Nordrhein-Westfalen Keine Studiengebühren für Langzeitstudenten

Im studentenstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen werden Langzeitstudenten keine Studiengebühren zahlen müssen. Das kündigte Bildungsministerin Gabriele Behler an. Baden-Württemberg dagegen will am umstrittenen Gebührenmodell festhalten.


Entwarnung: NRW will auf Gebühren für Langzeitstudenten verzichten
DPA

Entwarnung: NRW will auf Gebühren für Langzeitstudenten verzichten

Düsseldorf - Die nordrhein-westfälische Bildungsministerin Gabriele Behler (SPD) lehnt Gebühren für Langzeitstudenten entschieden ab. "Gebühren sind kein geeignetes Mittel, um die Studienzeiten zu verkürzen", sagte sie, "so wird nur der Druck von den Hochschulen einseitig auf die Studierenden verlagert." Niedersachsen will Langzeitstudenten ab 2003 zur Kasse bitten.

Um zu kürzeren Studienzeiten zu kommen, müssen nach Auffassung Behlers die Studiengänge reformiert werden. "Wenn wir die Fächer studierbarer machen, werden die Studenten auch schneller fertig", sagte Behler. Studenten, die zwölf Semester und mehr an der Hochschule verbrächten, seien gar nicht das Problem. In Nordrhein-Westfalen liege die durchschnittliche Fachstudiendauer unter elf Semestern.

In Niedersachsen sollen Studenten von 2003 an 500 Euro (978 Mark) zahlen, wenn sie die Regelstudienzeit von acht bis zehn Semestern um mehr als vier Semester überschreiten. Niedersachsens Wissenschaftsminister Thomas Oppermann (SPD) rechnet mit einem jährlichen Aufkommen von 10 bis 15 Millionen Mark. In Baden-Württemberg müssen Langzeitstudenten bereits Gebühren entrichten.

Oppermann in der SPD isoliert

Gebühren nach dem Muster Niedersachsens könnten die Folge haben, dass die Universitäten wegen möglicher Einnahmen sogar an Langzeitstudenten interessiert sein könnten, warnte Behler. "Ich will aber, dass die Hochschulen selbst für kürzere Studienzeiten sorgen", sagte sie. Mit seinem Vorstoß für Studiengebühren stehe ihr Parteifreund Oppermann im Kreis der SPD-Wissenschaftsminister allein.

Hat sich mit den SPD-Genossen angelegt: Thomas Oppermann
DPA

Hat sich mit den SPD-Genossen angelegt: Thomas Oppermann

Auch Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hatte Niedersachsens Vorstoß als "höchst unglücklich" gewertet und Oppermann eine "falsche Nachrichtung" vorgeworfen. Baden-Württemberg will indes an den Langzeit-Studiengebühren von 1000 Mark pro Semester festhalten: "Sie haben dazu geführt, dass die Zahl der Langzeit-Studierenden deutlich zurückgegangen ist", sagte Wissenschaftsminister Peter Frankenberg in einem Interview beim "Forum Bildung".

Einen Zusammenhang zwischen Langzeit-Gebühren und allgemeinen Studiengebühren sieht Frankenberg nicht. "Ich denke, dass wir die Option für Studiengebühren offen halten sollten", sagte er. "Die Einführung allgemeiner Studiengebühren hat bei uns allerdings keine Priorität, und es gibt zurzeit auch keine Überlegungen, diese einzuführen."



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.