NC-Quoten im Vergleich Hier gibt es Studienplätze auch ohne Super-Abi

Die Zahl der Studienfächer mit Numerus clausus ist leicht gesunken. Doch mancherorts haben es Studieninteressierte mit schlechten Abinoten noch immer schwer. Die Ergebnisse im Überblick.

Stadtratte/ iStockphoto/ Getty Images

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An deutschen Universitäten und Fachhochschulen sind weniger Studiengänge zulassungsbeschränkt. Nach einem leichten Rückgang im Vorjahr sank der Anteil nun abermals um rund einen halben Prozentpunkt - auf 40,7 Prozent. Wo der Numerus clausus (NC) im Zulassungsverfahren Anwendung findet, bleibt regional jedoch höchst unterschiedlich.

Die Zahlen stammen aus einer Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) , die dem SPIEGEL exklusiv vorliegt. Das CHE wertete für die Untersuchung die NC-Daten für rund 19.000 Studiengänge aus. Die Forscher können inzwischen einen Trend ausmachen: Mit dem diesjährigen Ergebnis ist die NC-Quote in Deutschland innerhalb von sechs Jahren um fünf Prozentpunkte gesunken.

Details zum NC-Check
Welche Daten wurden ausgewertet?
Für die aktuelle Analyse wurden Daten aus dem Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (zum WS 2019/20, Stand Mai 2019) ausgewertet. Dies entspricht dem Vorgehen in den vorherigen Jahren, seit der NC-Check 2014 erstmals erstellt wurde.
Wie aussagekräftig ist die Analyse?
Die Daten erlauben einen Vergleich mit der Situation in den vergangenen Jahren. Aufgeschlüsselt wird der Anteil der Studiengänge mit Numerus clausus an der Gesamtzahl der Studiengänge nach Bundesländern, Hochschultyp, Abschlussart und vier Fächergruppen dargestellt. Die Ergebnisse für einzelne Hochschulorte sind eine Auswahl, die sich an der Zahl der Studierenden vor Ort orientiert.
Wer hat die Studie erstellt?
Die Analyse wurde vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh erstellt. Autoren sind Anna Gehlke, Cort-Denis Hachmeister und Lars Hüning.

"Immer mehr Menschen in Deutschland wollen studieren. Dass die NC-Quote dennoch bundesweit jährlich sinkt, ist ein Zeichen dafür, dass Hochschulen und Politik ihre Hausaufgaben gemacht haben", sagt CHE-Geschäftsführer Frank Ziegele.

Was für die NC-Quote maßgeblich ist:

  • Uni oder FH: Zulassungsbeschränkungen gibt es nach wie vor häufiger an Fachhochschulen (44,5 Prozent). An Universitäten sind dagegen nur 38,4 Prozent der Fächer mit einem NC versehen.
  • Master oder Bachelor: Bachelorstudiengänge haben häufiger eine Zugangsbeschränkung (42,1 Prozent) als Masterstudiengänge (39,2 Prozent).
  • Studienfach: Wer Rechts-, Wirtschafts-, Gesellschafts- und Sozialwissenschaften studieren will, trifft öfter auf Zulassungsbeschränkungen. Bei 50,6 Prozent der Bachelor- und Master-Studiengänge dieser Richtung kommt ein NC zur Anwendung, in den Sprachwissenschaften sind es bundesweit nur 29,2 Prozent.

Überblick nach Bundesländern:

Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg sind bei Studenten beliebt, entsprechend groß ist der Andrang. Bei mehr als zwei von drei Studienfächern erfolgt hier die Platzvergabe per NC.

Gut sieht es dagegen in Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Thüringen für Studienplatzsucher aus. Hier ist durchschnittlich nicht einmal jeder vierte Studienplatz zulassungsbeschränkt.

Der Überblick nach Fächern:

Die besten Chancen auf Bachelor-Studiengänge ohne NC haben Menschen, die sich für Sprach- und Kulturwissenschaften interessieren. "Abgesehen von Berlin und mit Einschränkung auch in Bremen", so die Autoren, stelle sich die Situation in diesen Fächern entspannt dar. Nur 31,5 Prozent der entsprechenden Bachelor-Fächer sind mit einem NC versehen.

Eine hohe NC-Quote (52,5 Prozent) gibt es dagegen bundesweit in den Rechts-, Wirtschafts-, Gesellschafts- und Sozialwissenschaften. Wer in diesen Fächern eine Hochschule ohne Zulassungsbeschränkung sucht, wird am ehesten in Thüringen fündig. Dort liegt die NC-Quote bei nur 23,8 Prozent.

Der Überblick nach Städten:

Abgesehen von den größten deutschen Städten gibt es besonders in Hannover, Karlsruhe und Bremen viele Studiengänge mit Zulassungsbeschränkungen (alle über 60 Prozent). "Die besten Chancen auf einen Studienplatz in Hochschulstädten mit mehr als 30.000 Studierenden haben Studieninteressierte in Kassel", so die Autoren. Nur einer von fünf Studiengängen ist dort zulassungsbeschränkt.

