Philosophiestudenten So retten wir die Welt

Liebe Philosophen, bis auf wenige poppige Vertreter eures Fachs grübelt ihr so still vor euch hin. Das ändern wir jetzt mal: Fünf junge Denker antworten auf fünf ewige Fragen. Sie erklären das Böse im Menschen und den Glauben an die Liebe.

Von


Woody Allen ist einer von ihnen. Bruce Lee, George Soros und Papst Benedikt XVI. auch. Sie studierten in einem früheren Leben einmal Philosophie, und wie so viele Absolventen dieses Fachs landeten sie in ganz anderen Bereichen. Allerdings werden die wenigsten mit Filmen, Hedgefonds oder Religion berühmt. Sie tummeln sich stattdessen in Verlagen, Agenturen oder in der Wissenschaft.

Tatsächlich können nämlich im Land der Dichter und Denker nur eine Handvoll von der Philosophie leben.

Dabei brauchen wir sie doch gerade so dringend, die Antworten der Liebhaber der Weisheit. Wie wollen und sollen wir trotz oder mit Finanzkrisen, Krieg, Terror, Hartz IV, Scheidungen und Burnouts arbeiten, leben und lieben? Wer Lösungen in klugen Büchern sucht, findet sich, leicht verwundert, vor den Regalen gutsortierter Buchhandlungen wieder. Dort stehen natürlich die Klassiker, Aristoteles, Heidegger, Sartre; schwerverdauliche Kost zuweilen, Aufmachung und Schriftgröße wecken Erinnerungen an nicht enden wollende Schulstunden.

Daneben prangen in Pink und opulent bebildert die Ergüsse der neuen Generation deutscher Denker. "Würde Platon Prada tragen?" und "Im Bett mit Kant oder das Gefühl von Nichts am frühen Morgen", lauten die Titel. Läuft ohne Sex und Fashion auch in der Philosophie nichts mehr?

Nicht schlecht, Herr Precht

Den Hype um Richard David Precht & Co. belächeln einige Philosophiestudenten. "Der will mit Platon-Zitaten seine verrückten Thesen belegen", sagt Katharina Schenk, Masterstudentin an der Uni Leipzig. Ein jahrelanges Studium wirke fast überflüssig, wenn Precht komplexe Themen anekdotisch auf wenigen Seiten erkläre. "Das ist zwar lustig, aber stark verkürzt."

Wo aber sind die jungen Denker, und was sind ihre Ideen? Für den UniSPIEGEL-Titel haben wir uns aufgemacht, sie zu fragen. Knapp 15.000 Menschen in diesem Land studieren derzeit Philosophie. Wir fanden selbstbewusste Bachelorstudenten und Masterkandidaten, junge Autoren populärwissenschaftlicher Bücher und einen kosmopolitischen Juniorprofessor. Sie mussten uns fünf naheliegende Fragen beantworten - in gebotener Kürze.

Manches bleibt unverständlich, manches klingt gar nicht so originell

Zugegebenermaßen beeinflusst vom Klischee des versponnenen Gedankendrechslers, waren wir überrascht, wie flott und pragmatisch die ausgewählte Truppe auf unsere Anfrage reagiert hat. Das Philosophiestudium scheint für die meisten Mittel zum Zweck zu sein. "Bei der Studienwahl ging es mir weniger um die Inhalte als um die Fähigkeiten, die man erlernt - logisches Denken, rationales Argumentieren und eine klare Schreibe", sagt Katharina Schenk.

Eine klare Schreibe? Durchaus. Und sehr realitätsnah fiel manche Antwort aus ("Sex ist überbewertet. Vor allem der, bei dem man selbst nicht dabei ist."). Trotzdem, manches blieb unverständlich. Und manches klang, auf Nachfrage in Alltagssprache übersetzt, gar nicht mehr so unglaublich originell. "Vielen macht es Spaß, sich mit dem Vokabular abzugrenzen, nach dem Motto: In der Dunkelheit steckt die Wahrheit", sagt der Philosophiedozent Philipp Hübl, der kürzlich einen Ruf als Juniorprofessor von der Uni Stuttgart erhalten hat.

Eitelkeit ("Fotoshootings bitte erst nach meinem Friseurtermin") haben wir den Teilnehmern unserer Umfrage durchgehen lassen, Unklarheit nicht.

Es bleiben: die Antworten fünf junger deutscher Philosophen auf fünf große Fragen und Probleme des Lebens. Klicken Sie auf die Fragen, um zu erfahren, was die Denker denken:

© UniSPIEGEL 2/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.