Nord-Irak Warum junge Kurden von Deutschland träumen

Es ist eine schwierige Mission für die Aufbauhelfer, die im Nord-Irak Deutsch als Fremdsprache fördern. Die Bildungszusammenarbeit blüht im kurdischen Autonomiegebiet auf, doch stets schwingen Spannungen zwischen Kurden und Arabern mit.

Von Robert Chatterjee


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Irak: Schwieriger Bildungs-Aufbau
Dicht drängen sich die etwa 120 Jugendlichen auf dem Schulhof, berichten in fließendem Deutsch über ihre Heimatstädte: Münster, Frankfurt, Bochum, Berlin. Aufgewachsen in Deutschland, besuchen die 10 bis 17-Jährigen nun die Nohat-Schule in Duhok - im Nordirak. Ihre Eltern sind Teil der Welle von Remigranten, die seit 2004 in den kurdischen Teil des Irak zurückgekehrt sind, um beim Wiederaufbau ihrer Heimat zu helfen.

Wirklich heimisch fühlen sich die meisten Teenager auf dem Schulhof aber kaum. Was sie hier machen? "Warten", antworten sie lakonisch und zeigen stolz ihre deutschen Pässe vor. "Hier gibt es nichts für uns zu tun. Ich habe Angst, dass ich mein Deutsch verlerne, denn dafür wird hier nichts getan", beklagt der 17-jährige Dilan, der nun schon seit vier Jahren wieder in Duhok lebt. "Deshalb will ich nach dem Schulabschluss so schnell wie möglich zurück nach Deutschland zum Studieren."

Das Treffen mit den Schülern an der Nohat-Schule macht die Aufgabe der deutschen Bildungsdelegation erstmals menschlich greifbar, und die Vertreter des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), des Goethe-Instituts und des Sprachentestzentrums "Testdaf" bleiben nicht unberührt. Deutsch als Fremdsprache zu fördern sowie Kooperationen zwischen deutschen und irakischen Universitäten anstoßen, sind die Ziele ihrer einwöchigen Mission in den Nordirak. Fernziel beider Programmpunkte ist die Vision einer deutsch-irakischen Hochschule. Bereits im Schulbetrieb sollen dafür die Grundlagen geschaffen werden.

"Wir brauchen Deutsch für Ingenieure"

Immerhin steht Deutsch seit drei Jahren an vier Projektschulen im kurdischen Autonomiegebiet auf dem Lehrplan, neben Arabisch und Englisch. Dank der Förderung des Goethe-Instituts innerhalb des Partnerschulen-Programms sind die Modellklassen, wie etwa an der Gara-Schule in Erbil, hervorragend ausgestattet. Die jungen kurdischen Lehrer wirken ebenso motiviert wie ihre aufgeweckten Schüler.

Dennoch hat die deutsche Sprache hier einen schweren Stand. Sprachlich und pädagogisch qualifizierte Lehrkräfte sind noch immer Mangelware und überhaupt stellt sich die Frage: Was nützt den Schülern die deutsche Sprache? "Der Markt für Dolmetscher ist begrenzt, und der Abschluss von Deutschkursen an den Schulen wird nicht als Sprachnachweis, etwa von deutschen Universitäten, anerkannt", bemerkt Judith Mirschberger, die Leiterin des Goethe-"Dialogpunkts" in Erbil. Ihr kleines Büro hat sie erst vor ein paar Monaten bezogen, ab 2010 sollen hier regelmäßig zertifizierte Deutschkurse und Sprachtests angeboten werden. Zusätzlich noch Deutschlehrer ausbilden - das kann das Institut alleine nicht leisten, sondern höchstens unterstützen.

Diese Aufgabe soll in Zukunft den Universitäten des Landes zufallen. Lars Gerold, Leiter der DAAD-Mission, fasst die zukünftige Bedeutung der Deutsch-Ausbildung noch weiter: "Qualifizierte Lehrer sind ohne Zweifel wichtig. Aber Deutsch soll langfristig auch als zweite Wissenschaftssprache etabliert werden." Man fängt hier fast bei Null an, schließlich hat im gesamten Irak lediglich die Universität Bagdad Deutschkurse im Programm. Deren germanistische Abteilung erweist sich jedoch als schwieriger Partner.

