Nicaragua Vermisste Studentenführerin wieder aufgetaucht

Zwei Tage lang war die nicaraguanische Studentin Zayda Hernández verschwunden - nun ist die prominente Widersacherin von Präsident Daniel Ortega wieder da. Doch sie trägt Spuren davon.

Zayda Hernández
ZUMA Press/ imago images

Zayda Hernández


Mehr als 48 Stunden war sie verschwunden, nun ist Zayda Hernández wieder aufgetaucht. Ein Video des nicaraguanischen Senders "End TV" zeigt die 26-jährige Studentenführerin, wie sie weinend Freunde und Familie in die Arme schließt. Hernández sei mit gefesselten Handgelenken am Osteingang der Kathedrale in der Hauptstadt Managua gefunden worden, hatten lokale Medien zuvor berichtet. Fotos zeigen Verletzungen an ihren Handgelenken.

Die Umstände ihres Verschwindens sind noch immer unklar, Hernández selbst äußerte sich nicht dazu. Die Aktivistin war laut Medienberichten zuletzt in der Nähe der Kathedrale gesehen worden, an der sie nun wieder auftauchte - dort hatte es einen Protest gegeben.

Hernández selbst hatte noch ein Video über den Kurznachrichtendienst Twitter gesendet, das Einsatzfahrzeuge der Polizei zeigt. "Eine einfache Demonstration ist Grund genug für einen Polizeieinsatz", schrieb Hernández dazu. "Sie befinden sich an jedem Eingang und befragen alle, die eintreten möchten." Seitdem postete sie keine weiteren Nachrichten.

Das Oppositionsbündnis Alianza Cívica, dem auch Hernández angehört, hatte am Sonntag Aufklärung über das Schicksal der Aktivistin verlangt. Auch der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Luis Almagro, und die US-Botschaft in Nicaragua übten auf Twitter Druck auf die Regierung unter Präsident Daniel Ortega aus.

Im April vergangenen Jahres waren zunächst vor allem Studenten auf die Straße gegangen, um gegen eine geplante Sozialreform zu protestieren. Zwar kassierte die Regierung den Gesetzesvorschlag schnell wieder, doch die Demonstrationen weiteten sich immer weiter aus. Die Opposition fordert Neuwahlen, ein Ende der Repression und eine freie Presse. Nach Angaben der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) kamen bei den Protesten mindestens 325 Menschen ums Leben. Die Regierung beziffert die Zahl der Todesopfer auf 199, Oppositionsgruppen auf über 550.

lmd/dpa



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