Studiengänge mit Numerus clausus Hier kommt ihr nicht rein

Fast jeder zweite Studiengang ist mit einem NC belegt. Die Unterschiede zwischen Fächern und Bundesländern sind groß - und machen die Bewerbungsverfahren ungerecht. Die Übersicht.
So schön leer hier: In Mecklenburg-Vorpommern (hier die Uni Greifswald) sind bundesweit die meisten Studiengänge zulassungsfrei

So schön leer hier: In Mecklenburg-Vorpommern (hier die Uni Greifswald) sind bundesweit die meisten Studiengänge zulassungsfrei

Foto: Stefan Sauer/ picture alliance / dpa

Für die vielen Gymnasiasten, die in diesen Tagen ihr Abiturzeugnis erhalten, ist es eine gute Nachricht: Bundesweit sind zum kommenden Wintersemester weniger Studiengänge zulassungsbeschränkt. Das zeigt eine Auswertung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), die am Dienstag vorgestellt wird und SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Demnach sind zum kommenden Wintersemester 42 Prozent aller Studiengänge mit einem Numerus clausus (NC) belegt. Vor zwei Jahren waren noch 45,5 Prozent der Studienangebote in Deutschland zulassungsbeschränkt.

Eine Zulassungsbeschränkung bedeutet: Die Hochschulen haben in diesen Fächern zu wenige Plätze, um alle Bewerber zuzulassen. Sie wählen daher unter den Kandidaten aus - in der Regel nach der Abiturnote, mitunter fließen aber auch andere Kriterien wie etwa ein Eignungstest oder einzelne Fachnoten in die Auswahlentscheidung der Hochschulen mit ein. Für die aktuelle Übersicht haben die CHE-Experten nun die Datenbank www.hochschulkompass.de  ausgewertet, in der Unis und Fachhochschulen ihre Studiengänge eintragen können. (Die vollständige Studie finden Sie hier .)

CHE-Geschäftsführer Frank Ziegele wertet den Rückgang der zulassungsbeschränkten Studiengänge als Hinweis darauf, dass das Ziel von Hochschulen und Politik aufgegangen ist, wonach die gestiegene Studierfreudigkeit von Abiturienten stärker berücksichtigt werden soll. In den vergangenen Jahren hat der Bund die Länder massiv mit Milliardensummen unterstützt, um neue Studienplätze zu schaffen.

In diesem Jahr dürfte allerdings die Zahl der Studienanfänger etwas sinken - oder zumindest nicht mehr ganz so hoch sein wie in den vergangenen Jahren. 2013 schrieben sich rund 507.000 junge Menschen an den Hochschulen ein, für dieses Jahr rechnen die Kultusminister mit 497.300 Studienanfängern. Auch diese Schwankung mag erklären, warum es nun etwas weniger zulassungsbeschränkte Studiengänge gibt. Für das kommende Jahr rechnen die Kultusminister jedoch wieder mit mehr jungen Menschen, die ein Studium aufnehmen wollen.

So stehen die Chancen auf einen Studienplatz:

  • Bewerber in Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Rheinland-Pfalz können relativ leicht einen Studienplatz ergattern. In diesen Ländern sind bis zu 80 Prozent aller Studiengänge zulassungsfrei. Abiturienten können sich also einfach so einschreiben - egal, wie gut oder schlecht ihr Abitur ausfällt.

  • In Berlin und Nordrhein-Westfalen ist der Zugang zum Studium leichter geworden.

  • In den Stadtstaaten Bremen und Hamburg riegeln sich Hochschulen eher ab. In Hamburg sind 69,2 Prozent aller Studienangebote zulassungsbeschränkt, in Bremen sind es 65,4 Prozent.

Es kommt auf das Studienfach an:

  • Besonders schwer haben es Bewerber in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Bundesweit sind 53,8 Prozent dieser Fächer zulassungsbeschränkt.

  • In den Sprach- und Kulturwissenschaften genügt es dagegen in den meisten Fällen, einfach nur das Abiturzeugnis vorzulegen. Nur 30,5 Prozent der Studiengänge in diesem Bereich haben einen NC.

Fachhochschule oder Universität, Bachelor oder Master?

  • An den FHs haben im Schnitt mehr Studiengänge eine Zulassungsbeschränkung (46,3 Prozent) als an den Universitäten (40,1 Prozent).

  • Einen NC haben deutlich mehr Bachelor-Studiengänge (47,7 Prozent) als Master-Angebote (36,0 Prozent) - was aber auch damit erklärt werden kann, dass Master-Studiengänge oft zum Beispiel einen Bachelor in einem ähnlichem Fach voraussetzen. Der Bewerberkreis ist somit schon eingeschränkt - einen NC braucht es da nicht mehr unbedingt.

Die CHE-Auswertung zeigt allerdings auch, dass die Situation im Einzelfall ganz anders ausfallen kann. In Hamburg beispielsweise haben 92 Prozent aller Bachelor-Studiengänge in den Sprach- und Kulturwissenschaften einen NC - obwohl diese Fächer bundesweit am seltensten zulassungsbeschränkt sind. Dafür gibt es in der Hansestadt nur in der Hälfte aller Studiengänge in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften eine Zulassungsbeschränkung - obwohl diese Fächer bundesweit wiederum besonders oft Hürden haben.

Wer ins Detail gehen will, kann sich auf www.hochschulkompass.de  über die Studienangebote der Hochschulen in Deutschland informieren.

Die großen Unterschiede seien für die Studienbewerber "nur schwer zu durchschauen", bemängelt auch CHE-Mann Ziegle. Es müsse mehr "Transparenz über die Studienangebote und deren Zulassungsbedingungen" geschaffen werden.

Zusammengefasst: 42 Prozent aller Studiengänge sind im kommenden Wintersemester zulassungsbeschränkt. Das sind etwas weniger als vor zwei Jahren, allerdings werden in diesem Jahr auch etwas weniger Studienbewerber erwartet. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern und Fächern sind groß. Besonders viele NC-Fächer gibt es in den Stadtstaaten Bremen und Hamburg. In Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Rheinland-Pfalz ist dagegen nur eine Minderzahl der Studiengänge mit einem NC belegt.

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Foto: Tim Brakemeier/ picture-alliance / dpa/dpaweb

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