Plagiatsverdacht Berliner CDU-Fraktionschef gibt Doktortitel ab

Er schrieb seine Doktorarbeit über die eigene Partei und bediente sich aus unsauberen Quellen: Florian Graf, Berliner CDU-Fraktionschef, will seinen Doktortitel los werden. Mit der Bitte um Aberkennung kam er wohl einem Titelentzug durch die Universität Potsdam zuvor.
Florian Graf: CDU-Fraktionschef will Doktorgrad abgeben

Florian Graf: CDU-Fraktionschef will Doktorgrad abgeben

Foto: Sebastian Kahnert/ picture alliance / dpa

Berlin - Der Berliner CDU-Fraktionschef Florian Graf gibt seinen Doktortitel wegen gravierender wissenschaftlicher Mängel zurück. Der Politiker gab am Freitagabend schriftlich bekannt, er habe den zuständigen Promotionsausschuss der Universität Potsdam gebeten, ihm den Doktorgrad zu entziehen. Es sei konsequent und eine Frage des Respekts gegenüber der Leistung anderer Promovierter, "bei dem leisesten Zweifel den Titel abzugeben".

Graf hatte seine Dissertation über die Berliner CDU geschrieben. Titel: "Der Entwicklungsprozess einer Oppositionspartei nach dem abrupten Ende langjähriger Regierungsverantwortung". Er reichte sie im April 2010 an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät ein, den Doktorgrad erhielt er im Dezember 2010.

Anfang der Woche war die Arbeit des externen Doktoranden Graf unter Plagiatsverdacht geraten, teilt die Universität Potsdam mit . Vorausgegangen war die Aufhebung einer Sperrfrist für die Dissertation durch den Promotionsausschuss der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät. Die Sperrfrist soll Graf veranlasst haben, weil er einen Artikel für eine Fachzeitschrift über sein Thema plante, teilte die Uni weiter mit. Zu dem Plagiatsverdacht wurde der CDU-Mann um eine Stellungnahme gebeten. Daraufhin habe der den Antrag auf Entziehung des Doktorgrads gestellt.

In Grafs schriftlicher Erklärung heißt es weiter, er sei den an sich selbst gestellten Ansprüchen "im Hinblick auf ein Standhalten meiner Dissertation in der Öffentlichkeit nicht gerecht geworden". Er habe festgestellt, "dass ich an einigen Stellen wissenschaftlich nicht fehlerfrei gearbeitet habe". Darum bitte er "alle diejenigen, die ich enttäuscht habe, um Verzeihung", so Graf.

Der Berliner CDU-Politiker verband in seiner Erklärung den Titelverzicht mit der Vertrauensfrage an die CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, der er erst seit Anfang Dezember vorsteht. Am kommenden Donnerstag soll über seinen Verbleib im Amt in geheimer Abstimmung entschieden werden.

cht/dpa/AFP