Plakatwettbewerb Was isst mein Essen?

Warum gibt man 60 Euro für ein T-Shirt aus, aber nicht 6 für ein Schnitzel? Viele Studenten wollen ethisch korrekt essen, tun es aber doch nicht. "Was isst du", fragte das Deutsche Studentenwerk für den diesjährigen Plakatwettbewerb - und erfuhr viel über Gewissensbisse beim Essen.

Hannah Rabenstein/ Christopher Civitillo

Schon komisch: Viele Studenten zahlen Hunderte Euro für ein hippes Elektroteil in einer Plastikhülle mit einem angebissenen Apfel drauf. Die Äpfel, die sie tatsächlich essen, können dagegen oft nicht billig genug sein.

Warum geben Menschen viel Geld für Kleidung, Elektronik und Unterhaltung aus, sparen aber beim Essen? Wie gut kann ein Hähnchen schmecken, das nur ein paar Zentimeter Platz zum Leben hatte? Und schmeckt das Stück Fleisch anders, wenn man weiß, wie qualvoll das Leben und Sterben des Tieres war? Kurz: "Was isst du?" - so lautete das Motto des diesjährigen Plakatwettbewerbs. Design-Studenten aus ganz Deutschland waren aufgerufen teilzunehmen.

"Uns geht es mit diesem Thema um die Spannung zwischen Wissen und Handeln", beschreibt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Studentenwerks, die Aufgabenstellung. Dabei gehe es vor allem um die Frage, wie Studenten mit der Diskrepanz zwischen ihrem schmalem Budget und moralischen Ansprüchen umgehen.

Mehr als 530 Design-Studenten aus ganz Deutschland haben sich mit dem Thema auseinandergesetzt und Plakate entworfen. Die Entwürfe, die einer Fachjury am besten gefallen, werden am 9. September 2013 in Berlin geehrt. UniSPIEGEL zeigt vorab eine Auswahl von Plakaten, die die Redaktion für besonders gelungen hält.

Es ist der 27. Plakatwettbewerb dieser Art. Im vergangenen Jahr lautete das Thema "Macht diese Hürden sichtbar!" Studenten sollten mit ihren Plakaten zeigen, wie behinderte oder chronisch kranke Menschen das Studium bereichern - und welche Barrieren und Vorurteile in den Köpfen von Dozenten und Studenten vorherrschen.

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Plakatwettbewerb: Buntstiftspitzenmäßig spitze

2011 wollte das Studentenwerk etwas über die Beziehung der Studenten zu ihrem Fach erfahren, über die Liebe zur Wissenschaft, zu Inhalten, zur Lebensphase Studium. Das Motto des damaligen Wettbewerbs lautete: "Alles Liebe?"

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Plakatwettbewerb: Liebe, Studium und Leidenschaft

