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Pfefferspray auf dem Campus: "Shame on you!"

Foto: Wayne Tilcock/ AP

Pfefferspray auf dem Campus "An so einer Uni will ich nicht Kanzlerin sein"

Die brutale Polizei-Attacke gegen Demonstranten an der University of California hat Folgen: Drei Beamte sind beurlaubt. In einer anrührenden Rede bat die Uni-Kanzlerin ihre Studenten um Verzeihung für den Reizgas-Einsatz. Einen Rücktritt aber schließt sie aus.
Von Heike Sonnberger

Dass Polizisten friedlich demonstrierende Studenten auf einem US-Campus mit Pfefferspray eingesprüht haben, sorgt an der staatlichen Universität von Kalifornien seit dem Wochenende für Ärger und Empörung.

Die Leitung des Campus in Davis stellte die Chefin der Campus-Polizei, Annette Spicuzza, am Montag vorübergehend vom Dienst frei. Studenten und Dozenten forderten außerdem den Rücktritt von Kanzlerin Linda Katehi, die den Hochschulstandort leitet. Katehi hatte die Räumung eines Zeltlagers der Demonstranten angeordnet. Sie entschuldigte sich wortreich, weigert sich jedoch, ihren Posten zu räumen.

Der Vorfall vom Freitag ist auf Video dokumentiert: Die Aufnahmen zeigen eine Gruppe von jungen Leuten, die aneinandergedrängt auf einem zentralen Platz auf dem Campus sitzen. Ein Polizist in voller Montur nähert sich, sprüht ihnen Pfefferspray in die Gesichter und schreitet dabei ruhig die Reihe der Demonstranten ab. Die Attackierten winden sich und ziehen die Köpfe ein, Umstehende skandieren "Shame on you!", "Schämt euch!" Nach Angaben der Campus-Leitung mussten elf Menschen wegen geschwollener Augen und anderer Auswirkungen des Sprays behandelt werden, zwei kamen vorübergehend ins Krankenhaus.

Campus-Chefin bemüht sich um Schadensbegrenzung

Der Einsatz ereignete sich, nachdem einige Studenten und Campus-fremde Demonstranten ein Zeltlager auf dem Uni-Gelände aufgebaut hatten, um im Sinne der Occupy-Bewegung gegen soziale Ungleichheit zu protestieren. Außerdem erklärten die Studenten ihre Solidarität mit Demonstranten am Uni-Standort Berkeley, wo die Polizei Anfang November mit Schlagstöcken auf Campus-Besetzer losgegangen war.

Die Leiterin des Campus in Davis mit seinen rund 31.400 Studenten ist seither um Schadensbegrenzung bemüht. Am Sonntag veranlasste Katehi, dass zwei Polizisten, die in den Videos zu sehen sind, vom Dienst suspendiert wurden. Am Montag schickte sie auch noch deren Vorgesetzte nach Hause.

Eine Campus-Sprecherin sagte, Katehi habe zwar angeordnet, die rund zwei Dutzend Zelte zu entfernen. Das sollte aber "friedlich und ohne Zwischenfälle" geschehen, zitiert sie die Zeitung "The Sacramento Bee".  Die Kanzlerin sei über die Pfefferspray-Attacke entsetzt gewesen.

"Meinungsfreiheit gehört zur DNA dieser Universität"

Katehi entschuldigte sich in einer Ansprache auf dem Campus am Montag für den Einsatz. "Ich fühle mich schrecklich wegen dem, was am Freitag passiert ist", sagte sie mit brüchiger Stimme in einem Video, das auch auf der Seite der Hochschule zu sehen ist. "An einer solchen Universität, wie wir sie am Freitag erlebt haben, will ich nicht Kanzlerin sein."

Als Angebot, ihr Amt niederzulegen, will sie das jedoch nicht verstanden wissen - obwohl nicht wenige das fordern. In einem Interview mit dem Studentensender "AggieTV" sagte die Kanzlerin, sie habe die Gewalt nicht gewollt. Die Frage nach dem Rücktritt beantwortete sie ausweichend: "Ich habe mir vorgenommen, an der Universität zu bleiben." Englisch-Dozent Nathan Brown, der eine Online-Petition für den Rücktritt Katehis gestartet hat, sagte der "Los Angeles Times":  "Auf unserem Campus gibt es keinen Platz für Verwalter, die den Einsatz von Gewalt gegen friedliche Demonstranten anordnen."

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Kritik kam auch vom Präsidenten der Universität von Kalifornien, Mark Yudof. Er sei "entsetzt" über den Vorfall. "Meinungsfreiheit gehört zur DNA dieser Universität", sagte er der Nachrichtenagentur AP. Gewaltfreier Protest sei ein Gut, das geschützt werden müsse. Alle zehn Kanzler sollen in Kürze zusammenkommen, um darüber zu diskutieren, wie eine angemessene Reaktion der Ordnungshüter auf friedliche Demonstrationen gewährleistet werden könne.

Kanzlerin Katehi kündigte eine Task Force aus Studenten, Lehrkräften und Mitarbeitern an, um in den nächsten 30 Tagen einen Bericht zu der Pfefferspray-Attacke auszuarbeiten. Am Dienstag war außerdem die erste von mehreren Diskussionsrunden geplant, bei denen Studenten und Uni-Mitarbeiter zusammenkommen und über die Ereignisse sprechen sollten. Die Hochschulleitung bat auch die Bezirksstaatsanwaltschaft von Yolo County, den Einsatz der Polizei zu untersuchen.

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