Umstrittener Ehrendoktor Empörung über Auszeichnung für Kim Jong Un

Ein Diktator als Ehrendoktor? Eine private Hochschule in Malaysia hat dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un die Ehrendoktorwürde in Wirtschaftswissenschaften verliehen. Kim arbeite "unermüdlich für die Bildung seines Landes".

Machthaber Kim Jong Un, Ehrendoktor der Wirtschaftswissenschaften
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Machthaber Kim Jong Un, Ehrendoktor der Wirtschaftswissenschaften


Kim Jong Un, nordkoreanischer Herrscher, hat schon eine Reihe ehrenvoller Beinamen und wohlklingender Titel. Er ist der "Oberste Führer" Nordkoreas, und nun hat er auch noch einen Doktortitel ehrenhalber bekommen.

Die private Help-Universität in malaysischen Kuala Lumpur hat Kim kürzlich die Ehrendoktorwürde in Wirtschaftswissenschaften verliehen. Jetzt steht die Leitung der Hochschule wegen der Ehrung für den Diktator in der Kritik.

Wie die Hochschule mitteilte, sei die Ehrendoktorwürde bereits Anfang Oktober in einer "einfachen Zeremonie" in der nordkoreanischen Botschaft in der malaysischen Hauptstadt überreicht worden. Der Botschafter Nordkoreas habe die Ehrung stellvertretend für Kim entgegengenommen.

Nordkoreas staatliche Nachrichtenagentur hatte kurz nach der Verleihung über den Vorgang berichtet, dieser hatte jedoch zunächst kaum Aufmerksamkeit in Malaysia erfahren. Erst nachdem das US-amerikanische Blog "Foreign Policy" über die Ehrung schrieb, geriet die Hochschule in die Kritik.

Uni wollte "eine Brücke zu den Menschen bauen"

Uni-Präsident Paul Chan rechtfertigte die Entscheidung in einer Erklärung: Man habe mit dem Schritt "eine Brücke zu den Menschen bauen" wollen, indem man sich Nordkorea "sanft und konstruktiv" annähere. Nordkorea "auf die Weise zu helfen, wie wir dies tun, ist ein bislang nicht beschrittener Weg. Wir hoffen, dass unser erster kleiner Schritt ein Beitrag zur Schaffung von Frieden und Wohlstand für alle ist". Kim habe die Ehrendoktorwürde angenommen, betonte Chan. Die nordkoreanische Nachrichtenagentur zitierte Chan mit den Worten, Kim "unternehme unermüdliche Bemühungen für die Bildung seines Landes und das Wohlergehen seines Volkes".

Die Bevölkerung in Nordkorea leidet seit Jahren unter Nahrungsmittelknappheit und immer wieder unter Stromausfällen. Jüngste Zeichen einer Wirtschaftsreform ändern kaum etwas an der totalitären Kontrolle des Staates durch das Kim-Jong-Un-Regime in Pjöngjang. Die wirtschaftliche Entwicklung ist zwar eine der obersten Prioritäten der nordkoreanischen Führung, sei aber gleichrangig mit dem Atomwaffenprogramm. Der Konflikt um dieses hat zu harten Sanktionen gegen Nordkorea und seiner internationalen Isolation geführt.

Viele Malaysier zeigten sich empört über die Würdigung Kims und machten ihrem Ärger auf der Facebook-Seite der Universität Luft. Ein Absolvent der Hochschule schrieb, er schäme sich, "an dieser Einrichtung seinen Abschluss gemacht zu haben". Mehrere Kommentatoren fragten, was die Abschlüsse einer Universität wert seien, die die Ehrendoktorwürde in Wirtschaft an den Führer eines der ärmsten Länder der Welt verleiht.

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Satire-Aktion: Students looking at Kim

fto/AP



insgesamt 55 Beiträge
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robert.haube 25.10.2013
1. Malaysia - und andere
Was im Westen Viele noch nicht mitbekommen haben: Im asiatischen Raum verstärkt sich die Zusammenarbeit mit Nordkorea. Kürzlich war der indonesische Außenminister in Pyongyang, eine indonesische Wirtschafts-Delegation wird folgen. Und am Sonntag fliegt der Ministerpräsident der Mongolei nach Nordkorea, um weitreichende Dokumente u.a. im wirtschaftlichen Bereich zu unterzeichnen.
rainer_daeschler 25.10.2013
2. Ehrendoktorwürde an Politiker
Begründungen für die Verleihung der Ehrendoktorwürde an Politiker sind in der Regel hanebüchen. Da kommt es auf einen mehr davon gar nicht an. Zu überdenken ist es nur, wenn es eine renommierte Universität durchführen würde. So hat die HELP University (http://www.help.edu.my) sicher mehr von der Aufmerksamkeit profitiert, als der Geehrte. Der wiederum kann sich einen "richtigen Doktor" jederzeit bei Kim-Il-sung Universität in Pjöngjang bestellen, wird es aber sicher vorziehen als "Marschall" tituliert zu werden.
rainer_daeschler 25.10.2013
3. Nabel der Welt
Zitat von robert.haubeWas im Westen Viele noch nicht mitbekommen haben: Im asiatischen Raum verstärkt sich die Zusammenarbeit mit Nordkorea. Kürzlich war der indonesische Außenminister in Pyongyang, eine indonesische Wirtschafts-Delegation wird folgen. Und am Sonntag fliegt der Ministerpräsident der Mongolei nach Nordkorea, um weitreichende Dokumente u.a. im wirtschaftlichen Bereich zu unterzeichnen.
Der Indonesische Außenminister und die indonesische Wirtschafts-Delegation und jetzt auch noch der Ministerpräsident der Mongolei? In Pjöngjang ist wirklich was los. Wer sich langweilen will, geht nach New York, Tokyo, Berlin, Paris, oder Rio.
MrSpinalzo 25.10.2013
4. Diskutieren Sie über diesen Artikel
Zitat von rainer_daeschlerDer Indonesische Außenminister und die indonesische Wirtschafts-Delegation und jetzt auch noch der Ministerpräsident der Mongolei? In Pjöngjang ist wirklich was los. Wer sich langweilen will, geht nach New York, Tokyo, Berlin, Paris, oder Rio.
Wenn Sie die von Ihnen genannten Städte besuchen interessiert das kein Schwein. Wenn Sie aber, vorausgesetzt Sie haben den Mut sich in eine Maschine der Air Koryo zu setzen, in Sunan landen warten dort ein Fahrer, ein Begleiter und ein FahrerBegleiteraufpasser auf Sie. DAS können Sie nirgendwo sonst auf der Welt toppen.
krasmatthias 25.10.2013
5.
Zitat von sysopAPEin Diktator als Ehrendoktor? Eine private Hochschule in Malaysia hat dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un die Ehrendoktorwürde in Wirtschaftswissenschaften verliehen. Kim arbeite "unermüdlich für die Bildung seines Landes". http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/nordkoreas-diktator-ehrendoktor-fuer-kim-jong-un-a-930057.html
Der Westen rutscht gerade von seinem hohen Roß. Wer nicht ganz verblendet von den westlichen Medien ist und sich selbst ein Bild von Asien machen kann, wird eine ganz andere Welt als die medial verbreitete entdecken. Ich freue mich auf die neue Welt.
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