Plakate aus 20 Jahren Ein Schaf sagt Bäääächelor

"Bitte recht plakativ" - unter diesem Motto veranstaltet das Deutsche Studentenwerk seit 20 Jahren einen Design-Wettbewerb für Studenten. Die besten Plakate sind neuerdings in einem Katalog zu finden. SPIEGEL ONLINE zeigt eine Auswahl.

Von Katrin Schmiedekampf


Die Frau auf dem Plakat hat ihr Kinn auf die Hände gestützt und schaut einen fordernd an. "Ich will Schokolade", lautet der Schriftzug über ihrem Kopf. Dieses Plakat war nie lange in der Uni zu sehen. Kaum hing es an der Wand, wurde es auch schon geklaut - öfter als jedes andere Werk, das Designstudenten für den Plakatwettbewerb des Deutschen Studentenwerks (DSW) entwarfen.

Den Studentenwettbewerb gibt es inzwischen seit 20 Jahren. Über 3800 Plakatentwürfe wurden seither eingereicht. Zeit, einen Katalog mit den schönsten und ungewöhnlichsten Entwürfen herauszugeben, dachte sich das Studentenwerk. In dem Buch sind nicht nur die Werke der Preisträger aus 20 Jahren abgebildet, sondern auch Poster, die oft geklaut wurden ("Ich will Schokolade"), nach denen Studenten immer wieder verlangten und die für den größten Aufschrei sorgten.

Am häufigsten bestellt wurde ein Plakat, auf dem die Bremer Stadtmusikanten in umgekehrter Reihenfolge zu sehen sind: Der Hahn sitzt ganz unten, auf ihm türmen sich Katze, Hund - und schließlich der Esel. So setzte ein Teilnehmer das Thema "Chancengleichheit!" ins Bild. "Dass dieses Motiv so oft nachbestellt wurde, hat uns sehr gefreut, denn das Deutsche Studentenwerk setzt sich seit vielen Jahrzehnten für mehr Chancengleichheit an unseren Hochschulen ein", sagt DSW-Präsident Rolf Dobischat.

"Plakate dürfen gern provozieren"

"Tren-nen" steht auf dem Poster, das für den meisten Ärger sorgte. Darauf ist ein Pärchen abgebildet, das sich gerade ausgezogen hat - und die Klamotten nun in einen von drei Mülleimern wirft. Das Thema hieß: "Hochschule in ökologischer Bewegung", das Plakat sollte zum Mülltrennen aufrufen. Eine kritische Betrachterin verstand das ganz anders. Sie schrieb an das Studentenwerk: "Ich denke nicht, dass es sich bei dem Plakat um Pornografie handelt, aber das Sujet hat so wenig Bezug zur Mülltrennung wie die sattsam bekannten Frauenbeine zu Autoreifen."

Dobischat findet es nicht schlimm, wenn ein Plakat auch mal negativ auffällt. "Ich bin überzeugt: Plakate sollen, ja müssen Sehnsüchte bedienen, sie müssen verblüffen oder irritieren, und sie dürfen gerne provozieren. Vor allem dann, wenn Themen aus dem Hochschul- und Studienalltag aufgegriffen werden."

Das Deutsche Studentenwerk (DSW) ist der Dachverband der 61 örtlichen Studentenwerke in Deutschland, die für die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Förderung der Studenten zuständig sind. Das BundesBildungsministerium unterstützt den Plakat-Wettbewerb. Jedes Jahr gibt das Studentenwerk ein anderes Motto vor, zu dem Design-Studenten dann Entwürfe liefern können - wenn sie sich rechtzeitig anmelden. "Chancengleichheit - gleiche Chancen?" oder "Vom Hörsaal in den Job" oder "Das ideale Studium" - die Themen passen stets zum Uni-Alltag. Beim 21. Plakatwettbewerb heißt es: "Kinder? Kinder".

Die Studenten haben die Entwürfe bereits eingereicht, sich dazu mit dem Thema Karriere und Familie befasst und überlegt: Wie können Studierende mit Kind erfolgreich studieren? Was müsste sich im Hochschul- und Studienalltag ändern, damit es leichter wird, schon während des Studiums Mutter oder Vater zu sein? Wie können Kinder im Leben von Studierenden selbstverständlicher werden?

Die Gewinner des Wettbewerbs stehen noch nicht fest und sind daher im Katalog nicht abgedruckt. Doch auch so gibt es in dem Buch genug zu sehen. Zum Beispiel einen Notizzettel, auf dem steht: "Hier sollte eigentlich ein Plakat zum Thema 'Engagement an der Uni' hängen, aber wir hatten keinen Bock". Das ist glatt gelogen - denn der Zettel auf der schwarzen Wand ist in Wirklichkeit ein Plakat. Auch der Umschlag des 160 Seiten starken Buchs ist auseinandergefaltet ein Plakat.



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