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06. Dezember 2012, 14:58 Uhr

Gerichtsurteil

Uni Bonn durfte Mathiopoulos Doktortitel entziehen

Die Plagiatsaffäre um Margarita Mathiopoulos reicht mehr als 20 Jahre zurück - und ist noch immer nicht vorbei: Ein Kölner Gericht hat entschieden, dass die Uni Bonn der früheren FDP-Beraterin ihren Doktortitel wegnehmen durfte. Offen ist, ob Mathiopoulos das Urteil akzeptiert.

Bonn - Die Universität Bonn hat zu Recht entschieden, der früheren FDP-Beraterin Margarita Mathiopoulos ihren Doktortitel zu entziehen. So urteilte das Verwaltungsgericht Köln am Donnerstag. Es sei rechtmäßig gewesen, dass die Hochschule im April beschlossen habe, Mathiopoulos den Doktorgrad abzuerkennen, fand das Gericht. Die Uni Bonn hatte ihr "vorsätzliche Täuschung" attestiert, an mehr als 320 Stellen habe sie fremde Quellen in der Dissertation nicht ordnungsgemäß zitiert.

Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Mathiopoulos' Anwalt ließ offen, ob er sich an die nächste Instanz, ans Oberverwaltungsgericht in Münster, wenden wird. Bis ihre Klage endgültig abgewiesen ist, darf Mathiopoulos ihren Titel weiter führen. Sie hat die FDP mehrere Jahre lang in außenpolitischen Fragen beraten und wehrt sich gegen die Plagiatsvorwürfe mit der Begründung, dass der Fakultätsrat der Uni Bonn 1991 keinen Täuschungsvorsatz festgestellt und ihr damals den Titel auch nicht entzogen habe.

Die Plagiatsaffäre reicht mehr als 20 Jahre zurück: Mathiopoulos hatte 1986 in Bonn promoviert, mit der Arbeit "Amerika: Das Experiment des Fortschritts. Ein Vergleich des politischen Denkens in den USA und Europa". Einige Jahre später tauchten erstmals Plagiatsgerüchte auf. Anfang der neunziger Jahre hatte eine stichprobenartige Überprüfung dann gravierende handwerkliche Mängel in der Dissertation ergeben. Weil sie aber keinen Täuschungsvorsatz erkennen konnte, entzog die Uni den Doktorgrad damals nicht.

Entscheidung von 1991 sei rechtswidrig, sagt die Uni

Im Nachklang der Guttenberg-Affäre gruben Plagiatsjäger im Netz dann zahlreiche Fundstellen aus und dokumentierten sie auf der Website VroniPlag. Die Universität überprüfte die Dissertation daraufhin erneut und revidierte ihr früheres Urteil. Die Entscheidung von 1991 sei aus heutiger Sicht objektiv rechtswidrig und konnte daher aufgehoben werden, teilte die Hochschule mit. Im April beschloss die Uni, den Titel einzuziehen. Dagegen zog Mathiopoulos vor Gericht.

Mathiopoulos studierte Geschichte, Politikwissenschaften und Jura in Bonn, an der Sorbonne, in Harvard und Stanford. Sie stand in den achtziger Jahren der SPD nahe und wurde bundesweit bekannt, als sie der damalige SPD-Vorsitzende Willy Brandt 1987 zur Parteisprecherin machen wollte.

Die Nominierung führte zu heftiger innerparteilicher Kritik an Brandt. Gegen Mathiopoulos sprach aus Sicht mancher Parteimitglieder, dass sie kein SPD-Mitglied und mit Friedbert Pflüger aus der CDU verlobt war. Der war Pressesprecher des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Nach einer Woche entschied sich Mathiopoulos gegen den Posten. Brandt legte danach alle Parteiämter nieder.

Aktenzeichen: 6 K 2684/12

son/dpa

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