Oxford-Cambridge-Ruderduell Mit den "German Giants" zum Sieg

Oxford gegen Cambridge: Ganz Großbritannien blickt am Samstag auf das traditionelle Ruderduell. Mit im Boot: die Deutschen Thorsten Engelmann und Sebastian Schulte. Auf SPIEGEL ONLINE sprechen sie über das harte Training, Gewichtsprobleme - und die Pumpen an Bord.


SPIEGEL ONLINE: Wie viele Ruderschläge braucht man, um die 6779 Meter lange Strecke beim Boat Race zurückzulegen?

Sebastian Schulte: In etwa 35 mal 17 - also 595 Schläge.

SPIEGEL ONLINE: Wieso ausgerechnet 35 mal 17?

Schulte: Wir fahren mit 35 Schlägen pro Minute, am Start und am Ende vielleicht ein bisschen mehr. Und das Rennen dauert zwischen 16 und 17 Minuten.

SPIEGEL ONLINE: Sie starten für Cambridge. Zwei Mal hintereinander hat Oxford Sie jetzt abgehängt...

Thorsten Engelmann: ...aber in diesem Jahr sind wir die Favoriten. Es läuft sehr gut bei uns.

SPIEGEL ONLINE: Das Rennen ist ein gesellschaftlicher Höhepunkt in England. Wie haben Sie sich auf das Mega-Ereignis vorbereitet?

Schulte: Intensives Training - sechs Monate lang. Das läuft ähnlich wie die Vorbereitung auf eine Weltmeisterschaft oder die Olympischen Spiele. Man trainiert zweimal am Tag, rudert viele Kilometer, macht viel Krafttrainig. Das ist ein halbes Jahr Hochleistungssport pur.

SPIEGEL ONLINE: In der Zeit müssten Sie doch eigentlich studieren.

Schulte: Man lebt mit einer Doppelbelastung. Morgens um 6.30 Uhr wird trainiert, danach studiert. Und am Nachmittag noch mal trainiert.

Engelmann: Ich muss jeden Tag zwischen den Trainingseinheiten zu meinen Vorlesungen. Keiner der Trainer und Professoren nimmt Rücksicht darauf. Das muss man parallel hinbekommen.

SPIEGEL ONLINE: Obwohl Sie für das Renommee der Uni kämpfen, machen die Professoren keine Zugeständnisse?

Schulte: Die haben Angst, dass die akademischen Leistungen schlechter werden. In der Vorbereitungszeit sollte man es am besten einfach nicht breittreten, dass man für das Rennen trainiert. Wenn es dann soweit ist, dass ein Student im Boot sitzt, dann überwiegt auf jeden Fall der Stolz. Dann kann man auch auf kleinere Zugeständnisse hoffen.

SPIEGEL ONLINE: Was fasziniert Sie am Boat Race?

Engelmann: An Weltmeisterschaften kann ein guter Ruderer jedes Jahr teilnehmen, am Boat Race nur zwei, höchstens drei Mal im Leben. Es ist ein sehr kleiner Kreis, der diese Ehre erhält. In der ganzen Geschichte des Rennens sind insgesamt nur 1800 Studenten für eine der beiden Unis ins Boot gestiegen.

SPIEGEL ONLINE: Wie sehen englische Kommilitonen Sie als "Krauts" im Boot?

Schulte: Cambridge und Oxford sind zwar ur-britisch - aber gerade in Postgraduierten-Programmen sind die Briten längst nicht mehr in der Mehrheit. Die Bootsbesatzung spiegelt einfach die Realität an der Universität. Bei Oxford sind noch zwei Engländer im Boot, bei uns vier. Für den einen oder anderen Traditionalisten ist das ein Grund, sich zu beschweren.

SPIEGEL ONLINE: Beklagen sich die britischen Medien?

Schulte: Für die ist es viel spannender, dass Torsten 110 Kilo wiegt und damit offiziell der schwerste Ruderer der Boat-Race-Geschichte ist. Deswegen dominiert der "German Giant" zurzeit die Schlagzeilen aller Sportmedien.

Engelmann: Unser Bundestrainer wird allerdings nicht so gerne hören, dass ich so schwer bin...

SPIEGEL ONLINE: Dreimal ist beim Boat Race eines der beiden Boote gesunken. Haben Sie Angst davor?

Schulte: Im vergangenen Jahr wäre es ja fast wieder soweit gewesen. Ich denke aber nicht, dass es in diesem Jahr passiert. Die Boote sind offiziell unsinkbar. Wir haben sogar Pumpen an Bord.

Das Interview führte Christoph Seidler.



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