Militärforschung Pentagon-Geld fließt auch an Schweizer Unis

Das amerikanische Verteidigungsministerium gibt nicht nur deutschen Hochschulen Geld, auch in der Schweiz finanziert das Pentagon mehrere Forschungsprojekte. Die betroffenen Unis finden das halb so wild.

Pentagon in Washington: Viel Geld für viele Forscher
AFP

Pentagon in Washington: Viel Geld für viele Forscher


Mit knapp 600 Milliarden Dollar verfügt das Pentagon über den größten Militärhaushalt der Welt. Ein Bruchteil, aber doch stolze Summen landen an europäischen Hochschulen - zum Beispiel in der Schweiz, wie sich aktuell zeigt.

Erst vor wenigen Wochen wurden bekannt, dass 22 deutsche Hochschulen und Forschungsinstitute seit dem Jahr 2000 mehr als zehn Millionen Dollar Forschungsgeld aus dem Haushalt des US-Verteidigungsministeriums erhalten haben. Bei den geförderten Projekten handelt es sich Berichten von "Süddeutscher Zeitung" und NDR zufolge sowohl um Grundlagen- als auch um Rüstungsforschung, zum Beispiel an Sprengstoffen. So habe die Ludwig-Maximilians-Universität in München vom US-Verteidigungsministerium 2012 mehr als 470.000 Dollar erhalten, um militärische Sprengstoffe zu verbessern.

Jetzt hat die Schweizer "Sonntagszeitung" ähnliches enthüllt: "Allein in den letzten zwei Jahren finanzierte das Pentagon rund ein Dutzend Forschungsprojekte in der Höhe von insgesamt mehr als einer Million Dollar", heißt es dort. Das Geld ging demnach unter anderem an die ETH Zürich und die Universitäten Zürich, Bern und Neuenburg.

Ein Sprecher der ETH Zürich bestätigte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE beispielsweise, dass eine Forschungsgruppe mehrere Zehntausend Euro vom European Office of Aerospace Research & Development (EOARD) bekommt. Das wiederum gehört zum Air Force Office of Scientific Research.

Der Sprecher betont aber, dass es sich ausdrücklich nicht um Auftragsforschung handelt, sondern die Wissenshaftler ihre Forschungsfragen selber definieren. Zudem handele es sich um Grundlagenforschung, "eine konkrete Anwendung ist noch in weiter Ferne". Die Resultate der Forschung würden veröffentlicht und stünden nicht exklusiv den Geldgebern zur Verfügung. Ähnlich äußerte sich eine Sprecherin der Uni Bern.

Die Öffentlichkeit erfährt oft nichts

Das Thema ist heikel. In Deutschland beispielsweise wird Forschung kritisch betrachtet, die im Verdacht steht, für Kriegszwecke nutzbar zu sein. An vielen Unis setzen sich Gruppen für eine ausschließlich friedliche und zivile Forschung ein. 13 deutsche Hochschulen haben bereits eine Zivilklausel verabschiedet, wonach Forschung und Lehre von militärischen Einflüssen freizuhalten sind - beziehungsweise im Zweifelsfall transparent zu entscheiden ist, ob ein Auftrag angenommen wird.

Da Projekte im Rechenschaftsbericht der Hochschule nur unter dem Oberbegriff "Drittmittel" aufgelistet werden, erfahren oft Öffentlichkeit und Kultusministerien nichts davon. Dieses Vorgehen ist jedoch so normal wie legal: Wissenschaftler an deutschen Hochschulen sind dazu angehalten, Drittmittel einzuwerben - auch weil die Institute finanziell davon abhängig sind.

Da Forschung laut Grundgesetz frei ist, müssen sie sich dafür keine Erlaubnis einholen, sondern lediglich bestehende rechtliche Rahmen wie zum Beispiel das Gentechnik- und Infektionsschutzgesetz, die Biostoffverordnung und das Kriegswaffenkontroll- oder Außenwirtschaftsgesetz einhalten. Hat ihre Universität sich eine Zivilklausel auferlegt, müssten die Wissenschaftler "im Zweifel" das Dekanat um eine Einschätzung bitten, daran halten müssen sie sich jedoch ebenfalls nicht.


