Wegen unbesetzter Plätze NRW vergibt Studienplätze zentral

Das Bewerbungschaos soll ein Ende haben - zumindest in NRW. Dort müssen sich ab dem Wintersemester alle Hochschulen mit wichtigen Fächern wie Jura und Betriebswirtschaftslehre am zentralen Studienplatzvergabe-System beteiligen.
In NRW soll es nicht mehr so viele unbesetzte Studienplätze geben

In NRW soll es nicht mehr so viele unbesetzte Studienplätze geben

Foto: imago

Es artet regelmäßig in Chaos aus: Junge Leute bewerben sich an mehreren Hochschulen gleichzeitig, um einen der knappen Studienplätze zu ergattern. Am Ende haben sie mehrere Zusagen in der Post. Weil sie sich nur an einer Uni tatsächlich einschreiben können, müssen die anderen Unis aufwendige Nachrückverfahren organisieren - viele Studienplätze bleiben daher bis weit ins Semester hinein oder so ganz frei. Mehr als 14.000 Studienplätze waren allein in diesem Wintersemester unbesetzt geblieben.

Die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) will das Problem nun angehen: Ab dem kommenden Wintersemester sollen sich alle Hochschulen des Landes am sogenannten Dialogorientierten Serviceverfahren (DoSV) der "Stiftung für Hochschulzulassung" beteiligen - zumindest mit den großen Fächergruppen Betriebswirtschaftslehre, Jura, Psychologie und Wirtschaftsingenieurwesen. Wer in NRW ab dem Wintersemester BWL studieren will, muss sich also zentral über die www.hochschulstart.de bewerben - egal ob er zur Uni Köln oder an die Fachhochschule Münster möchte. Das soll das Ärgernis der vielen unbesetzten Plätze zumindest mindern.

Unter dem Namen "Stiftung für Hochschulzulassung" hatten die Bundesländer vor einigen Jahren die oft geschmähte "Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen" (ZVS) wiederbelebt. Die Stiftung sammelt seither Bewerbungen für zulassungsbeschränkte Studiengänge und verteilt sie so auf die beteiligten Hochschulen, dass möglichst alle Wünsche erfüllt werden und Studienplätze nicht massenhaft unbesetzt bleiben. Mehrfachbewerbungen sollen so überflüssig werden.

Das Problem ist nur: Bisher beteiligen sich die Unis und Fachhochschule eher zögerlich an dem Verfahren. Im vergangenen Wintersemester hatten sich lediglich 62 von gut 170 infrage kommenden Hochschulen mit ihren Studienangeboten in das Verfahren eingebracht. Solange nur wenige Unis mitmachen, bringt der zentrale Bewerbungsabgleich allerdings wenig. Eine jede Hochschule wartet daher, bis die anderen sich beteiligen. Diese Abwartehaltung will zumindest NRW den Hochschulen nun austreiben. Andere Länder setzen bisher auf eine freiwillige Beteiligung der Hochschulen.

Mehr als 8000 Plätze blieben in NRW frei

"Wir können nicht zulassen, dass in den begehrten NC-Fächern so viele Studienplätze frei bleiben", sagte NRW-Wissenschaftsministerin Schulze am Freitag. "Das ist eine Verschwendung von Kapazitäten - und für abgelehnte Bewerberinnen und Bewerber absolut nicht nachvollziehbar." Allein im einwohnerstärksten Bundesland waren im Wintersemester 8398 Studienplätze unbesetzt gewesen.

Die Bildungsminister der Länder haben sich der Frage angenommen, wie sich die Hochschulen zum Mitmachen animieren lassen. Bei ihrer Sitzung Mitte März beschlossen die Kultusminister einen neuen Staatsvertrag über die "Stiftung für Hochschulzulassung". Die Kosten für das Vergabeverfahren sollen künftig auf alle Hochschulen verteilt werden - unabhängig davon, ob sie mitmachen oder nicht. Das Kalkül: Wenn die Unis und FH ohnehin für den Service zahlen müssen, sind sie womöglich eher geneigt, ihn auch zu nutzen.

Bisher haben die Länder die Kosten für die Zentralstelle selbst getragen. In dem Entwurf, den die Kultusminister auf ihrer Konferenz beschlossen hatten und der SPIEGEL ONLINE vorliegt, heißt es: Die Stiftung solle künftig "von allen Hochschulen Beiträge" nehmen: "Die Höhe und Fälligkeit der Beiträge legt die Stiftung in einer Beitragsordnung fest." Der Staatsvertrag muss noch von den Ministerpräsidenten endgültig verabschiedet werden.

Die Unis sollen zahlen - und murren

Hoch dürften die Beiträge für die zentrale Studienplatzvergabe für die Hochschule jedoch nicht ausfallen. Auf 6,5 Millionen Euro belaufen sich die Kosten jährlich. Die HRK geht davon aus, dass jede Hochschule im Schnitt damit rund 40.000 Euro zahlen müsste.

Schon in diesem Jahr können die Hochschulen den zentralen Service der "Stiftung für Hochschulzulassung" erstmals nicht mehr kostenlos nutzen. 15 Prozent der Kosten müssen sie nun tragen.

Erwartungsgemäß sind die Hochschulvertreter damit nicht besonders glücklich. Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, hatte bereits vor der entscheidenden Sitzung der Kultusministerkonferenz Alarm geschlagen: Die Kosten dürften "nicht auf die Hochschulen abgewälzt werden", sagte er. "Die Länder stehen in der Verantwortung."

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