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19. Dezember 2011, 18:04 Uhr

Plagiatsfall Mathiopoulos

Uni-Ermittler votieren für Doktor-Entzug

Darf FDP-Politikerin Margarita Mathiopoulos ihren Doktorgrad behalten? Geht es nach dem Promotionsausschuss der Uni Bonn, soll der Unternehmerin der Titel entzogen werden. Allerdings steht eine Stellungnahme der Westerwelle-Vertrauten noch aus.

In ihrem Titelkampf steht es nicht zum Besten für die FDP-Politikerin und Westerwelle-Vertraute Margarita Mathiopoulos. Es sieht vielmehr nach einer bevorstehenden Niederlage aus - danach, dass sie ihren Doktorgrad verlieren wird. Denn der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn sehe die "Voraussetzungen einer Entziehung als gegeben" an, wie der Jura-Professor Klaus Gärditz SPIEGEL ONLINE sagte.

Der Bonner Rechtswissenschaftler und Untersuchungsführer bestätigte damit einen entsprechenden Bericht von "Zeit Online". Der Promotionsausschuss hatte im Sommer beschlossen, die Dissertation von Mathiopoulos erneut zu überprüfen. Nach mehrmonatigen Beratungen kamen die Uni-Ermittler nun vor wenigen Tagen zu dem Schluss: Die Doktorwürde müsse entzogen werden. Ein entsprechender Bericht sei Mathiopoulos und ihren Anwälten geschickt worden, sagte Gärditz.

Jetzt habe sie Zeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern und eine Stellungnahme abzugeben. Erst danach werde der Fakultätsrat entscheiden, ob Mathiopoulos tatsächlich die zwei Buchstaben vor ihrem Namen streichen muss. Ihr Anwalt habe schriftlich gegenüber der Uni erste Einwände erhoben und darum gebeten, mehr Zeit für die Stellungnahme zu bekommen. Eine Entscheidung wird jetzt für Februar erwartet.

Ein Titelkampf über zwei Jahrzehnte

Die Vorgeschichte reicht über 20 Jahre zurück: Die FDP-Politikerin und Unternehmerin hatte 1986 in Bonn promoviert, mit einer Arbeit namens "Amerika: Das Experiment des Fortschritts. Ein Vergleich des politischen Denkens in den USA und Europa". Einige Jahre später tauchten erstmals Plagiatsgerüchte auf. Anfang der neunziger Jahre hatte eine stichprobenartige Überprüfung dann handwerkliche Mängel in der Dissertation ergeben, die aber waren von der Universität nicht als so schwerwiegend gewertet worden, dass sie zur Aberkennung des Doktorgrades hätten führen müssen.

Erst zahlreiche Fundstellen, ausgegraben von den Plagiatsjägern der Seite VroniPlag, gaben den Anstoß für die neue Prüfung. Nach den dort veröffentlichten Recherchen soll die Arbeit zahlreiche wörtliche Übernahmen ohne die korrekte Kennzeichnung fremder Gedanken und benutzter Quellen enthalten.

"Insofern hat sich eine neue Sachlage ergeben", hatte Dekan Günther Schulz die Entscheidung des Promotionsausschusses begründet, die Arbeit noch einmal zu prüfen.

Mathiopoulos' Anwalt Jan Hegemann will sich zu dem aktuellen Verfahren nicht äußern und verweist auf ein Statement aus dem Sommer, wonach sie in ihrer Dissertation keine Plagiate verwendet habe. Seine Mandantin sei sich sicher, dass die "erneute Überprüfung zu keinem anderen Ergebnis kommen wird als die Überprüfung der Dissertation im Jahre 1991".

Mathiopoulos stand in den achtziger Jahren der SPD nahe, 2002 trat sie in die FDP ein und wurde Beraterin des damaligen Parteichefs Guido Westerwelle. Sie gilt als Vertraute des Bundesaußenministers. So hatte sie ihn im Januar 2010 als Mitglied einer Wirtschaftsdelegation auf einer Reise nach Saudi-Arabien begleitet.

otr

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