Plagiatsvorwurf Steinmeier bittet Uni um Prüfung seiner Doktorarbeit

Frank-Walter Steinmeier bittet die Uni Gießen, die Plagiatsvorwürfe gegen ihn zu untersuchen. Diese waren im Nachrichtenmagazin "Focus" von dem BWL-Professor Uwe Kamenz erhoben worden. Die Zeitschrift hatte den Rechercheur finanziell unterstützt.
SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier: "Mit großer Gelassenheit"

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier: "Mit großer Gelassenheit"

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa

Nach den Plagiatsvorwürfen geht SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier in die Offensive. "Ich habe heute Morgen mit dem Präsidenten der Universität Gießen, Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, gesprochen", teilte der SPD-Fraktionschef am Montag mit. "Ich habe ihn gebeten, eine förmliche Überprüfung der gegen mich gerichteten Vorwürfe zu veranlassen."

Das Magazin "Focus" hatte am Wochenende unter Berufung auf den Dortmunder Wirtschaftswissenschaftler Uwe Kamenz gemeldet, Steinmeiers Promotion weise "umfangreiche Plagiatsindizien" auf. Steinmeier sprach daraufhin von einem "absurden Vorwurf" und teilte nun mit, er werde noch am Montag den Präsidenten der Fachhochschule Dortmund fragen, ob es zutreffe, dass der "Focus" Geld an die Hochschule beziehungsweise an Kamenz gezahlt habe.

Kamenz bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass er Zahlungen vom "Focus" erhalten habe. Doch: "Das ist so wenig, dass ich es nicht veröffentlichen möchte", sagte Kamenz. Ein "Focus"-Sprecher sagte dazu: "'Focus' hat Kamenz zwei Mal einen dreistelligen Euro-Betrag als Aufwandsentschädigung für das Digitalisieren von Büchern zukommen lassen." Das Geld sei jedoch nicht explizit für die Untersuchung von Steinmeiers Doktorarbeit gezahlt worden. "Dies geschah losgelöst von der Untersuchung bestimmter Dissertationen."

"Unterstützt" vom "Focus"

Kamenz teilte mit: Ein bisschen mehr als ein dreistelliger Betrag sei es schon gewesen. Das Magazin habe ihn bei der Überprüfung von 20 Abgeordneten-Dissertationen "unterstützt". Kamenz hatte bereits vor zwei Jahren mit der Ankündigung für Aufsehen gesorgt, 1000 Doktorarbeiten von Politikern auf Betrügereien zu untersuchen, um "Plagiate in Deutschland auszurotten".

Erreichen will Kamenz das unter anderem mit einer von ihm beworbenen Software, die Plagiate aufspüren soll. Mit dem "ProfNet PlagiatsService" will der BWL-Professor unter anderem Steinmeiers Arbeit mit 95 Quellen verglichen haben. An mehr als 500 Stellen hätte die Software problematische Übereinstimmungen erkannt, berichtet der "Focus".

Daraufhin regte Kamenz bei der Universität Gießen eine Überprüfung der Arbeit an. Die E-Mail und den 279 Seiten umfassenden Prüfbericht (hier als pdf ) soll er auch an Steinmeiers Bundestagsbüro geschickt haben. Die Uni Gießen will sich noch am Montag zum weiteren Vorgehen äußern. Die Hochschule gehe in solchen Fällen nach einem standardisierten Verfahren vor, sagte eine Sprecherin.

Zu einem möglichen Verfahren sagte Steinmeier: "Sollte sich die Uni Gießen zu einer Überprüfung entschließen, sehe ich dem Ergebnis mit großer Gelassenheit entgegen." Steinmeier hat an der mittelhessischen Uni zunächst Rechts- und später auch Politikwissenschaft studiert. 1991 promovierte er mit seiner Arbeit "Bürger ohne Obdach: zwischen Pflicht zur Unterkunft und Recht auf Wohnraum; Tradition und Perspektiven staatlicher Intervention zur Verhinderung und Beseitigung von Obdachlosigkeit".

Der Berliner Juraprofessor Gerhard Dannemann sagte dem "Focus", die bei Steinmeier bislang festgestellten Verstöße seien weniger gravierend als im Fall von Annette Schavan. Die frühere CDU-Bundesbildungsministerin war nach Aberkennung ihres Doktortitels zurückgetreten. Dannemann sagte, er selbst sei bei Steinmeier auf drei kritische Passagen gestoßen.

In den vergangenen Jahren wurde einer Reihe prominenter Politiker der Doktorgrad aberkannt, weil sie in ihren Dissertationen in unzulässiger Form aus anderen Arbeiten abgeschrieben hatten.

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lgr/fln/dpa
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