Internationaler Vergleich OECD rügt Deutschland für geringe Akademiker-Rate

Die Hörsäle sind voll, nie gab es so viele Studenten in Deutschland. Trotzdem sind es nicht genug, mahnt die OECD. In anderen Industrieländern schließen weit mehr Menschen ein Studium ab.
Studenten in Deutschland: Wenig im internationalen Vergleich

Studenten in Deutschland: Wenig im internationalen Vergleich

Foto: Michael Reichel/ dpa

Rund die Hälfte aller Schulabgänger schreiben sich an einer Universität oder Fachhochschule ein. Das ist viel für deutsche Verhältnisse: Viele Hochschulen belegen ihre Studiengänge mit Zulassungsbeschränkungen, der Kampf um Plätze in beliebten Fächern ist hart. 27 Prozent der 25- bis 34-Jährigen erreichen einen Abschluss.

Doch der internationale Vergleich zeigt: Das ist noch lange nicht genug. Andere Länder haben ihre Unis in den vergangenen Jahren weitaus stärker geöffnet, belegen Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Im OECD-Schnitt sind es 40 Prozent der jüngeren Erwachsenen, die einen Studienabschluss erreichen. Bei der Akademisierungsrate - dem Anteil von Absolventen an der jüngeren Gesamtbevölkerung - liegt Deutschland also weit zurück.

Es geht aufwärts: In den OECD-Ländern steigt der Akademikeranteil - allerdings unterschiedlich schnell.

Es geht aufwärts: In den OECD-Ländern steigt der Akademikeranteil - allerdings unterschiedlich schnell.

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In den von der OECD untersuchten Industrieländern ist der Anteil der jungen Menschen mit Hochschulabschluss zwischen 2000 und 2013 um 14 Prozentpunkte gestiegen. Am stärksten war der Anstieg in Korea. Um die Jahrtausendwende hatten noch knapp unter 40 Prozent aller Menschen zwischen 25 und 34 Jahren einen Hochschulabschluss. Jetzt sind es nahezu 70 Prozent. In Japan und Kanada haben 60 Prozent der Altersklasse ein abgeschlossenes Hochschulstudium.

Auch in Luxemburg und Polen ist der Anteil der Akademiker in der jüngeren Generation stark gestiegen, in Polen von gut 15 auf über 40 Prozent, in Luxemburg von knapp über 20 Prozent im Jahr 2000 auf jetzt rund die Hälfte eines Altersjahrgangs. Das geht aus einem am Montag veröffentlichten Vorabbericht  der jährlichen Studie "Bildung auf einen Blick" hervor.

Ganz anders in Deutschland: Der Anteil der jungen Menschen, die ein Studium abschließen, ist seit der Jahrhundertwende nur um zwei Prozentpunkte auf 27 Prozent geklettert. Auch Finnland hat seinen Akademikeranteil nur noch minimal steigern können. Allerdings ist ein Studium dort schon länger selbstverständlich: 40 Prozent der 25- bis 34-Jährigen haben dort einen Studienabschluss.

Die OECD hatte schon häufiger gemahnt, dass Deutschland beim Anteil der Hochqualifizierten den Anschluss zu verlieren drohe. Bildungspolitiker verweisen dagegen auf die duale Berufsausbildung: Viele Tätigkeiten, die im Ausland ein Studium voraussetzen, seien hierzulande Lehrberufe.

In fast allen Ländern ist ein Studium die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit - trotz der teils stark gestiegenen Absolventenzahlen. Die Akademikerarbeitslosigkeit liegt in den OECD-Ländern im Schnitt bei 5,3 Prozent. Nur wenige Länder bilden eine Ausnahme - etwa Mexiko. Dort steigt das Arbeitslosigkeitsrisiko mit dem Bildungsabschluss.

bkr
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