NC-Quote (in Prozent) für ausgewählte Hochschulorte zum WS 2019/20

Stadt Studierende NC-Quote insgesamt Bachelor Master Uni FH
Ber­lin 187.934 62,3 57,7 65,5 71,3 47,2
Mün­chen 109.809 45,3 36,6 59,9 48,1 33,2
Ham­burg 107.912 52,9 45,8 58,8 70,2 34,4
Köln 102.020 60,7 61,1 60,1 85,4 30,7
Frank­furt a.M. 72.124 46,1 34,5 39,2 50,9 48,3
Stutt­gart 62.728 38,0 36,3 40,5 42,1 41,4
Müns­ter 60.089 42,4 49,7 37,4 43,2 44,8
Bochum 58.137 44,5 48,3 40,1 42,2 46,6
Aachen 57.573 29,4 44,7 15,2 21,4 40,0
Düssel­dorf 56.887 29,4 32,9 23,7 38,1 30,9
Dort­mund 54.221 23,7 33,7 13,6 16,9 35,4
Hanno­ver 49.380 64,6 45,2 85,5 79,7 43,9
Darm­stadt 46.147 26,2 40,5 14,0 15,8 43,5
Karls­ruhe 41.668 64,4 64,1 61,8 67,4 94,0
Gie­ßen 40.082 23,5 17,0 10,5 25,7 11,4
Bonn 39.836 33,5 39,8 24,8 12,9 7,7
Dres­den 39.172 38,4 46,4 35,7 40,4 42,9
Leip­zig 39.097 46,0 49,5 40,5 51,9 74,5
Mainz 38.953 31,1 30,8 30,4 26,1 55,3
Bie­le­feld 38.175 27,9 31,5 23,4 31,3 21,6
Göttin­gen 35.670 54,3 50,0 57,8 48,3 83,3
Hei­del­berg 35.126 28,6 33,5 26,7 34,1 1,9
Kiel 34.869 25,9 43,2 9,8 21,0 57,5
Bremen 34.813 61,7 66,7 55,0 53,8 66,7
Würz­burg 34.758 33,7 38,1 29,6 32,3 31,0
Frei­burg i. Br. 32.752 40,7 45,0 35,8 45,5 42,5
Regens­burg 32.212 36,6 42,6 30,0 26,6 53,6
Saar­brücken 31.370 56,3 37,1 56,5 51,9 79,7
Kas­sel 30.496 22,6 25,7 6,9 23,3 0,0

Quelle: Centrum für Hochschulentwicklung, Stand Mai 2019;
Zahl der Studierenden ermittelt aus den Daten des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2017

Was die Untersuchung auch zeigt: Deutschlands größte Städte stehen bei Studenten weiterhin hoch im Kurs. In Berlin studieren mittlerweile rund 187.000 Menschen, etwa 7000 mehr als noch im letzten Jahr. Auch in Hamburg und Frankfurt gab es deutliche Zuwächse. Die teils ohnehin schon schwierige Wohnsituation für Studenten in den Großstädten dürfte sich durch den anhaltenden Trend weiter verschärfen.



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
primirp 27.06.2019
1. nc
man darf nicht vergessen, dass viele NC bei 4.0 liegen! es ist einfach vom verfahren leichter, die Note abzusenken als den NC wieder abzuschaffen
so-long 27.06.2019
2. Sprach- und Kulturwissenschaften
sind interessante Fächer, jedoch sollte man vor Studienbeginn realistisch und ehrlich die späteren Berufsaussichten und den Bedarf checken, um nicht im Prekariat zu enden.
spiegeleix 27.06.2019
3. mal ehrlich
wer sein Abi mit 3,5 oder noch schlechter bestanden hat, sollte vom Studieren generell die Finger lassen und stattdessen einen Lehrberuf anstreben. Wir haben schon viel zu viele Studienabbrecher in Deutschland, die eigentlich schon mit ihrem Abi überfordert waren und den Steuerzahler nur unnötig Geld kosten!
Watchtower 27.06.2019
4. Ihre Analyse verbreitet den Anschein....
dass alle Universitäten den gleichen Qualitätsanspruch haben. Dem ist leider nicht so.
tobias.droescher 27.06.2019
5. @ spiegeleix
Ich kann Ihnen aus meinem Umfeld einige Fälle nennen, die mit schlechten Abi im Studium aufgeblüht und anschließend erfolgreich im Job sind. Auch ich hab mit dreier Abi meine wahren Interessen erst im Studium ausleben können. Genauso gibt es Abiturienten mit einser Schnitt, die das Studium völlig entlarvt, weil auswendig lernen nicht mehr alles ist.
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