Oxbridge-Testfragen Wie viel Wasser steckt in einer Kuh?

Was ist eine Teetasse wert? Wann ist ein Mensch tot? Wie unterscheiden sich Kartoffel und Zwiebel? Um in Großbritanniens Kaderschmieden Cambridge und Oxford angenommen zu werden, müssen die Bewerber verzwickte Fragen beantworten und beweisen, dass sie "cool" sind.


Bestnoten in der Schule sind nicht gut genug, um einen Studienplatz in Großbritanniens Top-Unis zu ergattern. Wer hier rein will, sollte schon wissen, wie viel Prozent des weltweiten Wassers in einer Kuh stecken - oder sich zumindest eine möglichst lässige Antwort einfallen lassen. Denn die Auswahlkomissionen in Oxford und Cambridge fragen ihre Bewerber nicht nur ganz direkt: "Sind Sie cool?"

King's Hall in Cambridge: Schräge Fragen führen ins ehrwürdige Gemäuer
Benedikt Mandl

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Mit " exzentrischen Auswahlverfahren" wollen sie auch testen, wer selbstbewusst ist, sagt James Uffindel, Chef von Oxbridge Applications. Die Firma verdient ihr Geld mit Trainingscamps für die künftige Elite, ein Wochenendseminar kostet mehr als 850 Pfund (1200 Euro).

Die Nachfrage ist da. Wer in den ehrwürdigen Traditionsunis lernt - bei einem weltweiten Uni-Ranking landeten sie gerade auf Platz zwei und drei - hat schließlich beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt. 14.000 Studenten bewerben sich jedes Jahr um rund 3400 Plätze in Cambridge, in Oxford sieht das Verhältnis ähnlich aus. Oxbridge Applications hat die Fragen von 1200 Bewerbern aus dem vergangenen Jahr ins Netz gestellt:

  • Ab welchem Punkt ist ein Mensch tot?
  • Wenn drei schöne, nackte Frauen vor ihnen stünden, welche würden sie auswählen? Und hat das irgendeinen Einfluss auf die Volkswirtschaft?
  • Wie viel ist diese Teetasse wert?
  • Welcher Politiker des 19. Jahrhunderts ähnelt Tony Blair am meisten?
  • Wie bequem ist dieser Stuhl?

Die Spitzenunis suchten "unabhängige Denker", sagte Uffindel der BBC - "und Studenten, die logische Antworten geben können". Immerhin: Die abseitig anmutenden Fragen richten sich an der Fachrichtung aus. So müssen nur Chemiestudenten beantworten, wie Haarfarbe funktioniert, Biologen den Unterschied zwischen Zwiebel und Kartoffel erklären, angehende Architekten Musik mit ihrer Arbeit vergleichen und Physik-Bewerber erörtern, warum sie keine Kerze in einem Raumschiff anzünden könnten.

Und zum Glück muss nur ein Philosophie-Student in Oxford entscheiden, ob es möglich ist, in einer Gesellschaft zu leben, in der alle Menschen ständig lügen.

agö/AFP

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