lgr

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Seite 1
hansmaus 10.06.2013
1.
es ist doch ganz einfach, das 60€ Shirt kauft man wegen dem Image und wegen dem Style. Das Schnitzel im Bauch sieht ja keiner und daher muss eben da die Kohle reingeholt werden die man vorher für Hippe Dinge ausgegeben hat. Ein Studentenuniform ist teuer! Individuelles MacBook, individuelle Klamotten die alle ähnlich aussehen und von der richtigen Marke sein müssen usw das geht nunmal ins Geld.
orthos 10.06.2013
2. Nr.5 Top, Nr.3 Flop
Toll finde ich das Plakat auf dem Foto Nr.5. Da wird tatsächlich entschieden wie unsere "Nahrung" aussehgen soll. Hingegen finde ich Plakat Nr.3 lächerlich! Der Spruch ist abgekupfert. (für alles Andere gibt es Kreditkarte)... Es ist wenig kreativ und enthält m.E. u viele Markennamen, die auf solchen Plakaten nichts zu suchen haben. Zusätzlich erlaubt es Rechtfertigungen wie z.B. Die Mütze hält ein paar Jahre!, Die Schuhe sind gut für meine Füße! Bla bla bla... Nr.5 lässt solche nicht zu und führ klar von Augen das man genau jetzt von die Wahl gestellt wird.
plagiatejäger 10.06.2013
3. Gute Plakate
Gerade Studis (ich war ja selber mal einer) können kaum über ihren eigenen Tellerrand des Lebens hinausschauen, aber die Möglichkeiten des Einzelnen sind begrenzt. Jedes Semester lernt man andere "Leidensgenossen" kennen, aber in der Masse der Studenten wird niemand von außerhalb wahrgenommen. Die Selbstwahrnehmung der Studenten reduziert sich auf die Gruppen, "Und wer ist Dein Vater" - also die vielen Berufssöhne und -töchter reicher Eltern. Für viele Ordinarien zählt sowieso nur der Student, der einen Ordinarius oder mind. Chefarzt zum Vater hat, ggf. sonst irgendwie hilfreich im Geklüngel um die Versteigerung von Professorenstellen im deutschsprachigen Raum (auch Schweiz und Österreich!!!). Am schlimmsten ist aber seit Jahrzehnten München dran - hier paßt Plakat Nr. 3 am besten. Natürlich darf jeder doch seine Vorliebe für Markenprodukte haben (ich auch). Aber bei den Mieten sind die Klamotten und Laptopbeträge schon fast ärmlich. Früher war es halt der besonders teure Sony-Walkman für DM 500, die superteure Designer-Jeans für 250 (am besten in drei versch. Farben), die neue Vespa und täglich 1-2 Schachteln Zigaretten als Student (ich spreche hier ausdrücklich nicht von mir). Vieles hat sich praktisch nicht verändert (außer, man wird als Nichtraucher heute eher toleriert). Toll sind einfach die Uni-Mensen, wo man ein reines Stück Fleisch ohne die Kalorien-Fett-Pampe an Soße bekommen kann und sich mit etwas Kaloriengemüse (also Bohnen statt dummen Salat) noch brauchbar ernähren kann. Die ganzen Ideale der Studis sind tatsächlich nicht immer Heuchelei, aber der Zwang des Faktischen zeigt die eigenen Grenzen der Wirtschaftlichkeit: viele können sich nie ein Steak für 6 Euro leisten und sind froh ein T-shirt für 2,5 EUR (im Viererpack sogar mit Markennamen) zu ergattern.
Steuerzahler0815 10.06.2013
4.
ich konnt mir als student keine 120 dm t-shirts leisten das nur mal am rande Ansonsen sind Nahrungsmittel eben ein Produkt was man nur einmal nutzen kann während Kleidung ein Produkt ist was man mehrfach benutzen kann. Wenn ich übrigens an die Haltungsbedinungen denken würde würde ich an dem Tag gar kein Fleisch essen und am nächsten Tag normal weitermachen.
D_v_T 10.06.2013
5. Vergleich
Ich habe seit ca. zweieinhalb Jahren ein so ein "hippes Elektroteil" mit angebissenem Apfel, das übrigens nicht in einer Plastik- sondern Glas- und Metallhülle steckt und daher leider sehr fragil ist. Für die vielfältigen Möglichkeiten, die der Gebrauch bietet, hab ich, verteilit auf die Nutzungszeit, ca. 60 cent pro Tag bezahlt. Täglich ein Schnitzel für die besagten 6€ wären also fast das zehnfache bzw. ca. 5500€ hinblättern müssen. Diese obskure Rechnung, die allerdings von SPON als erste ins Feld geführt wurde, soll nur den unsinnigen Vergleich von Gebrauchsgegenständen und Nahrungsmitteln verdeutlichen. Ich selbst besitze zwar meines Wissens nach kein T-Shirt, was 60€ gekostet hat, allerdings ist doch offensichtlich, was den unterschiedliche Nutzen für den Konsumenten ausmacht, das Schnitzel verzehrt er für sich, in wenigen Minuten, und es ist auch nicht offen erkennbar welche Qualität es eigentlich hat. Das heißt der Premium-Aufschlag für das glückliche Leben des Mittagsessens befriedigt in erster Linien das gute Gewissen, und das hält leider auch nur in etwa bis zur nächsten Mahlzeit und somit Entscheidung über die ethisce Qualität derselben an. Das (überteuerte) T-Shirt wird aber mehrere dutzend Male tragen, dann über einen mehrere Stunden dauernden Zeitraum, und erfüllt dabei sowohl die praktische Funktion des Kleidens als auch soziale Funktionen wie Gruppenzugehörigkeit, Signalisierung eines bestimmten Geschmacks, Kenntnis des Zeitgeistes bzw. finanzielle Prosperität (bzw. auch nicht, aber man kann ja den Schein wahren) aber und hat somit einen ganz anderen Stellenwert für den Käufer. Ich finde also den Vergleich unsinnig... auch wenn er seinen populistischen Zweck sicher gut erfüllt
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