OECD-Bericht Reformbaustelle Schule

Nach dem OECD-Bildungsbericht übertrumpfen sich die Politiker mit Reformvorschlägen - nicht alle lassen sich mit der Studie rechtfertigen. SPIEGEL ONLINE dokumentiert die Kritik der OECD und den Stand der Arbeiten auf der Reformbaustelle Schule.


Tabelle: Umsetzung von Schulreformen in den Bundesländern (Quelle: DIE ZEIT)

Tabelle: Umsetzung von Schulreformen in den Bundesländern (Quelle: DIE ZEIT)

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gibt jedes Jahr ihre Studie "Education at a glance" heraus. Sie vergleicht anhand einer Vielzahl von Indikatoren die Bildungssysteme der OECD-Staaten und einer Reihe weiterer Staaten. Die aktuelle deutsche Fassung des OECD-Bildungsvergleichs "Bildung auf einen Blick" ist rund 530 Seiten stark. Die offizielle Kurzfassung umfasst 13 Seiten. Daraus stammen die folgenden wörtlichen Auszüge. Die nebenstehende Tabelle zeigt den Stand der Schulreformen in den einzelnen Bundesländern.

  • "In Deutschland steht dem steigenden Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften ein deutlicher Rückgang der jungen Bevölkerung gegenüber. Allein um den jetzigen, im OECD-Vergleich niedrigen, Bestand an Absolventen im Tertiärbereich zu sichern, müsste die tertiäre akademische und berufliche Bildungsbeteiligung in den nächsten Jahren in weit stärkerem Maße wachsen als dies in den letzten Jahren der Fall gewesen ist ... Deutliche Steigerungen setzen aber auch eine flexiblere Regelung des Studienzugangs voraus.
  • Mittlerweile ist jeder zehnte Studierende in Deutschland ein Ausländer. Ihr Anteil stieg von 1998 bis 2002 um ein Fünftel von acht auf zehn Prozent...
  • Die Gestaltungsfreiräume der Schulen in wichtigen Bildungsbereichen sind deutlich stärker beschränkt als in den meisten OECD-Staaten, insbesondere in den Bereichen Personalmanagement, Planung und Strukturen, sowie Ressourcenverwaltung ...
  • Im Verhältnis zum BIP bleiben Investitionen in Bildungsinstitutionen in Deutschland hinter dem OECD-Mittel zurück. Das Gleiche gilt für den Anteil in Bildung investierter öffentlicher Ausgaben.
  • Unterdurchschnittliche Ausgaben pro Primar- und Sekundar-I- Schüler, verbunden mit deutlich überdurchschnittlichen Lehrergehältern werden in Deutschland durch ungünstige Schüler/Lehrer-Relationen und deutlich weniger Unterrichtszeit in den ersten Schuljahren sowie vergleichsweise geringere Ausgaben für Sachaufwendungen kompensiert.
  • Die jährliche vorgesehene Unterrichtszeit für einen sieben- bis achtjährigen Schüler liegt in Deutschland bei 626 Stunden, und damit jetzt um mehr als 160 Stunden unter dem OECD-Mittel von 788 Stunden. Diese Diskrepanz wird in späteren Schuljahren geringer, es bleibt aber auch bei Schülern im Alter von 15 Jahren noch eine Differenz von jährlich 66 Zeitstunden.
  • Vor diesem Hintergrund, aber auch im Hinblick auf die im PISA-Vergleich unterdurchschnittlichen Schülerleistungen und die besonders starke Koppelung von sozialem Hintergrund und Bildungsleistungen kann die zunehmende Förderung von Ganztagsschulen als wichtiger Schritt gewertet werden, bessere Lern- und Arbeitsbedingungen für Schüler zu sichern.
  • Im OECD Raum verzeichneten die öffentlichen und privaten Ausgaben für Bildungseinrichtungen im Zeitraum 1995 bis 2001 eine Nettosteigerung um 21 Prozent unterhalb des Tertiärsektor und um 30 Prozent im Tertiärsektor. In Deutschland lagen die Steigerungsraten mit sechs und sieben Prozent allerdings deutlich darunter.
  • Im Kindergarten ist der durch private Gebühren finanzierte Anteil der Ausgaben doppelt so hoch wie im OECD-Mittel, im Tertiärbereich machen Studiengebühren und andere private Aufwendung dagegen weniger als die Hälfte des entsprechenden Anteils im OECD-Mittel aus. Diese Relationen sind bildungsökonomisch nicht zu erklären...."



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