Wichtig ist Fachsprache, nicht Walther von der Vogelweide

"Mit Walther von der Vogelweide kommt man heutzutage nicht weit. Wir brauchen Deutsch für Ingenieure, Ärzte und Informatiker", fordert Hans-Joachim Althaus von Sprachentestzentrum "Testdaf". Im Gepäck hat der stämmige Schwabe die Lernsoftware "Deutsch Uni Online" (DUO), das auf eben jene Anforderungen solcher unterschiedlichen Disziplinen ausgerichtet ist. Bei der Präsentation des Programms staunen die Anwesenden Uni-Vertreter nicht schlecht, als Althaus vorführt, wie etwa ein deutsch lernender Medizinstudent im virtuellen OP-Saal nützliche Vokabeln wie "Fasszange", "Nadelhalter" und "Wundhaken" vermittelt bekommt.

Die Web-basierte Lernsoftware ermöglicht es den Studenten, ihr Lernpensum selbst zu bestimmen, und wird von Tutoren aus Deutschland virtuell begleitet. So soll der Student in Bagdad oder Basra die Chance bekommen, Deutsch zu lernen, auch wenn vor Ort keine Lehrinstitution vorhanden ist. Allerdings, so wenden einige der hiesigen Uni-Vertreter ein: Wie soll man Online lernen, wenn es kein Internet gibt? Die unzureichende Netzstruktur in weiten Teilen des Irak ist wohl eines der größten Hindernisse bei der Umsetzung solch ambitionierter Pläne. Weitaus bessere Voraussetzungen bietet in dieser Hinsicht das kurdische Autonomiegebiet. Kein Wunder also, dass die Vertreter aus Erbil, Duhok und Sulaimaniya DUO am liebsten an Ort und Stelle installieren würden.



insgesamt 21 Beiträge
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nowayjose, 16.01.2010
1. Wirds nicht etwas eintönig?
Zitat von sysopEs ist eine schwierige Mission für die Aufbauhelfer, die in Nord-Irak Deutsch als Fremdsprache fördern. Die Bildungszusammenarbeit blüht im kurdischen Autonomiegebiet auf, doch stets schwingen Spannungen zwischen Kurden und Arabern mit. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,671877,00.html
Wir sollten unsere Bildungs- und Zusammenarbeitsinitiativen mal auf andere Erdteile verschieben; es kommt mir doch vor, als würde ein überproportionales Gewicht auf den Nahen Osten gelegt, was mir nicht begreiflich ist. Ich meine, mal im Ernst, brauchen wir noch mehr islamische Migranten und Studenten hier? Vielleicht sollte man mal verstärkt zu uns kompatiblere Kulturräume anvisieren als die islamische Welt, z.B. Lateinamerika, China, oder auch den Mars.
eulenspiegel 47 16.01.2010
2. "Hier gibt es nichts für uns zu tun.,"
"Hier gibt es nichts für uns zu tun. Ich habe Angst, dass ich mein Deutsch verlerne, denn dafür wird hier nichts getan", Ach nee! In Deutschland aber auch nicht. Sollte sich die irakische Jugebd nicht begeistert um den Aufbau ihres Heimatlandes kümmern? Wie man sieht, weit gefehlt.
eulenspiegel 47 16.01.2010
3. "Hier gibt es nichts für uns zu tun.,"
"Hier gibt es nichts für uns zu tun. Ich habe Angst, dass ich mein Deutsch verlerne, denn dafür wird hier nichts getan", Ach nee! In Deutschland aber auch nicht. Sollte sich die irakische Jugebd nicht begeistert um den Aufbau ihres Heimatlandes kümmern? Wie man sieht, weit gefehlt.
eulenspiegel 47 16.01.2010
4. "Hier gibt es nichts für uns zu tun.,"
"Hier gibt es nichts für uns zu tun. Ich habe Angst, dass ich mein Deutsch verlerne, denn dafür wird hier nichts getan", Ach nee! In Deutschland aber auch nicht. Sollte sich die irakische Jugebd nicht begeistert um den Aufbau ihres Heimatlandes kümmern? Wie man sieht, weit gefehlt.
Meckerliese 16.01.2010
5. so isses
Die müssen deutsche lernen damit sie schnellstens zu uns kommen können um die Segnungen des deutschen Staates zu geniessen. Am Aufbau ihres Landes haben die doch gar kein Interesse.
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