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16. April 2012, 09:10 Uhr

Plagiatsfall in der FDP

Mathiopoulos droht Verlust der Honorarprofessuren

Für die FDP-Politikerin Margarita Mathiopoulos steht viel auf dem Spiel: Sollte sie ihren Doktorgrad verlieren, wäre sie nach Informationen des SPIEGEL wohl auch ihre beiden Honorarprofessuren los. Der Plagiatsstreit läuft seit Jahren, die Entscheidung soll diese Woche fallen.

Der FDP-Politikerin und Unternehmerin Margarita Mathiopoulos droht der Verlust ihrer beiden Honorarprofessuren. Grund ist die anstehende Entscheidung des Bonner Fakultätsrats, der diese Woche klären soll, ob die Politikerin in ihrer Doktorarbeit plagiiert hat oder nicht, berichtet der SPIEGEL. Darüber wird seit mehr als 20 Jahren gestritten.

1986 hatte Mathiopoulos an der Philosophischen Fakultät Bonn über den "Vergleich des politischen Denkens in den USA und Europa" promoviert. Der Promotionsausschuss hat bereits empfohlen, den Titel zu entziehen.

Die Technische Universität Braunschweig will eine bestehende Honorarprofessur widerrufen, falls die Universität Bonn Mathiopoulos den Doktorgrad nun rechtskräftig aberkennen sollte. Das gleiche Vorgehen hat die Universität Potsdam angedeutet.

Eine Sprecherin der TU Braunschweig erklärte, die Hochschule bestelle "nur solche Personen zu Honorarprofessorinnen oder Honorarprofessoren, die nach ihren wissenschaftlichen Leistungen den Anforderungen genügen".

Plagiatsjäger von VroniPlag rollten den Fall wieder auf

Bereits Anfang der neunziger Jahre war die Doktorarbeit stichprobenartig überprüft worden, nachdem erstmals Plagiatsgerüchte aufgetaucht waren. Die damals festgestellten handwerklichen Mängel hatte die Universität nicht als so schwerwiegend beurteilt, dass sie zur Aberkennung des Doktorgrades hätten führen müssen.

Plagiatsjäger der Seite VroniPlag kamen dann ihrerseits einige Jahre später zu dem Schluss, dass die Arbeit zahlreiche wörtliche Übernahmen ohne die korrekte Kennzeichnung fremder Gedanken und benutzter Quellen enthalte. Daraufhin entschied der Promotionsausschuss im vergangenen Sommer, die Dissertation erneut zu überprüfen. Die Doktorwürde müsse entzogen werden, sagten die Uni-Ermittler nach mehrmonatigen Beratungen.

Nun soll der Fakultätsrat entscheiden, ob Mathiopoulos tatsächlich die zwei Buchstaben vor ihrem Namen streichen muss. Sie stand in den achtziger Jahren der SPD nahe, 2002 trat sie in die FDP ein und wurde Beraterin des damaligen Parteichefs Guido Westerwelle. Sie gilt als Vertraute des Bundesaußenministers. So hatte sie ihn im Januar 2010 als Mitglied einer Wirtschaftsdelegation auf einer Reise nach Saudi-Arabien begleitet.

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