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lgr/otr

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Seite 1
Publius Aelius Hadrianus 17.12.2013
1. In den sauren Apfel beißen...
Ich halte es grundsätzlich nicht für falsch, dass die Universitäten von militärischen Einrichtungen gefördert werden. Leider muss man fast schon sagen, woher den sonst ? Anscheinend hat niemand Geld für Forschungsprojekte an deutschen Universitäten übrig. Und sobald dem ein Riegel vorgeschoben wird, dann werden eben andere Universitäten auf der Welt gefördert, dann soll das Geld besser hier bleiben, da haben die Unis auch noch wenigstens was davon. Wen es zusätzlich noch transparenter wird und klare Regeln bezüglich der Nutzung und der Anwendung dieser Projekte festgelegt werden, dann sehe ich da kein Problem. Andererseits ist es durchaus verständlich gegen solche Förderungen durch Militäreinrichtungen zu sein, von welchem Land, davon will ich jetzt gar nicht erst anfangen. Ich würde es auch lieber sehen, wenn man Fördermittel für "friedlichere" bzw. Projekte bekommen könnte, die nicht von Militär finanziert werden müssten. Aber wer würde das bezahlen ?
braman 18.12.2013
2. Geld fließt.
Zitat von Publius Aelius HadrianusIch halte es grundsätzlich nicht für falsch, dass die Universitäten von militärischen Einrichtungen gefördert werden. Leider muss man fast schon sagen, woher den sonst ? Anscheinend hat niemand Geld für Forschungsprojekte an deutschen Universitäten übrig. Und sobald dem ein Riegel vorgeschoben wird, dann werden eben andere Universitäten auf der Welt gefördert, dann soll das Geld besser hier bleiben, da haben die Unis auch noch wenigstens was davon. Wen es zusätzlich noch transparenter wird und klare Regeln bezüglich der Nutzung und der Anwendung dieser Projekte festgelegt werden, dann sehe ich da kein Problem. Andererseits ist es durchaus verständlich gegen solche Förderungen durch Militäreinrichtungen zu sein, von welchem Land, davon will ich jetzt gar nicht erst anfangen. Ich würde es auch lieber sehen, wenn man Fördermittel für "friedlichere" bzw. Projekte bekommen könnte, die nicht von Militär finanziert werden müssten. Aber wer würde das bezahlen ?
Aber wer würde das bezahlen? Da ja das Geld, das die Militärs für Forschungszwecke ausgeben, aus Steuergeldern stammt, könnte man doch dieses Geld direkt an Forschungseinrichtungen geben bevor es das Militär erhält. Was glauben Sie, wie viel Geld auf einmal für vernünftige Forschung zur Verfügung stehen würde?? MfG: M.B.
Publius Aelius Hadrianus 18.12.2013
3. Ausländische Mittel
Zitat von bramanAber wer würde das bezahlen? Da ja das Geld, das die Militärs für Forschungszwecke ausgeben, aus Steuergeldern stammt, könnte man doch dieses Geld direkt an Forschungseinrichtungen geben bevor es das Militär erhält. Was glauben Sie, wie viel Geld auf einmal für vernünftige Forschung zur Verfügung stehen würde?? MfG: M.B.
Wenn ich es richtig verstehe, dann geht es ja um finanzielle Mittel aus dem Ausland. In diesem Artikel steht ja nicht, dass das deutsche Militär Forschungsprojekte an den deutschen Universitäten finanziert. Ansonsten kann ich Ihnen zustimmen, wenn es so ist. Mit dem Geld könnte man die Universitäten auch direkt fördern.
braman 18.12.2013
4. Finazielle Mittel
Zitat von Publius Aelius HadrianusWenn ich es richtig verstehe, dann geht es ja um finanzielle Mittel aus dem Ausland. In diesem Artikel steht ja nicht, dass das deutsche Militär Forschungsprojekte an den deutschen Universitäten finanziert. Ansonsten kann ich Ihnen zustimmen, wenn es so ist. Mit dem Geld könnte man die Universitäten auch direkt fördern.
Es geht um finanzielle Mittel, auch vom deutschen Militär. Aber es ist irrelevant, wenn die Mittel, die jetzt für das Militär ausgegeben werden in die Forschung und auch in andere Projekte fließen würden ginge es wohl ALLEN Menschen weltweit besser.
Publius Aelius Hadrianus 18.12.2013
5.
Zitat von bramanEs geht um finanzielle Mittel, auch vom deutschen Militär. Aber es ist irrelevant, wenn die Mittel, die jetzt für das Militär ausgegeben werden in die Forschung und auch in andere Projekte fließen würden ginge es wohl ALLEN Menschen weltweit besser.
Gut, man könnte sehr weitschweifend darüber debattieren, was es heißt, das es allen Menschen weltweit besser gehen würde, denn irgendeine negative Seite wird es wohl immer geben. Das muss man einfach realistisch eingestehen. Und das Forschung für das Militär ausschließlich schlecht ist, halte ich ebenfalls für gewagt, prominentestes Beispiel dafür ist die Entwicklung des Internets. Aber um wieder zum eigentlichen Artikel zurückzukommen; Ich halte es für richtig und lobenswert, dass die Universitäten von sich aus Klauseln einführen, um eben bei solchen Projekten genauer hinzuschauen. Optimal wäre es, wenn es gesetzlich geregelt werden würde und ein mögliches Projekt von einem, so weit es möglich ist, unabhängigem Gremium beschließen zu lassen, ob man daran forschen lässt, durch Mittel des Militärs oder nicht.
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