Nordrhein-Westfalen Gebühren halten Erstsemester ab

Mit der Einführung von Studiengebühren in diesem Wintersemester ist die Zahl der Studienanfänger in Nordrhein-Westfalen um mehr als fünf Prozent gesunken. Der Wegbleibe-Effekt dürfte sich noch verstärken: Bald müssen dort alle Studenten bezahlen, nicht nur die Erstsemester.


Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) legte in dieser Woche Zahlen vor: Im gesamten Bundesland Nordrhein-Westfalen schrieben sich rund 64.000 Erstsemester ein - 3500 weniger als im vergangenen Wintersemester. Der Rückgang hänge mit den Studiengebühren zusammen, räumte der Minister ein.

Für die Opposition ein Alarmzeichen: "Studiengebühren schrecken junge Menschen vor allem aus bildungsfernen Schichten ab", kritisierte die SPD-Landtagsfraktion. Die Ergebnisse seien umso prekärer, als die Zahl der Studienberechtigten in Nordrhein-Westfalen um mehr als 5000 höher liege als im vergangenen Jahr, monierten die Grünen.

Viele Studenten wurden offenbar auch durch Zulassungsbeschränkungen von ihrem Wunsch-Studienort ferngehalten: 43 Prozent aller Studiengänge in Nordrhein-Westfalen sind aktuell mit einem Numerus Clausus (NC) belegt, zehn Prozent mehr als im vergangenen Wintersemester. Die Hochschulen hätten die besonders attraktiven Studiengänge vermehrt mit einem örtlichen NC belegt, um sie nicht wie in den Vorjahren zu überbuchen, sagte Pinkwart.

Die Hälfte der Anfänger muss schon löhnen

Rund die Hälfte der Studienanfänger in Nordrhein-Westfalen muss schon bezahlen - laut dem dortigen Gebührengesetz ist es den Hochschulen selbst überlassen, ob und wann die Studiengebühren erheben möchte. Und jeder zehnte Neuzahler wiederum hat einen Darlehensantrag für einen Studienkredit bei der NRW.BANK gestellt.

Nordrhein-Westfalen ist gemeinsam mit Niedersachsen das erste Bundesland, das von seinen Studenten Gebühren im Erststudium erhebt. Folgen werden Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg und das Saarland. Das Bundesland Hessen bringt - trotz verfassungsrechtlicher Bedenken - derzeit gerade ein eigenes Gebührengesetz auf den Weg.

Von den 33 staatlichen Hochschulen in Nordrhein-Westfalen haben sich bislang 28 grundsätzlich für die Einführung von maximal 500 Euro hohen Semestergebühren ausgesprochen; 18 haben bereits zu diesem Wintersemester Gebührenbescheide verschickt. Zum Sommersemester sind dann Beiträge für alle Studierenden erlaubt.

Nur eine Hochschule gegen Gebühren

Bislang hat sich nur die Kunstakademie Düsseldorf gegen die Einführung der Gebühr entschieden. In Münster und Hagen sowie an der Fachhochschule Düsseldorf und der Hochschule für Medien in Köln stehen Beschlüsse noch aus.

Die Einführung der Campus-Maut in Nordrhein-Westfalen stößt auf einigen Widerstand in der Studentenschaft: In der vergangenen Woche hatten bereits die Studentenvertretungen in Nordrhein-Westfalen eine Sammelklage gegen die Einführung der Studiengebühren angekündigt.

"Ich sehe den angekündigten Klagen mit Gelassenheit entgegen", sagte Pinkwart. Das Studienbeitragsgesetz sei gerichtsfest und sozial ausgewogen. Jeder Studierende könne das Darlehen bei der NRW.BANK in Anspruch nehmen. Und dadurch,dass niemand am Ende seines Studiums mehr als 10.000 Euro an Schulden für Studienbeiträge oder Bafög-Leistungen zurückzahlen müsse, sei ein Studium für jeden finanzierbar.

Bis 2010 wird den Hochschulen in NRW nach Berechnungen Pinkwarts aus Bundes- und Landesmitteln über eine halbe Milliarde Euro mehr zufließen - allerdings abhängig von der Leistungsfähigkeit der einzelnen Einrichtung. Zusätzlich würden Studiengebühren sowohl die finanzielle Situation der Hochschulen als auch die Qualität der Lehre nachhaltig verbessern, so die regierende CDU.

jaf/dpa



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