Hochschulseminare NRW will Anwesenheitspflicht wieder zulassen

Soll die Uni kontrollieren, ob Studenten an Seminaren teilnehmen oder nicht? In NRW gab es drei Jahre lang keine Präsenzpflicht - nun will die Wissenschaftsministerin das "starre Verbot von Anwesenheitspflichten" abschaffen.
Uni Köln

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Foto: Federico Gambarini/ picture alliance / dpa

Die Wissenschaftsministerin von Nordrhein-Westfalen, Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos), kündigte knapp drei Monate nach ihrem Amtsantritt an, das Hochschulgesetz ihres Landes zu erneuern. Sie wolle den Wissenschaftsstandort NRW weiterentwickeln - "nicht aber gegen die Hochschulen oder über die Hochschulen hinweg".

Pfeiffer-Poensgen will etwa "das starre Verbot von Anwesenheitspflichten im klassischen Seminar abschaffen", wie sie in einer Rede am Mittwoch betonte. Hochschulen könnten "auch ohne solche Bevormundungen verantwortlich mit ihrer Freiheit umgehen" und könnten vor Ort selbst am besten entscheiden, was förderlich für sie sei. Damit sollen Unis wieder verlangen können, dass Studenten ihre Anwesenheit nachweisen, etwa in Unterschriftenlisten.

Die rot-grüne Landesregierung hatte das Hochschulgesetz vor drei Jahren geändert, seitdem durften Dozenten nur noch bei Exkursionen, Sprachkursen oder praktischen Übungen darauf bestehen, dass die Studenten erscheinen. Damals lieferten sich Professoren bereits einen Kampf um die Anwesenheitspflicht, denn der Schritt zu mehr Freiheit gefiel nicht allen.

Asta kritisiert Pläne

Die Wissenschaftler sahen durch die Regelung vor allem ihre Arbeit entwertet. Einige wollten daher an der Anwesenheitspflicht festhalten. Das Vorhaben der Wissenschaftsministerin der schwarz-gelben Landesregierung dürfte ihnen nun also entgegenkommen.

Unter Studierendenvertretungen kommt der Vorstoß hingegen nicht gut an. Sie hätten stets für eine Abschaffung der Anwesenheitspflicht plädiert, teilte der Asta der Universität Duisburg-Essen mit. Der Vorsitzende Marcus Lamprecht forderte ein "freies und selbstbestimmtes Studium für alle Studierenden". Die verpflichtende Präsenz sei besonders für Studierende schwierig, die Kinder hätten, arbeiten müssten oder sich politisch und sozial engagierten.

Die Präsenzpflicht ist an deutschen Hochschulen unterschiedlich geregelt. Einige Bundesländer, wie etwa Schleswig-Holstein, haben sie größtenteils abgeschafft. Andere, wie Baden-Württemberg und Berlin, überlassen es den Hochschulen, ob sie die Anwesenheit kontrollieren.

In Thüringen gab es Anfang des Jahres an der Uni Erfurt Streitigkeiten über die Präsenzpflicht. Zwei Jahre lang lief der Unibetrieb dort ohne Anwesenheitspflicht. Dann entschied sich die Uni dafür, eine Präsenzpflicht für Exkursionen, Praktika, künstlerischen Einzel- und Gruppenunterricht sowie praktische Übungen einzuführen.

kha/sun