen wir aufpassen wie die Luchse ;) Gruß, LoC
DanielaMund, 12.04.2005
4.
Würde den irgendwer für die derzeitigen Studienbedingungen zahlen? Schon heute ist in bestimmten Fächern der Besuch von privaten Repetitorien Usus, da die deutschen Universitäten nicht gut genug ausbilden. Da a) ich nicht dran glaube, dass die erzielten Gelder den Universitäten zugute kommen b) selbst wenn, amerikanische First-Class-Universitäten einen ca 10 mal höheren Etat haben, wird es sich eher lohnen, in den USA, der Schweiz, GB,... zu studieren, als hier zu zahlen. Und wenn man kein Geld hat, wer soll einem dann Kredit geben, selbst wenn man wirklich clever ist? Ich hätte mir kein Studium leisten können, und Stipendien sind Mangelware (im Gegensatz zu den USA).Damit auch sozial schwächere studieren können, bleiben also nur nachgelagerte Studiengebühren, und die Steuerprogression sollte doch eigentlich die Kosten für ein Studium decken. Und jetzt geh ich erst mal in ein anderes Forum, um mit der Software zu spielen, damit ich das ganze besser ordnen kann....
Reimer, 12.04.2005
5.
Studiengebühren sind meiner Meinung nach (als Student) ein Gewinn für die Studenten. Wenn ich einen Studiengebühr zahle, so darf ich auch eine Leistung verlangen. Leider entspricht meine Vorstellung vom Preis/Leistungsverhältnis nicht der Realität :)
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