Oxford-Studenten Die Brücke der Idioten

An der Nobel-Uni Oxford pflegt man skurrile Traditionen, etwa den Sprung in den Mai. Aber wer sich von einer Brücke stürzt, sollte vorher die Wassertiefe prüfen. Reicht es nur bis zum Knie, knirschen und bersten die Knochen - so wie am Sonntag in Oxford.


Uni Oxford: Die spinnen, die Briten
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Uni Oxford: Die spinnen, die Briten

Das britische Oxford beherbergt eine der edelsten Universitäten weltweit, die für ihre klugen Köpfe einen Ruf wie Donnerhall genießt. Zum 1. Mai allerdings schlagen die Studenten regelmäßig über die Stränge: Sie veranstalten wilde Partys, bestäuben Passanten mit Mehl, sprühen mit Rasierschaum, werfen mit Schweineinnereien und toten Fischen. Und in der Morgendämmerung endet die Partynacht mit einer Abkühlung im Fluss.

Erst Chorgesang vom Turm des Magdalen-Colleges, dann der Sprung von der Magdalen-Brücke in den Fluss Cherwell - das ist Tradition in Oxford. Achtet man dabei nicht auf den Wasserstand, ist das eher bescheuert als beherzt. Und so verletzten sich 60 Studenten am Sonntagmorgen, als sie von der Brücke hüpften. Für etwa 30 endete der Maisprung im Krankenhaus. Die Ärzte diagnostizierten kleinere Verletzungen wie Verstauchungen und Verrenkungen, aber auch gebrochene Knöchel, Beine und Wirbelsäulenschäden.

Über 100 Studenten hatten sich aus acht Meter Höhe hinab gestürzt, gut die Hälfte musste anschließend behandelt werden. Sie hatten sich nicht darum gekümmert, dass der Fluss kaum bis zum Knie Wasser führte. Etwa 12.000 Menschen beobachteten das Spektakel von Britanniens Bildungselite.

Unter Alkoholeinfluss und dem Gejohle der Menge ignorierten die Studenten alle Warnungen. Polizei und Stadtrat, Ärzte und Universität hatten immer wieder auf die Gefahren aufmerksam gemacht - durch den niedrigen Wasserstand sowie Gegenstände wie Fahrräder oder Einkaufswagen unter der Oberfläche.

Es nützte nichts, die Studenten sausten trotzdem in die Tiefe. Nun spricht die englische Presse bereits von der "Brücke der Idioten". Im nächsten Jahr zum Maisprung soll die Brücke über den Cherwell wieder gesperrt werden, so wie schon in den Jahren 2001 bis 2004 am "MayDay". Denn im Jahr 2001 war ein übermütiger Springer durch seine erlittenen Verletzungen gelähmt worden.

Das Brückenspringen ist nicht die einzige seltsame Tradition in Oxfords ehrwürdigen Mauern. Das Eierwerfen nach dem Examen wurde von der Uni-Leitung inzwischen verboten.




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