Bildungsbericht Deutsche Lehrer verdienen fast doppelt so viel wie im OECD-Schnitt

In Deutschland herrscht Lehrermangel - dabei verdienen Pädagogen hier schon beim Berufseinstieg deutlich mehr als in anderen Staaten. Nur in einem OECD-Land liegt das Gehalt höher.

Das Gehalt eines deutschen Lehrers ist zu Beginn vergleichsweise hoch, doch die spätere Steigerung fällt gering aus (Symbolbild)
Ulrike Schmitt-Hartmann/ Getty Images

Das Gehalt eines deutschen Lehrers ist zu Beginn vergleichsweise hoch, doch die spätere Steigerung fällt gering aus (Symbolbild)

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Rund 60.000 Euro im Jahr: So viel verdient ein Lehrer laut einer OECD-Bildungsstudie bei seinem Berufsbeginn in Deutschland durchschnittlich. Damit liegt das Einstiegsgehalt von Lehrkräften knapp doppelt so hoch wie im Mittel der 36 OECD-Mitgliedstaaten. Im Durchschnitt müssen sich Lehrer demnach mit 34.094 US-Dollar zufriedengeben, also etwa 31.000 Euro.

Einmal im Jahr wirft die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrer Studie "Bildung auf einen Blick" ein Schlaglicht auf den Zustand der Bildungslandschaften in den OECD-Staaten. Sie vergleicht dafür weltweite Daten zu Kitas, Schulbesuch und Studium.

Ein Schwerpunkt in diesem Jahr: die Bezahlung von Lehrkräften in der Sekundarstufe I. Die Werte, die in der Studie genannt sind, weichen dabei allerdings von den monatlichen Summen ab, die Lehrerinnen und Lehrer in den verschiedenen Ländern verdienen. Die Wissenschaftler rechnen nämlich nicht mit den tatsächlichen Gehältern, sondern mit der sogenannten Kaufkraft dieser Gehälter. Das heißt, sie haben berücksichtigt, dass deutsche Lehrkräfte mehr für Lebensmittel, andere Waren und Dienstleistungen ausgeben müssen als zum Beispiel bulgarische Lehrer. Das gilt auch für das Einstiegsgehalt der Lehrer in Deutschland.

Nur in Luxemburg verdienen Lehrerinnen und Lehrer demnach noch mehr als in Deutschland. Schon das Einstiegsgehalt liegt dort kaufkraftbereinigt bei knapp 80.000 US-Dollar. Ein Großteil der laufenden Ausgaben im deutschen Schulbetrieb entfallen denn auch aufs Personal: und zwar 82 Prozent der Gesamtkosten.

Trotzdem fordern Lehrerverbände seit Längerem eine Erhöhung der Lehrergehälter - unter anderem, um den Beruf attraktiver zu machen und dem Mangel an Lehrkräften entgegenzuwirken. Und tatsächlich haben die nun vorgelegten Daten eine Einschränkung: Zwar ist das Gehalt eines deutschen Lehrers zu Beginn seiner Karriere vergleichsweise hoch. Doch die spätere Steigerung fällt gering aus: Im Laufe eines deutschen Lehrerlebens steigt der Lohn nur um etwa ein Drittel, im OECD-Durchschnitt sind es dagegen fast 90 Prozent.

Auch die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht die Daten kritisch. "Innerhalb der Lehrerschaft gibt es große Gehaltsunterschiede. Entscheidend ist, ob jemand angestellt oder verbeamtet ist, an welcher Schulform und in welchem Bundesland er unterrichtet", sagte eine Sprecherin dem SPIEGEL. Ein Durchschnittswert sei deshalb wenig aussagekräftig.

Berechnet man die Ausgaben pro Schüler, belegt Deutschland mit Rang vier ebenfalls einen hohen Platz im OECD-Vergleich. Sie liegen hierzulande an allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen bei umgerechnet rund 10.200 Euro pro Jahr.

Mehr Menschen zieht es an die Hochschulen

Im Bereich der universitären Bildung ist Deutschland offenbar weniger spendabel als bei der Bezahlung seiner Lehrkräfte an Schulen. In Forschung und Entwicklung steckt der deutsche Staat zwar vergleichsweise viel Geld. In grundlegende Bildungsleistungen investiert er laut der Studie allerdings nur umgerechnet 8000 Euro pro Student und Jahr - und damit 1350 Euro weniger als alle OECD-Länder im Durchschnitt. Derweil zieht es immer mehr Menschen an die Hochschulen: Im vergangenen Jahr machte ein Drittel der jungen Erwachsenen im Alter von 25 bis 34 Jahren einen Uniabschluss. 2008 war es nur knapp ein Viertel.

Ein Hochschulzertifikat schützt heute allerdings kaum besser vor Arbeitslosigkeit als das Abitur. Während die Beschäftigungsquote bei Menschen mit Abitur auf 84 Prozent gestiegen ist, liegt sie unter Hochschulabsolventen seit Jahren stabil bei 88 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte die OECD in ihrem Bericht bereits gezeigt, dass auch Menschen mit Berufsausbildung auf dem Arbeitsmarkt ähnlich gute Chancen wie Menschen mit Hochschulabschluss haben.

Unterschiede beim Gehalt: Ein Studium nützt nicht immer

Wie schon in den vergangenen Jahren kritisierten die OECD-Forscher die geschlechterspezifischen Gehaltsunterschiede - und hoben dabei die Kluft zwischen Frauen und Männern mit Hochschulabschluss hervor. Gerade einmal 72 Prozent des mittleren Gehalts eines männlichen Hochschulabsolventen erhält eine Akademikerin demnach in Deutschland. Diese Zahl liegt unter dem OECD-Durchschnitt von 77 Prozent.

In Bereichen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen ist die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern dagegen weniger ausgeprägt: Frauen mit Abitur oder vergleichbarem Abschluss verdienten in Deutschland etwa 85 Prozent des Gehalts eines Mannes mit ähnlicher Qualifikation - und damit im Vergleich mit anderen Ländern deutlich ausgeglichener.

Als Grund für die Gehaltsunterschiede nennen die Wissenschaftler unter anderem, dass Frauen häufiger als Männer in Teilzeit arbeiteten und Berufe wählten, die von vornherein schlechter bezahlt würden. Andere Studien haben jedoch gezeigt, dass auch im selben Beruf je nach Geschlecht unterschiedlich bezahlt wird. Im europäischen Vergleich bildete Deutschland in der Vergangenheit gar das Schlusslicht bei der Bezahlung von Frauen.

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