New-Age-Universität Wie Esoteriker und Polit-Prominenz die Welt retten wollen

Von Hans-Ulrich Felmberg

2. Teil: Fernheilung, "Weiße Magie", Rechtsradikalismus - wie die Esoterik-Szene versucht, ihre Einflussnetze enger zu spannen


Ein ähnliches Verwirrspiel mit dem Begriff Universität, dessen missbräuchliche Benutzung bußgeldbewehrt ist, wiederholt sich gerade in Nordrhein-Westfalen. Und abermals ragen die "wissenschaftlichen" Hintergründe weit in die Esoterik-Szene hinein. Was dort pseudowissenschaftlich als "Kinesiologie" oder "Radionik" bezeichnet und im "ganzheitlichen" Medizinmarkt in obskurer Form praktiziert wird, stützt sich unter anderem auf Theorien von Laszlo und dem Engländer Rupert Sheldrake. Während Sheldrake von "morphogenetischen Feldern" spricht, erklärt Laszlo das "PSI-Feld" oder "fünfte Feld" ähnlich, quasi als übermenschlichen energetischen Faktor. "Dabei wird einem mental begabten Menschen, einem Medium, die Fähigkeit unterstellt, irgendwie diese Felder anzapfen zu können. Daraus erkläre sich sein Wissen um Früheres und Zukünftiges. Das sind Grundlagen des modernen Okkultismus", lautet das Fazit der "Arbeitsgruppe Scientology" der Hamburger Innenbehörde zu diesen Methoden in einem Bericht vom April 2004.

Psi-Felder und ein gefährlicher Therapie-Guru

Vorstandsmitglieder des Club of Budapest treten als Referenten auf Tagungen zur "Fernheilung" auf und versprechen "Heilung durch das Psi-Feld". Die spiritistischen Neigungen von Vereinsmitgliedern finden auch in einer "Wisdom School" ihren Nährboden, in der Club-Vorstand Fiona Montagu of Beaulieu arbeitet. Dort wird "Weiße Magie" praktiziert. Die Schule bezieht sich auf die Theosophin Alice Ann Bailey (1880 bis 1949). Sie gründete die Organisation "Lucis Trust" (ehemals "Lucifers Trust" - "Teufelsbund"), machte sich die Idee eines göttlichen Plans für die Menschheit zu Eigen und rechnete mit einer "Hierarchie geheimer Meister". Durch eine telepathische Verbindung habe sie die Botschaften des "Tibeters", des "Meisters Djwhal Khul" für ein neues Zeitalter empfangen.

Homepage der Planet Life University: "Keine Universität im herkömmlichen Wortsinne"

Homepage der Planet Life University: "Keine Universität im herkömmlichen Wortsinne"

Uni-Chef Laszlo propagiert seine "system-philosophischen" Ansätze als Allheilmittel für die Rettung der Welt. Auch die Familie sieht Laszlo als System und redet Bert Hellinger das Wort, dem derzeit wohl einflussreichsten und heftig umstrittenen deutschen Psycho-Guru. So war Laszlo 2003 Hauptreferent auf dem Internationalen Hellinger-Kongress. Bei Hellingers "systemischer Familienaufstellung" sollen in einem kurzen Rollenspiel familiäre Probleme und Streitigkeiten aufgelöst werden - eine Gratwanderung, die nach Einschätzung vieler Fachleute für psychisch-labile Menschen sehr gefährlich sein kann. Kritiker nennen das Hellinger-Verfahren reinen Humbug und werfen ihm zudem Verharmlosung des Nationalsozialismus vor - in seinen Werken kokettiert er heftig mit Hitler und ist jetzt in dessen "kleine Reichskanzlei" bei Berchtesgaden eingezogen.

Berührungsängste sind dem Club of Budapest offenbar fremd, im elitär-esoterischen Sammelbecken finden alle Platz. Ein weiteres Beispiel: Club-Generalsekretär Peter Spiegel veröffentlichte in seinem "Horizonte Verlag" Anfang der neunziger Jahre Werke der rechtsextremen Sigrid Hunke, bis zu ihrem Tod eine Schlüsselfigur der Neuen Rechten.

Mathematische Gleichung zur Weltenrettung

Die fragwürdigen Aktivitäten vieler Clubmitglieder scheinen die ehemaligen Spitzenpolitiker Genscher und Süssmuth nicht zu kümmern. Sie schmücken die Vermarktung des Vereins, der mit diversen Stiftungen und weiteren gemeinnützigen Vereinen verzahnt ist. Slogans zur Völkerverständigung, Kulturaustausch sowie zur Friedens- und Umweltpolitik garnieren die Spendenaufrufe. Gekrönt werden die Club-Umtriebe nun vom "Global Marshall Plan". Die hehren Ziele: Überwindung der Armut, Schaffung von dauerhaftem Frieden, nachhaltige Umweltpolitik - man will eine "öko-soziale Marktwirtschaft" und überhaupt so viel Gutes tun.

Der Ulmer Professor Franz-Josef Radermacher hat die Patentlösung schon parat. Mit Milliardenaufwand will er das Weltwirtschaftssystem radikal umstellen; globaler Freihandel sei "neo-liberal" und führe nur zur Ausbeutung von Mensch und Natur. Dagegen hat der Volkswirtschaftler und Mathematiker sogar eine Zukunftsformel, eine mathematische Gleichung, entwickelt. Bis irgendwann eine "Weltregierung" im Neuen Zeitalter das Sagen hat, plädiert Radermacher auch für die militärische Aufrüstung der EU als Gegenpol zum "ökodiktatorischen" Gebaren der USA. Und während andere Befürworter des Marshallplans die Amerikaner gar "Geofaschisten" nennen, wird die Initiative an Schulen diskutiert und am Freitag mit großem Getöse in Düsseldorf vorgestellt. Ist das der Stoff für die Lehrinhalte der "Planeten-Universität"?

Auf die Bitte um eine Stellungnahme haben Genscher und Süssmuth bisher nicht reagiert. Wissen die ehemaligen Spitzenpolitiker sowie all die übrigen Unterstützer und Ehrenmitglieder wirklich, in welchem weltanschaulichen Dunstkreis sie sich bewegen?



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