Nord-Irak Warum junge Kurden von Deutschland träumen

Von Robert Chatterjee

2. Teil: Schwierige Mission: Arbeiten in Kurdistan, denken an den ganzen Irak


Es ist nur ein Beispiel für das immense Konfliktpotenzial deutscher Bildungskooperation und das grundlegende Dilemma der DAAD-Delegation. Denn der Grundstein des neu gestarteten deutschen Engagements wurde beim Besuch des vorigen Außenministers Frank-Walter Steinmeier im Februar 2009 gelegt - und zwar in Bagdad gemeinsam mit dem irakischen Hochschulministerium. Der DAAD muss im Laufe der Gesprächsrunden immer wieder betonen, dass alle Aktivitäten prinzipiell auf den gesamten Irak zielen.

Es ist ein schmaler Grat, der dem gelernten Juristen Gerold einiges an diplomatischem Geschick abfordert. "Wir versuchen, unseren arabischen Partnern ständig zu vermitteln, dass wir aus Sicherheitsgründen in Erbil und nicht in Bagdad tagen. Auf der anderen Seite können wir hier im kurdischen Autonomiegebiet einfach sehr viel schneller und direkter mit unserer Arbeit ansetzen."

Die Regionalregierung bemüht sich sichtlich, den DAAD vom Standort Kurdistan zu überzeugen. Der kurdische Hochschulminister Idris Salih etwa stößt fast jeden Tag zur Delegation, verspricht kurze Behördenwege und preist das Potential der rasch expandierenden Universitätslandschaft im Autonomiegebiet. Der Bauboom in Kurdistan lässt Hochschulen in Gegenden aus dem Boden sprießen, die etwa im Vergleich zu Bagdad keine lange Bildungstradition aufweisen. So zum Beispiel in Duhok.

Das Fernziel heißt deutsch-irakische Universität

Der dortige Universitätsdirektor führt die DAAD-Delegation emsig durch die entstehenden Institute, Sport- und Konferenzhallen, die inmitten einer steinigen Geröllwüste stehen, nur dreißig Kilometer entfernt von der türkischen Grenze. Das Tempo der Aufbauarbeit hier am nördlichen Rand des Iraks beeindruckt auch Gerold. "Wichtiger aber wird es sein, die Gebäude mit Inhalten und Qualität zu füllen - und das wird sehr viel länger dauern."

Der Schlüssel dafür soll in den Kooperationen mit deutschen Hochschulen liegen. Die Abgesandten der TU Berlin, TU Dortmund, Uni Erlangen und der Bergakademie Freiberg werden dementsprechend eifrig umgarnt, schließlich haben sie vom DAAD den Zuschlag für gemeinsame Master- und PhD-Programme erhalten. Wen sie letztendlich als Partner wählen, ist noch nicht endgültig entschieden. Auch hier werden die Spannungen zwischen kurdischen und arabischen Universitäten deutlich spürbar, denn niemand will zu kurz kommen. Besonders die Vertreter der kleineren arabischen Universitäten aus Basra oder Baquba sehen ihre Chance gekommen, etwas für ihre bisher kaum bekannten Hochschulen herauszuschlagen, während die Bagdader Universitäten ihre angemessene Berücksichtigung stets mit dem Hinweis auf ihren Hauptstadtstatus einfordern.

Zurück zu den Wurzeln der deutsch-irakischen Zusammenarbeit

Die Standortfrage des langfristigen Ziels, einer deutsch-irakischen Hochschule, birgt nicht weniger Konfliktpotenzial. "Diese Einrichtung sollte nicht als ein Gebäude verstanden werden, das wir schlüsselfertig übergeben, sondern aus der Kooperation deutscher und irakischer Universitäten erwachsen", versucht Gerold zu entschärfen. Ein Grundstein dafür soll auch das neuaufgelegte Stipendienprogramm des DAAD bilden, von dem ab 2010 jährlich bis zu hundert Iraker profitieren sollen.

Die Verantwortlichen vor Ort freilich denken schon in größeren Dimensionen. So erklärte der neue kurdische Premierminister Barham Salih Gerold seine Vision, an die deutsche Bildungskooperation der sechziger und siebziger Jahre anzuknüpfen: "Damals haben wir zehntausende Studenten in die DDR und die BRD geschickt, die den Irak aufgebaut haben, bevor unser Land dann in Krieg und Gewalt versank. Genau so ein Programm wollen wir in den nächsten Jahren wieder starten."

Es ist ein langfristiges Ziel und zurzeit vielleicht eher politische Absichtsbekundung, denn ein konkreter Plan. Zumindest für die Jugendlichen von Duhok kann der DAAD etwas Handfestes erreichen. Ihnen werden spezielle Deutschkurse zugute kommen, die sie zur Rückkehr nach Deutschland zwingend benötigen. So rückt Dilans Traum vom Maschinenbaustudium in Bochum ein Stück näher.

Von Robert Chatterjee, "Zenith - Zeitschrift für den Orient"



insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
nowayjose, 16.01.2010
1. Wirds nicht etwas eintönig?
Zitat von sysopEs ist eine schwierige Mission für die Aufbauhelfer, die in Nord-Irak Deutsch als Fremdsprache fördern. Die Bildungszusammenarbeit blüht im kurdischen Autonomiegebiet auf, doch stets schwingen Spannungen zwischen Kurden und Arabern mit. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,671877,00.html
Wir sollten unsere Bildungs- und Zusammenarbeitsinitiativen mal auf andere Erdteile verschieben; es kommt mir doch vor, als würde ein überproportionales Gewicht auf den Nahen Osten gelegt, was mir nicht begreiflich ist. Ich meine, mal im Ernst, brauchen wir noch mehr islamische Migranten und Studenten hier? Vielleicht sollte man mal verstärkt zu uns kompatiblere Kulturräume anvisieren als die islamische Welt, z.B. Lateinamerika, China, oder auch den Mars.
eulenspiegel 47 16.01.2010
2. "Hier gibt es nichts für uns zu tun.,"
"Hier gibt es nichts für uns zu tun. Ich habe Angst, dass ich mein Deutsch verlerne, denn dafür wird hier nichts getan", Ach nee! In Deutschland aber auch nicht. Sollte sich die irakische Jugebd nicht begeistert um den Aufbau ihres Heimatlandes kümmern? Wie man sieht, weit gefehlt.
eulenspiegel 47 16.01.2010
3. "Hier gibt es nichts für uns zu tun.,"
"Hier gibt es nichts für uns zu tun. Ich habe Angst, dass ich mein Deutsch verlerne, denn dafür wird hier nichts getan", Ach nee! In Deutschland aber auch nicht. Sollte sich die irakische Jugebd nicht begeistert um den Aufbau ihres Heimatlandes kümmern? Wie man sieht, weit gefehlt.
eulenspiegel 47 16.01.2010
4. "Hier gibt es nichts für uns zu tun.,"
"Hier gibt es nichts für uns zu tun. Ich habe Angst, dass ich mein Deutsch verlerne, denn dafür wird hier nichts getan", Ach nee! In Deutschland aber auch nicht. Sollte sich die irakische Jugebd nicht begeistert um den Aufbau ihres Heimatlandes kümmern? Wie man sieht, weit gefehlt.
Meckerliese 16.01.2010
5. so isses
Die müssen deutsche lernen damit sie schnellstens zu uns kommen können um die Segnungen des deutschen Staates zu geniessen. Am Aufbau ihres Landes haben die doch gar kein Interesse.
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