Neues Forschungs-Ranking Nur wenige Unis erreichen Spitzenniveau

Auf ihre Forschungsleistungen waren deutsche Universitäten stets stolz. Doch international spielen nur wenige in der Champions League, und das Gefälle zwischen den Fakultäten ist krass - nur das Top-Trio Berlin, München und Freiburg brilliert bei einem aktuellen Ranking fast durchweg in allen Fächern.


Humboldt-Universität: Spitze in sieben Fächern

Humboldt-Universität: Spitze in sieben Fächern

Weltweit balgen sich die Universitäten um die klügsten Köpfe. Nur wer Spitzenniveau in der Forschung, erstklassige Ausstattung und ein attraktives Umfeld bietet, kann junge Talente halten und ausländische Forscher ködern. Deutsche Hochschulen haben dabei häufig das Nachsehen - und das liegt nicht allein an den Trägheitsmomenten der Uni-Bürokratie oder am langwierigen und risikoreichen Weg bis zur ersten Professur: Echte Forschungsuniversitäten sind in Deutschland ausgesprochen rar.

Das geht aus einem neuen Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung hervor. Das Gütersloher CHE, eine Einrichtung der Bertelsmann-Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz, untersucht bereits seit fünf Jahren die Studienbedingungen an deutschen Hochschulen und hat jetzt erstmals eine Forschungs-Rangliste vorgelegt. Das wichtigste Ergebnis: Nur eine Handvoll Universitäten kann den Anschluss an die internationale Spitzengruppe halten.

PDF-Download

Neben der Höhe der Drittmittel an den Fakultäten ermittelte das CHE die Zahl der Publikationen, der Promotionen und - in den Ingenieurwissenschaften - der Patentanmeldungen. Unter Professoren wurde außerdem die Reputation der Universitäten erfragt. Elf Fächer kamen auf den Prüfstand: Maschinenbau und Elektrotechnik, Betriebs- und Volkswirtschaftlehre, Anglistik, Germanistik, Geschichte und Erziehungswissenschaften sowie Jura, Soziologie und Psychologie. Allerdings bieten nicht alle Universitäten jedes dieser Fächer an.

Fast durchgängig leistungsstark zeigten sich nur drei Unis: Die Humboldt-Universität Berlin und die Ludwig-Maximilians-Universität München lagen in jeweils sieben von neun untersuchten Fächern vorne, die Universität Freiburg in sechs von acht Fächern. Nicht in die Spitzengruppe gelangte die Uni München mit den Fächern Soziologie und Psychologie; die Berliner Humboldt-Uni schwächelte in der Anglistik und Betriebswirtschaftlehre.

"Wirkliche Forschungsuniversitäten, wie wir sie aus anderen Ländern kennen, gibt es hier zu Lande kaum", sagt Detlef Müller-Böling. Kopfzerbrechen bereitet dem CHE-Leiter das Gefälle zwischen starken und schwachen Fachbereichen: "Gerade einmal 20 bis 30 Prozent der Fakuläten leisten die Hälfte der Forschung", so Müller-Böling im "Stern".

Als Beispiel nannte Müller-Böling die Volkswirtschaftslehre: Eine Spitzengruppe von 13 Prozent der Fakultäten ziehe glatt die Hälfte des gesamten Drittmittelaufkommens an Land. Umgekehrt trage eine Reihe von Hochschulen kaum zur Forschungsleistung des Faches bei: Sie hätten wenig Drittmittel, publizierten wenig und promovierten so gut wie keine Nachwuchswissenschaftler.

Im nächsten Jahr soll ein weiteres Forschungs-Ranking für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften folgen, kündigte das CHE an.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.